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Artikel vom 05. März 2013 17:46, 468 mal gelesen

Landshut

Die CSU-Fraktion benötigt dringend eine Kur

Sieben fröhliche Darsteller der Jungen Union schenken der Mutterpartei gehörig ein

Autor: Siegfried Rüdenauer
Sie sorgten mit ihrem Schauspiel für Furore: Ludwig Schnur, Thomas Haslinger, Marcel Begemann, Benedikt Haseneder, Ferdinand Lutter, Jessica Hensel und Karina Habereder (von links). Nicht auf dem Bild zu sehen sind ein Stuhl mit Küffner-Koffer und Bernhard Leder, der das Publikum zwischendurch mit der Ziehharmonika bei Laune hielt. (Foto: rüd)

Sie sorgten mit ihrem Schauspiel für Furore: Ludwig Schnur, Thomas Haslinger, Marcel Begemann, Benedikt Haseneder, Ferdinand Lutter, Jessica Hensel und Karina Habereder (von links). Nicht auf dem Bild zu sehen sind ein Stuhl mit Küffner-Koffer und Bernhard Leder, der das Publikum zwischendurch mit der Ziehharmonika bei Laune hielt. (Foto: rüd)

Was CSU-Stadtrat Helge Teuscher vor Jahren erfolgreich begonnen hatte, wurde von JU-Stadtchef Thomas Haslinger verfeinert. Mittlerweile hat sich das Starkbierfest der Jungen Union zu einem fröhlich-garstig-hintersinnigen Termin gemausert, den man nicht verpassen sollte. Auch am Montag wurden im "Zollhaus" vor 120 Besuchern natürlich die politischen Gegner aufs Korn genommen. Die verbalen Breitseiten gegen die eigenen Leute fielen aber mindestens genauso heftig aus.

Fast alle, die abgewatscht wurden, saßen im Publikum, brüllten vor Lachen oder lächelten gequält. Eine besondere Beziehung wurde mehr als deutlich: Haslinger und Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner werden wohl nie beste Freunde werden. Die CSM-Abspaltung verglich der Bußprediger nicht nur mit Tick, Trick und Track, sondern auch mit einem Triumvirat. Die drei ähnelten aber nicht ganz historischen Vorbildern wie Caesar, Pompeius und Crassus, "denn bei denen war nie so eine grausame Frau dabei".

Die drei seien angetreten, den - je nach Sichtweise König oder Tyrannen - zu stürzen. Damit war der oft zaudernde Helmut Radlmeier gemeint. Der habe seine Durchsetzungskraft aber durchaus verbessert, sagte Haslinger, um süffisant über Radlmeiers Gremienarbeit zu plaudern: "Jetzt haut er auch mal richtig auf den Tisch, gut wäre es jedoch, wenn die Adressaten das nächste Mal auch im Vorstand anwesend wären." Radlmeier müsse sich anstrengen, wolle er nicht einmal als der in die Geschichte eingehen, der im Landtag 20 Jahre auf der Hinterbank gesessen hat.

Thomas Haslinger hielt eine kurzweilige Fastenpredigt. (Foto: rüd)

Thomas Haslinger hielt eine kurzweilige Fastenpredigt. (Foto: rüd)

Höflich bis mitleidig beschäftigte sich der Bußprediger mit den Nicht-CSUlern im Stadtrat: Prof. Dr. Christoph Zeitler (FDP) attestierte er, Fraktionschef einer Partei zu sein, in der man derzeit keine Karriere machen könne. Bürgermeister Gerd Steinberger (SPD) stärke dem Oberbürgermeister oft den Rücken und sei wohl ein heimlicher Schwarzer. Und Robert Neuhauser, der inzwischen bei der Bayernpartei angekommen ist, habe bald mehr politische Ehen hinter sich als Gerhard Schröder echte.

Das einzig Spannende bei den Grünen sei die Frage, wie Sigi Hagl Bürgermeister Dr. Thomas Keyßner aus dem Weg räume. Und bei den Freien Wählern gebe es mehr als die "omnipräsente Bierzeltlolita Jutta Widmann". Etwa den "Meister der verdeckten Aktion, den Fürst der Finsternis - Lothar Reichwein". Der sei so was von CSU: "Er muss nur noch 20 Jahre älter werden, bisschen integrieren, und er fühlt sich bei uns pudelwohl." Der Unterhaltungswert der CSU steige im Vergleich zu ihren Mandatsträgern exponentiell. Ingeborg Pongratz etwa, die Vorsitzende des Kneipp-Vereins, drehe richtig auf. Haslinger empfahl der kompletten Fraktion eine Kneipp-Kur: "Aber nicht, dass die Hälfte mit Herzproblemen aus dem Kaltwasserbecken fällt." Gütig ging er mit dem Bezirkstagspräsidenten ins Gericht. Leider scheide Manfred Hölzlein aus der Politik, üblicherweise aber falle ein Schlachtross in der Schlacht.

Der Oberbürgermeister wurde in der Predigt wie im Schauspiel gleichermaßen freundschaftlich gehänselt, zum Beispiel wegen seiner wenig ausgeprägten Lateinkenntnisse. Die sieben JU-Leute unterhielten das Publikum bei dem Spiel, in dem die CSU einen Spitzenkandidaten für den Stadtrat sucht, grandios, unter anderem mit einem auferstandenen Franz Josef Strauß (Ludwig Schnur) und einem Stadtdirektor Andreas Bohmeyer (Ferdinand Lutter). Auch dabei bekam die echte Goderbauer-Marchner ihr Fett ab. Heftig wurde es, als der junge Schnur den Strauß sagen ließ, Stadträtin Gaby Sultanow würde ein Dirndl gut ausfüllen. Karina Habereder ließ eine empörte Goderbauer-Marchner antworten: "Mir reicht's . Dieser Sexismus in der CSU - und ich bin nie das Ziel, das ist unfair !"

Das Publikum johlte. Und johlte weiter, denn der Abgang von Gabriele Goderbauer-Marchner verband sich mit einer genialen Idee. Mit den Worten "Thomas, wir gehen!" schnappte sie sich einen Rollkoffer, der die ganze Zeit auf einem Stuhl neben den anderen Spielern gestanden hatte, und verließ den Raum. Der Koffer ohne Mann stand für Prof. Dr. Thomas Küffner, der sich oft entschuldigen lässt und in Sitzungen gerne verspätet und abgehetzt mit besagtem Koffer auftaucht.

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