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Artikel vom 04. März 2013 16:03, 184 mal gelesen

Viechtach/Kollnburg

Bemühungen um ein „zweites Teisnach“

Kommt ein Technologietransfernzentrum Sensorik ins Industriegebiet Reichsdorf-Nord?

Autor: job
Josefa Schmid im Gespräch mit Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch. - Foto: Schmid

Josefa Schmid im Gespräch mit Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch. - Foto: Schmid

Im interkommunalen Industriegebiet Reichsdorf-Nord wäre noch ein Plätzchen frei. Dort würden die Bürgermeisterkollegen Josefa Schmid und Georg Bruckner ebenso wie Landrat Michael Adam und HDU-Deggendorf-Präsident Professor Peter Sperber gerne ein neues Technologietransferzentrum Sensorik sehen. Gespräche dazu hat Josefa Schmid bereits am Wochenende in Aschaffenburg mit Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch geführt. Ihm hat sie inzwischen auch das seinerzeit vor knapp drei Jahren für die Stadt Regen eingereichte Konzept von Professor Sperber für ein weiteres Technologiezentrum zugeschickt, inklusive Bewerbung.

Minister Heubisch um Zusage gebeten

Im Industriegebiet wurden im vergangenen Jahr von Frühjahr bis Herbst auf rund 21 Hektar Fläche und 15 Hektar reiner Industriefläche die Erschließungsanlagen für einen Betrag von 6,42 Millionen Euro (einschließlich Kosten des Grunderwerbs) realisiert. Mitte Oktober erfolgte der Spatenstich für das neue Rehau-Logistikzentrum, am Donnerstag kaufte der Großküchenhersteller Degrotec GmbH/Wamsler aus Viechtach ein weiteres Grundstück. Zusätzliche Firmen werden in diesem Jahr noch folgen. "Sehr gerne würden wir bei der Parzellenverteilung ein Areal für einen Technologiecampus für die Fachrichtung Sensorik einplanen", so Josefa Schmid in ihrem Schreiben an den Wissenschaftsminister. Unter die Arme greift ihr dabei HDU-Deggendorf-Präsident Professor Peter Sperber, der betont, dass es nicht nachteilig für Viechtach und Kollnburg sein dürfe, dass der Zuschlag für ein ursprünglich für den Raum Viechtach vorgesehenes Technologietransferzentrum für Kunststofftechnik an das mittelfränkische Weißenburg erfolgt ist. Etliche Unternehmen im Landkreis, auch in unmittelbarer Nachbarschaft des Industriegebiets Reichsdorf-Nord, hätten im Bereich Sensorik nationale und internationale Anerkennung erreicht. Die Unternehmen sind - nach Sperbers Aussage - auch weiterhin am Aufbau eines Technologiecampus für Sensorik im Kreis Regen interessiert.

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Bemühungen um ein "zweites Teisnach"

Doch damit ein "zweites Teisnach" im Landkreis Regen entstehen könnte, müsste Heubisch grünes Licht geben. "Unterstützen Sie uns darin, den Bayerwald weiter zur Technologieregion auszubauen und geben Sie uns die Zusage, ein weiteres Technologietransferzentrum im Landkreis Regen in Angriff zu nehmen", so die Bitte von Josefa Schmid in ihrem Schreiben.

Konzept aus Regen eins zu eins anwendbar

HDU Deggendorf-Präsident Dr. Peter Sperber erklärt im Gespräch mit dem Viechtacher Anzeiger, dass die Hochschule bezüglich des Technologietransferzentrums zwar nicht selbst tätig werden könne, sollte der politische Wunsch an ihn herangetragen werden, so Sperber, dann unterstütze man diesen aber gerne. Das für die Stadt Regen eingereichte Konzept sei "eins zu eins auch für das Industriegebiet Reichsdorf-Nord" übertragbar, erklärte er.

Die Euphorie seiner Bürgermeisterkollegin Josefa Schmid lobt Viechtachs Bürgermeister Georg Bruckner, der den bisherigen Stand der Bemühungen dennoch bodenständig sieht. "Trotzdem hoffe ich, dass Josefa Schmid mit ihrer Euphorie möglichst viele Menschen ansteckt, damit wir gemeinsam hier etwas bewirken können", so Bruckner weiter.

"Ich würde mich sehr freuen, wenn es uns gelingen würde, einen weiteren Campus im Landkreis Regen anzusiedeln", erklärt Landrat Michael Adam zu den aktuellen Bemühungen. "Ich bin bereits seit einigen Monaten im Hintergrund mit Hochschulpräsident Professor Sperber und seinem Stellvertreter Professor Klühspies im Gespräch, um zu eruieren, welche Möglichkeiten es für die Ansiedelung weiterer Campi im Landkreis Regen gibt. Demnächst wäre hier ohnehin geplant gewesen, dass ich Vertreter der Hochschule und der drei Landkreis-Städte einlade, um das weitere Vorgehen zu besprechen", so der Landrat weiter. Grundsätzlich sieht er es aber nicht als Aufgabe des Landkreises, sich um weitere Campi zu bewerben. Dies müssten seiner Meinung nach die Kommunen selbst tun. Um keine Wettbewerbsnachteile zu erleiden, führen vhs-Geschäftsführer Herbert Unnasch, Regionalmanager Markus König und Adam selbst aber im Hintergrund Gespräche. "Leider muss man feststellen, dass die Kommunen im Landkreis seit 2008 nicht mit allem Nachdruck an der Bewerbung um weitere Campi gearbeitet haben. In dieser Zeit wurden im Nachbarlandkreis Freyung-Grafenau neben Freyung bereits zwei weitere Campi ausgewiesen. Ich möchte hier also am Ball bleiben", betont Adam.

Bewerbung ist keine Aufgabe des Landkreises

Gleichzeitig warnt er aber auch davor, in Aktionismus zu verfallen. Ein Technologiecampus im Ort bedeute noch lange keine blühenden Landschaften und sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen. Man müsse sich von der Vorstellung verabschieden, dass das Modell Teisnach automatisch auf alle Kommunen übertragbar sei. Wenn neue Campi gebaut werden sollten, müssten diese nach Adams Ansicht auch von den jeweiligen Kommunen selbst leistbar sein.

Finanzielle Belastung für Kommunen

Über Standortfragen möchte der Regener Landrat derzeit noch nicht diskutieren, doch wäre "ein Standort in Viechtach oder in der näheren Umgebung ein guter Standort", wie er betont. "Nachdem klar ist, dass die Kommunen dies weitgehendst selbst finanzieren müssen, bedeutet dies aber auch eine finanzielle Belastung der Kommune. Wenn ich ganz nüchtern und sachlich auf die Haushalte der Städte blicke, dann kann Viechtach eine solche Investition noch am ehesten stemmen. Anders als in Teisnach, wo der Campus ohne Mehrbelastung für die Bürger errichtet wurde, befürchte ich aber, dass in Viechtach nach so einer Investition eine Steuererhöhung unumgänglich wäre. Vielleicht wäre hier sogar eine interkommunale Lösung mit Kollnburg am einfachsten realisierbar."

Dass Kollnburg die Investition allein bewältigen kann, ist aus Sicht von Michael Adam nur schwer vorstellbar, ausschließen will er dies jedoch nicht, denn dies sei sicher eine Möglichkeit der Kommunalen Selbstverwaltung.

Sein Fazit: "Egal welche Kommune sich entschließt, sich um einen Campus zu bewerben, ich werde sie nach Kräften unterstützen. Grundsätzlich ist es so, dass im Raum Viechtach viele gute Unternehmen sind, die von einem Campus profitieren könnten, aber auch in anderen Landkreisteilen gibt es gute Firmen, die vom Know-How einer Fachhochschulaußenstelle profitieren könnten".

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Kollnburg, Bayern, Deutschland

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