„Und was machst du so nach dem Abi?“ Das war wohl die Frage, die nicht nur mich, sondern auch hunderte andere Abiturienten im Landkreis Straubing-Bogen nun monatelang verfolgt hat. In 99% aller Fälle war die Antwort darauf Studium, Ausbildung, ein Jahr im Ausland oder eben: Keine Ahnung! Umso überraschter reagierten die meisten Leute, als ich erzählte, dass ich mit der UNESCO ein halbes Jahr am Goethe-Institut in Mexiko arbeiten werde. Bevor sich jetzt auch auf eurer Stirn Falten bilden und sich um UNESCO, kulturweit und vielleicht sogar Mexiko Fragezeichen häufen, würde ich euch aber erst mal gern über alles aufklären.

Nach zwei Jahren UNESCO-Arbeit an meiner Schule, also Arbeit mit Bildung, Wissenschaft und Kultur, war ich eigentlich ganz klar direkt in Richtung Studium und Arbeit unterwegs. Dass mir schon vor Monaten ein Programm namens „kulturweit“ ans Herz gelegt wurde, hatte ich zwar auf dem Schreibtisch – aber noch lange nicht im Kopf. Irgendwann musste ich mir dann aber doch die Zeit nehmen, mich etwas genauer darüber zu informieren. Und ich war begeistert!

Monatelange interkulturelle Erfahrungen auf der ganzen Welt, Arbeitsstellen an herausragenden Institutionen, Erstattung von Reisekosten, interessante Seminare und vor allem Möglichkeiten, nach Südamerika zu reisen – das alles würde sich mir bieten. Letzteres war besonders dahingehend interessant, dass ich Spanisch auch im Studium brauchen würde und sich meine Sprachkenntnisse locker noch verbessern lassen.

So ging sie also los, die Bewerbung ins Blaue hinein. Von Oktober bis April erstreckte sich das sechsmonatige Berwebunsverfahren und als einer von 4000 Interessenten hatte man keinen Schimmer, ob – und wenn überhaupt – wohin man geschickt werden könnte. Als dann nach mehreren Mails und Skype-Telefonaten im April endlich der Bescheid kam, dass ich in der Verwaltung am Goethe-Institut in Mexiko-Stadt eingesetzt werden würde, war ich erleichtert. Erleichtert und gleichzeitig gespannt, welche Überraschungen und Besonderheiten die fünftgrößte Stadt der Welt mit sich bringen würde.

Diese Spannung hat bis heute angehalten und jetzt ist es schon so weit: Am 1. September ging es los zum Vorbereitungsseminar in der EJB Werbellinsee – und damit zu den letzten zehn Tagen in Deutschland. Als ich gemeinsam mit meiner neuen Kollegin aus Guadalajara nach Berlin gereist bin und wir auf die ersten von 300 anderen Freiwilligen trafen, hatten wir beide das gleiche Gefühl. Wir wussten beide, dass nun eine ganz besondere Zeit beginnen würde, und, dass wir außergewöhnlich viele neue Leute treffen werden. Denn ab sofort war die Frage nicht mehr, was man nach dem Abi machen würde. Die neue Frage würde lauten: „Und in welchem Land bist du?“

In diesen Tagen werden sich bestimmt nicht nur Fragen, sondern auch einige Antworten offenbaren. Über alle Antworten und wahrscheinlich auch über die eine oder andere neue Frage, die sich auf meiner Reise ergeben, möchte ich euch weiterhin auf dem Laufenden halten. Bis dahin liebe Grüße aus Berlin!

Euer Kilian