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Artikel vom 03. March 2013 13:49, 425 mal gelesen

Straubing

Oliver! - Zehn Mal ausverkauft

Musical „Oliver“ biegt in die Zielgerade - Ausverkauft - Mit Stephanie Lorenz im Gespräch

Autor: M. Schneider-Stranninger
Impressionen von Oliver. Foto: Mathias Adam und Ulli Scharrer

Impressionen von Oliver. Foto: Mathias Adam und Ulli Scharrer

Sieben Aufführungen hat die Straubinger Musicalproduktion "Oliver" im Theater am Hagen bereits hinter sich. Vier stehen noch bevor. Die Crazy Musical Company kann zehnmal ein ausverkauftes Haus vermelden. "Das Rad geht um", ist Stephanie Lorenz, Vorsitzende des erst vor einem Jahr gegründeten Vereins, erleichtert. Sie praktiziert dabei, was man Frauen vollkommen zurecht nachgesagt, nämlich dass sie Multitasking beherrschen. Stephanie Lorenz singt einen großen Solopart, schauspielert mit einigem Körpereinsatz, hat mit Denise Winklmaier die gut 80 Kostüme zusammengestellt, das schmucke Programmheft konzipiert und obendrein mit den Solisten wochenlang ihre Partien einstudiert.

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Die Anstrengung von bereits sieben Aufführungen merke man jedem an, sagt Stephanie Lorenz, vor allem stünden einige Akteure zurzeit trotz Erkältung auf der Bühne. Zehn Aufführungen seien einfach ein Wagnis, allemal wenn so viele Kinder mit von der Partie seien. Aber gerade die Kinder zeigten enorme Leidenschaft und Durchhaltevermögen. Andererseits spüre man im Ensemble positiv die zunehmende Routine. "Es wird lässiger gespielt, die Feinheiten kommen noch stärker heraus. Wir sind sicherer geworden und gehen völlig auf in der Handlung."

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Sie selber hat rollenbedingt schon die eine oder andere Beule oder blauen Fleck als Souvenir, denn Bill Sikes geht auf der Bühne nicht gerade zimperlich mit seiner Geliebten Nancy um.

Drei Stunden lang 60 Paar Schuhe ausgesucht


Bis sich im Theater am Hagen der Vorhang zum ersten Mal öffnete, hat Stephanie Lorenz rund 80 Kostüme im Kostümverleih Vogel in Eggenfelden ausgesucht. "Ein Wahnsinnserlebnis", erzählt sie von der dortigen Halle mit drei Etagen dicht gehängter Kleider, zwischen denen man auf Leitern herumklettere. "Wir haben jeden einzelnen Akteur von "Oliver" vermessen und für jeden einen Handzettel mit den nötigen Utensilien angefertigt", sagt sie. Zwei Leute waren allein drei Stunden damit beschäftigt, 60 passende Paar Schuhe auszusuchen. "Und dann wachsen Kinder binnen weniger Wochen schon mal aus zwei Schuhgrößen heraus", winkt sie lachend ab. Denise Winklmaier, die auch den Agnes-Bernauer-Fundus verwaltet, hat ihre Erfahrung eingebracht und kümmert sich um die Ausgabe und nach den zehn Aufführungen ums Wiedereinsammeln der Kostüme. Denn: Es ist alles nur geliehen.

Am aufreibendsten ist das, was man nicht sieht

Was war bisher am aufreibendsten? Da muss Stephanie Lorenz erst einmal überlegen. "Eigentlich", sagt sie dann, "waren das die Dinge, die man gar nicht sieht". Den Verlag um die Rechte anschreiben, Verträge mit Ton- und Lichttechnik schließen, Termine abstimmen. Zwischendurch hätten einige sogar mitgeholfen, das Bühnenbild zu streichen. Bewährt habe sich auf jeden Fall, dass die Crazy Musical Company Profis einbezogen oder um Rat gefragt habe, zum Beispiel auch bei der Gestaltung des Programmheftes.

Und das ganz normale Leben geht schließlich auch weiter. Da muss Stephanie Lorenz schmunzeln. Ihre beiden Kinder, Hannah (8) und Elijah (6) singen im Kinderchor mit und ihr Mann hat zwei Einsätze als Statist. Er fährt mit einem Fahrrad über die Bühne. Es mache es einfacher, dass die ganze Familie mit von der Partie sei. Sogar ihre Schwiegereltern helfen hinter den Kulissen mit und ihre Cousine, von Beruf passenderweise Erzieherin, hat sich bereiterklärt, die vielen Kinder im Ensemble während der Aufführung zu betreuen und sie stichwortgenau auf die Bühne zu schicken. "Und wir haben eine Reihe von Lehrern im Ensemble", sagt sie zur Kinderbetreuung.

Sie habe durchaus gewusst, was auf sie zukommt, versichert Stephanie Lorenz, die mit ihrer Familie in Haibach wohnt und ganzjährig freiberuflich Musik- und Gesangsunterricht erteilt. In den letzten Jahren war sie bei den Freilicht-Opernproduktionen von Ricarda Geary und Gerold Huber und dem Kammerchor als Solistin in "Dido und Aeneas", "Der bekehrte Trunkenbold" und "Die Zauberflöte" zu hören sowie beim Musical "Nostradamus" als Katharina di Medici. Außerdem ist sie Teil des Musical-Ensembles "4You".

Stephanie Lorenz hat nach dem Abitur am Anton-Bruckner-Gymnasium in Nürnberg elementare Musikpädagogik und Gesang studiert. Vorteil ihrer freiberuflichen Tätigkeit sei, dass sie ihre Zeit familienfreundlich frei einteilen kann, ist sie froh.

Rücklagen, um das nächste Projekt zu stemmen


Daneben leitet sie drei Kinder-, einen Jugend- und einen Erwachsenenchor. Mit diesen Ensembles hat sie auch bisher schon Aufführungen (die Musicals "Tabaluga und Lilli" und "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat") gestemmt, vom Aufwand her allerdings nicht mit "Oliver" zu vergleichen. "Ich habe beim jetzigen Projekt gelernt, zu delegieren", sagt sie.

Das Debüt der Crazy Musical Company, "Oliver", ist ein Erfolg. Das ist insbesondere für die sieben Gründungsmitglieder eine große Erleichterung. Zwischenzeitlich zähle der Verein an die 80 Mitglieder, "alle, die jetzt bei "Oliver" auf der Bühne stehen", sagt Stephanie Lorenz und lacht.

Größter finanzieller Posten seien Ton und Technik, sagt sie. Auch die Kostüme schlagen zu Buche, erst dann die Aufführungs-Rechte mit 15 Prozent je verkaufter Eintrittskarte. Finanziell gehe das Rad um, so ihre Einschätzung, neben den ausverkauften Vorstellungen vor allem auch, weil die Stadt die Übernahme der Theatermiete zugesagt habe und sich weitere Sponsoren fanden. Aber es sollten eben auch ein paar Rücklagen herausspringen, um in zwei Jahren, so hat es sich der Verein vorgenommen, die nächste Produktion zu stemmen. Es wird - der Name ist Programm - natürlich wieder ein Musical. "Das ist die Nische, in die wir uns in Straubing einschleichen", sagt sie. Mit allem anderen sei Straubing ohnehin gut ausgestattet. Eingeschlichen hat sich die Crazy Musical Company nicht, sie hat mit einem Paukenschlag Hoffnung auf das Revival der früheren Musical-Winter geweckt.

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