Bedeutung: schuldig sein, etwas ausgefressen haben, etwas Unrechtes getan haben

Herkunft: Seit Jahrhunderten wurde das sogenannte Kerbholz für die Buchführung bei Warenanlieferungen oder beim Ausleihen von Gütern von Klöstern und anderen Obrigkeiten verwendet. Es handelte sich dabei um ein Holzstück, auf das die geleisteten Stunden, zu zahlende Abgaben und Ähnliches mit einem Messer eingekerbt wurden. Anschließend wurde das Holzstück der Länge nach gespalten, sodass zwei gleiche Teile vorlagen. Eine Hälfte bekam der Gläubiger, die andere der Schuldner. An einem festgesetzten Tag holte nun der Gläubiger seinen Teil des Kerbholzes vor und forderte vom Schuldner die entsprechende Leistung oder Abgabe ein. Zum Vergleich, ob alles seine Richtigkeit hatte, zog der Schuldner seine Kerbholzhälfte heran. Stimmten die beiden Hälften nicht überein, hatte einer der beiden geschummelt und wollte den anderen betrügen. Vor Gericht waren die Kerbhölzer sogar so viel wert wie Urkunden. Diese Art der schriftlichen Buchführung war aber auch in Wirtshäusern verbreitet. Ein Überbleibsel dieses Brauches findet sich auch heute noch in Wirtshäusern, wo die Bedienungen die Anzahl der Getränke mit Strichen auf dem Bierdeckel vermerken. Etwas auf dem Kerbholz haben, hieß damals also einfach, bei jemanden in der Schuld zu stehen.