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Asylbewerber in Erding Ein Besuch im „Warteraum“ – Insgesamt über 50.000 Durchreisende

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Im "Warteraum" in Erding läuft alles professionell ab. (Foto: fi)

Als „Warteraum“ wird ein Teil des Fliegerhorsts Erding derzeit genützt. Im österreichischen Grenzgebiet angekommene Asylbewerber werden dorthin gebracht, warten maximal wenige Tage und steigen dann in Busse um, die sie in dezentrale Aufnahmeeinrichtungen bringen. Was sich ein bisschen heimelig anhört, ist im Prinzip ein weitläufig angelegter, vom BAMF eingerichteter und vom Roten Kreuz gemanagter Busbahnhof mit Übernachtungs-, Verpflegungs-, Sanitäts- und Versorgungsbetrieb. Über 50.000 Durchreisende durchliefen bisher die Einrichtung.

Kein Navi kennt die Adresse, nur ein kleines BAMF-Schild an der B 388 hinter dem östlichen Ortsende von Erding weist auf den Warteraum hin. Das genügt denjenigen, die dort zu tun haben, und Busfahrer können sich Routen ohnehin leicht merken. Dabei handelt es sich neben Feldkirchen bei Straubing um das erste Camp auf deutschem Boden, das nach den Normen des Internationalen Roten Kreuzes betrieben wird. Es könnte also exakt gleich in Jordanien oder Kenia liegen. Rotkreuzhelfer aus der Schweiz, aus Kanada, Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden arbeiten mit deutschen hauptamtlichen Rotkreuzmitarbeitern als „Felddelegierte“, Ehrenamtlichen und Bundeswehrsoldaten Hand in Hand zusammen. Zu knapp 40 zivilen Helfern und ebensovielen Soldaten kommen noch Helfer und Dolmetscher der Flüchtlingshilfe Erding aus einem Pool von rund 200 Ehrenamtlichen und BAMF-Mitarbeiter hinzu, die ebenfalls von Soldaten unterstützt werden. Alle zusammen böten eine „fantastische Unterstützung“, so Günther Geiger. Geiger war bis Jahresende 2015 der Manager des Camps und organisiert nun die Überleitung von Erding und Feldkirchen vom DRK zum BRK. Er hat Erfahrungen in allen möglichen Krisengebieten der Welt gesammelt. Seine ruhige Art und sein gemütlicher, leicht gutturaler Augsburger Akzent färben auf die anderen Anwesenden ab: Obwohl ein ständiges Kommen und Gehen mit plötzlich und oft auch nachts eintreffenden Wellen von ankommenden Bussen herrscht, läuft alles unspektakulär, ruhig und mit der professionellen Freundlichkeit eines großen Hotelkomplexes ab. Die Flüchtlinge werden zunächst vom BAMF namentlich registriert, ihnen werden Fingerabdrücke abgenommen. Das ist für mitreisende Kinder sehr langweilig, daher liegen in manchen Containern Malsachen bereit. Anschließend begeben sie sich in die Obhut des Roten Kreuzes, sehen dort einen Einführungsfilm, erhalten einen Lagerausweis, werden medizinisch kurz untersucht und können anschließend Hygieneartikel und dringend notwendige Kleidung in ihren Shelter oder ihr Zelt mitnehmen. Die Shelter dienten einst als Garagen für Kampfflugzeuge, jetzt sind darin Sechs-Mann-Stuben mit vom Roten Kreuz gezimmerten Trennwänden untergebracht. Alle Shelter haben – ähnlich Kindergartengruppen – ein Symbol, etwa eine Erdbeere oder einen Hund. Dieses befindet sich auch auf dem Lagerausweis und dem Orientierungsplan, sodass jeder leicht seine Behausung findet.

Ein solcher Großbetrieb muss sich erst einspielen, und so scheinen manche Tätigkeiten auf den ersten Blick absurd. So packten Bundeswehrangehörige und Freiwillige palettenweise vom DRK gelieferte Hygiene-Kits wieder aus mit Haargummis verschlossenen Plastiksäcken und verteilten einzelteilweise Kämme, Zahnbürsten, Binden oder Duschgel in Kisten. Diese Mehrarbeit sei von anderswo sozusagen angeliefert worden, so Geiger. Natürlich wäre ihm eine angelieferte Einzelteilsortierung lieber als die Kits. Diese hätten sich aber nicht bewährt, weil zu viele Teile anscheinend zu schwer gewesen oder nicht benötigt worden seien. Daher seien überall halbvolle Hygiene-Kits herumgelegen. Der neue Ausgabemodus „funktioniert super“, so Geiger.

Oft sind es auch – im wahrsten Sinne des Wortes – Kleinigkeiten, die es Flüchtlingen und Helfern schwer machen: In den besagten Sanitär-Plastiktüten ist auch ein Handtuch enthalten. Das hat das typische Format eines Handtuchs im Gästeklo. Wer wochenlang unterwegs war und sich duschen möchte, kommt mit diesem Fetzchen Stoff nicht weit. Also nehmen Asylbewerber logischerweise mehrere Handtücher mit, sodass diese regelmäßig als Erstes ausgehen.

Ein Dauerthema sind auch die sanitären Einrichtungen. Die werden täglich von Fachfirmen im Dauerbetrieb gereinigt, was auch notwendig sei, so Geiger. Ihr Zustand ähnelte sonst sehr schnell dem von Gratis-Bahnhofsklos oder kostenfreien Toiletten auf Autobahn-Parkplätzen.

Nicht alle Asylbewerber kommen kerngesund an. Etliche haben sich während der mehr oder weniger hygienefreien Flucht Läuse oder die Krätze eingefangen. Diese würden derzeit provisorisch in „Low cost“-Sheltern untergebracht. Langfristig solle aber eine eigene Quarantäneabteilung eingerichtet werden, so Geiger. Es gibt einen Halt für ankommende Busse und einen Abfahrtspunkt mit immerhin vier Toren. Aber es passiert immer wieder, dass ganze Familien vor den Augen des Wachdienstes am inneren Tor zwei von Angehörigen mit dem Auto abgeholt und irgendwohin gebracht werden oder dass sie den ausgeschilderten Fußweg zum Bahnhof nehmen. Rechtlich ist die Sache eindeutig: Die Asylbewerber haben Residenzpflicht, dürfen das Gelände nicht verlassen. Allerdings werden sie daran weder durch bauliche Maßnahmen noch durch körperliche oder gar Waffengewalt gehindert. Viele verstehen dies schon rein verbal nicht und kommen noch dazu aus Ländern, in denen Gesetzestreue nicht zwangsläufig dazu führt, Repressalien zu vermeiden, und damit rational begründbar ist. Zu den Absurditäten gehört auch, dass für „Gäste“ extra eine Behelfs-Fußgängerbrücke über die B 388 samt Ausleuchtung des Fußwegs gebaut wurde. Wer das Lager verlässt und damit „illegal“ wird, soll offenbar wenigstens nicht ein Verkehrsopfer auf der Bundesstraße werden. Einen Shuttlebus werde man aber nicht einrichten, so ein Mitarbeiter des BAMF. Betreten kann man das Camp ausschließlich über den Hauptzugang. Dort kontrolliert die Security, ob die Besucher etwa als Helfer berechtigt sind, einzutreten. Wenn ja, werden Ausweise ausgestellt. Lägen „Auffälligkeiten“ vor, so Geiger, werde man zurückgewiesen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei, die ihrerseits auch Streife fahre, klappe gut, wenn sich Probleme anbahnten.

  1. Autor

    Niko Firnkees
  2. Datum

    05.01.2016 07:45 Uhr
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Kommentare

Solange diese übertriebene Willkommenskultur weitergelebt und jegliche Missachtung der Gesetze und Regeln durch die Asylbewerber straffrei geduldet wird, werden diese natürlich weiterhin der Meinung sein, dass sie in unserem Land wirklich tun und lassen können, was ihnen in den Sinn kommt. Köln, Hamburg und Stuttgart lassen grüßen... Man sieht ja auch daran, dass die sanitären Einrichtungen "täglich von Fachfirmen im Dauerbetrieb gereinigt" werden müssen, dass ihnen nicht mal das Selbstverständlichste und Normalste des täglichen Umgangs beigebracht werden kann. Eine wahre Bereicherung unserer Kultur... Falls die Einrichtungen wie im Artikel beschrieben aussehen, warum werden die dort Untergebrachten nicht in Reinigungsteams eingeteilt?!? Auch JEDER von uns macht seinen Sch..ß doch normalerweise selbst weg, oder?!? Auch hätten sie doch wohl genug Zeit dazu. Sollten sich welche (höchstwahrscheinlich muslimische Männer) vehement weigern, da es ihrer Meinung nach "unter ihrer Würde und solche Tätigkeiten reine Frauensache sei", sollte man sich ernsthaft überlegen, ob unser Land wirklich das Geeignete für sie ist und sie eventuell gleich wieder in das sicher Herkunftsland zurückschicken, aus dem sie eingereist sind. So könnte man ihnen zudem etwas von unserem Wertesystem beibringen: Frauen und Männer haben hier die gleichen Rechte und Pflichten, alle müssen die hier geltenden Gesetze, Vorschriften und Anordnungen einhalten. Wer dies nicht lebt, ist hier nicht willkommen.

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