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Artikel vom 05. March 2013 11:25, 302 mal gelesen

Berlin

Wie wird man eigentlich Papst?

So läuft die Wahl des neuen Papstes ab – Fragen und Antworten

Autor: dpa
Der Stuhl Petri im Petersdom in <br/>der Vatikanstadt ist leer. Die Kardinäle wählen nun einen neuen Papst. <br/>(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)<br/>

Der Stuhl Petri im Petersdom in
der Vatikanstadt ist leer. Die Kardinäle wählen nun einen neuen Papst.
(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Eine solche ungewöhnliche Wahl wie im Vatikanstaat gibt es wohl in keinem anderen Staat auf der Welt: Sie findet in völlig unregelmäßigen Abständen statt, die Wähler werden tagelang eingesperrt - und wenn sie eine Entscheidung getroffen haben, verbrennen sie ihre Stimmzettel. Noch dazu schaut die ganze Welt auf die Wahl des Regenten des kleinsten Landes der Welt. Denn der leitet nicht nur die Geschicke des Vatikan, sondern ist in erster Linie das Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken weltweit. Am vergangenen Wochenende (2./3. März 2013) sind die katholischen Kardinäle aus aller Welt in Rom eingetroffen, um das Konklave, also die Wahl eines neuen Papstes vorzubereiten. Das Wort "Konklave" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "mit Schlüssel", denn die Kardinäle werden zur Wahl in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen. Die wichtigsten Fragen und Antworten über die Wahl des Papsts:

Wann findet das Konklave statt?
Vor einigen Wochen wäre die Antwort auf diese Frage noch einfach gewesen: Bevor Papst Benedikt XVI. seinen Amtsverzicht erklärte, galt: Die Amtszeit des Papstes endet erst mit seinem Tod. Danach musste eine Zeitspanne von mindestens 15 und höchstens 20 Tagen eingehalten werden, bevor das Konklave einberufen wurde. Nach dem Rücktritt Benedikts muss das nun nicht mehr zwingend sein. Eine der letzten Entscheidungen Benedikts lautet, dass das Konklave beginnen kann, sobald alle Kardinäle in Rom anwesend sind. Das ist inzwischen der Fall. Im Moment sind die Kardinäle allerdings noch mit der Vorbereitung des Konklaves beschäftigt. Wann genau es beginnen soll, haben sie noch nicht entschieden. Wahrscheinlich werden sie aber in den nächsten Tagen zu einem Entschluss kommen.

Wer ist bei der Papstwahl wahlberechtigt und wer sind die Kandidaten?
Wählen dürfen nur Kardinäle, die höchsten kirchlichen Würdenträger nach dem Papst selbst, die jünger als 80 Jahre sind. Genau genommen müsste man wohl allerdings eher von Wahlverpflichteten als von Wahlberechtigten sprechen. Denn die Kardinäle müssen an der Wahl teilnehmen. Nur Krankheit wird als Grund akzeptiert, ihr fernzubleiben. Am anstehenden Konklave nehmen 115 Kardinäle teil. Kandidat ist theoretisch jeder männliche Katholik. In der Praxis wählen die Kardinäle jedoch meist einen aus ihrer Mitte. Unter ihnen gibt es wiederum Favoriten, sodass die Zahl der tatsächlichen Kandidaten sehr überschaubar bleibt und in der Regel unter zehn liegt.

Haben alle Kardinäle das gleiche Stimmrecht?
Ja. Es gibt zwar innerhalb des Kardinalskollegiums unterschiedliche Ränge, aber die Stimme aller Wahlteilnehmer wiegt gleich. Allerdings ist es den Kardinälen verboten, für sich selbst zu stimmen.

Wie läuft die Wahl des Papstes ab?
Das Konklave beginnt mit einer Messe im Petersdom. Nach ihrem Ende ziehen sich die Kardinäle in die Sixtinische Kapelle zurück, die dann verschlossen wird. Erst wenn sie einen neuen Papst gewählt haben, dürfen sie das Gebäude wieder verlassen. Der Grund für die völlige Abschottung ist, dass die Kardinäle in ihrer Entscheidung auf keinen Fall von außen beeinflusst werden sollen. Auch Telefon, Computer, Radio, Fernseher und Zeitungen sind für sie tabu. Nachdem sie in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen wurden, beginnen die Kardinäle mit den Wahlgängen. Pro Wahlgang erhält ein jeder Kardinal einen Stimmzettel, auf dem er den Namen des von ihm bevorzugten Kandidaten einträgt. Die Zettel werden gesammelt und von drei Wahlhelfern ausgezählt. Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel verbrannt. Die Chemikalien, die dabei zusätzlich in das Feuer geschüttet werden, sorgen dafür, dass der Rauch, der aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, weiß oder schwarz ist, je nachdem, ob der Wahlgang bereits ein Ergebnis gebracht hat oder nicht. Das wird wiederholt, bis ein Kandidat zwei Drittel aller Stimmen auf sich vereinigen kann - so lange schaut die Weltbevölkerung gebannt auf den Schornstein.

Wie lange dauert die Papstwahl?
Es gibt keine vorgeschriebene Anzahl an Wahlgängen. Das Konklave dauert so lange, bis einer der Kardinäle eine Zweidrittelmehrheit erreicht. In der Vergangenheit haben sich die Wahlmänner dafür mitunter viel Zeit genommen: Das längste Konklave aller Zeiten fand im 13. Jahrhundert statt und dauerte mehr als 1000 Tage. Dass sich das bei der anstehenden Wahl wiederholt, ist allerdings unwahrscheinlich: Heute würden ab dem 33. Wahlgang zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen so lange Stichwahlen durchgeführt, bis einer von ihnen die Mehrheit bekommt.

Was geschieht, wenn die Kardinäle zu einer Entscheidung gekommen sind?
Haben die Kardinäle einen der ihren zum nächsten Papst gewählt, muss dieser zuerst zustimmen, dass er das Amt übernehmen möchte. Anschließend darf er sich aussuchen, wie er sich als Papst nennen will. Anschließend werden die Stimmzettel, mit denen der neue Papst gewählt wurde, im Kamin der Sixtinischen Kapelle verbrannt, sodass der weiße Rauch aufsteigt. Ist das geschehen, tritt der Zeremonienmeister des Papstes aus der Kapelle und spricht die berühmten Worte "Habemus Papam", wir haben einen Papst, und nennt dessen Namen. Schließlich tritt das neue Kirchenoberhaupt selbst den Menschen auf dem Petersplatz entgegen und segnet mit dem "Urbi et Orbi" die Stadt und den Erdkreis.

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