Abensberg Wahlkampf-Schlagabtausch auf dem Gillamoos

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei seinem Auftritt am Montag, 4. September, auf dem Gillamoos in Abensberg (Kreis Kelheim). Foto: Sven Hoppe, dpa

Keine drei Wochen vor der Bundestagswahl haben die Redner beim traditionellen Bierzelt-Wahlkampf im niederbayerischen Abensberg auf dem Gillamoos für ihre politischen Programme geworben.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz betonte am Montag in seiner Rede auf dem Gillamoos-Volksfest in Abensberg die Ungleichheit unter den Deutschen. Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) äußerte sich unter anderem zum Nordkorea-Konflikt und rief die Union zu einem klareren Profil gegenüber der SPD auf. Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte unter anderem das Festhalten am Verbrennungsmotor. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner machte sich für die Mittelschicht stark und sprach sich gegen ein festes Renteneintrittsalter aus.

Der Gillamoos ist einer der ältesten Jahrmärkte Niederbayerns, immer rund um das erste Septemberwochenende. Am letzten Tag des fünftägigen Festes treten traditionell Spitzenpolitiker parallel in Bierzelten auf, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind.

Schulz klagte nach dem einzigen TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend, viele drängende Fragen seien gar nicht gestellt worden - etwa zu Bildung und Gerechtigkeit. Deutschland sei ein reiches Land, aber es seien "nicht alle Menschen in diesem Land reich", betonte Schulz und beklagte massive Einkommensunterschiede in der Republik. "Das spaltet das Land." Er kündigte an, als Kanzler in den ersten 100 Tagen dafür zu sorgen, dass alles unternommen werde, um die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen zu beenden.

Guttenberg sagte: "Wir müssen darauf achten, dass die Menschen verstehen, wofür eine bürgerliche und konservative Politik steht." Während der ersten Stunde des TV-Duells habe er gedacht, "wir müssen aufpassen, dass sich die beiden nicht plötzlich umarmen" und die Fusion von zwei großen Volksparteien verkünden. Der Umgang von SPD und CDU zeige, wie wichtig die CSU für die Union sei. "Es war und ist unsere Aufgabe, die Dinge beim Namen zu nennen", betonte er. Seiner Ansicht nach sollte Deutschland im Konflikt zwischen den USA, Russland, China und Nordkorea vermitteln. "Ich mache mir tatsächlich große Sorgen, dass das eskalieren könnte", sagte Guttenberg.

Özdemir forderte: "Der nächste deutsche Verkehrsminister darf sich nicht vier Jahre lang mit einer Maut beschäftigen." Er bezeichnete Amtsinhaber Alexander Dobrindt (CSU) als "unfähig" und kritisierte die Verkehrspolitik der großen Koalition. "Der Verbrennungsmotor war mal eine coole Erfindung, um die Kutsche abzulösen." Jetzt sei es an der Zeit, das nächste große Ding auf die Straßen zu bringen.

Lindner kritisierte, beim TV-Duell sei es viel um Flüchtlinge und Manager gegangen. "Um diese zwei Pole." Es gebe dazwischen jedoch Millionen Menschen, die nicht bedürftig, aber auch nicht aus dem Gröbsten raus seien. "Diese Menschen haben sich gestern Abend doch gefragt: Wo war eigentlich ich?" Der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, warf Merkel vor, das Land an die Wand zu fahren. "CSU und SPD tragen die Amokfahrt mit", sagte er.

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