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Artikel vom 03. März 2013 16:15, 551 mal gelesen

Arnbruck

„Biathlon ist für uns wie eine Sucht“

Ganz vorne dabei: Verena und Christina Schrötter erzählen über ihr Sportlerleben

Autor: Nicole Ernst
Voller Begeisterung erzählen Verena (links) und Christina Schrötter vergangene Woche, daheim in Arnbruck, von ihrem "Biathlonleben".

Voller Begeisterung erzählen Verena (links) und Christina Schrötter vergangene Woche, daheim in Arnbruck, von ihrem "Biathlonleben".

Ihr erstes Paar Langlaufski haben sie noch. "Einen Meter waren die lang", sagt Christina Schrötter und breitet lächelnd ihre Arme aus. "Stimmt", nickt ihre Schwester Verena zustimmend. "Und die heben wir auch weiterhin auf." Vier Jahre waren die Mädchen damals alt, als sie das erste Mal auf diesen Skiern standen. Jetzt - 13 Jahre später - sind die Zwillinge aus Arnbruck begeisterte und erfolgreiche Biathletinnen: Im Deutschland-Pokal, dem Nachwuchswettbewerb im Biathlon, mischen sie ganz vorne mit. Gerne werden sie in Berichten als "flinke Zwillinge" bezeichnet, die gerade in diesem Winter "Topergebnisse" erzielt haben.

Dabei kamen die Schrötter-Zwillinge eher zufällig zum Biathlon: Mehrere Jahre waren sie im Alpinski erfolgreich, haben mit Begeisterung Tennis und Fußball gespielt. Aber dem Langlauf sind sie immer treu geblieben: Die Zwillinge haben beim WSV Skadi Bodenmais trainiert und die Zeit dort genossen. "Wir waren eine tolle Gruppe. Das hat einfach alles gepasst - die Leute, das Training", erzählen die sympathischen Mädchen und geraten dabei immer noch ins Schwärmen.

Ganz entspannt sitzen sie mit Mama Claudia in der gemütlichen Küche, daheim in Arnbruck. Ein seltener Moment, da die Mädchen während der Woche eigentlich in Berchtesgaden, im Wintersportinternat, sind. Für die Deutschen Juniorenmeisterschaften im Biathlon, die von Freitag bis Sonntag am großen Arbersee stattfanden, sind sie vergangene Woche aber eher heimgekommen.

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Biathlon am Arbersee

"Nachdem unsere Gruppe beim WSV auseinandergebrochen ist, haben wir immer wieder mal mit Papa trainiert", erinnern sich die Schwestern weiter an die Anfänge ihrer Sportkarriere. Mit ihrem Vater waren sie dann auch am Arbersee unterwegs, als sie von Franz Bernreiter angesprochen wurden. Bernreiter, der zu den erfolgreichsten deutschen Biathleten gehörte und nach seiner aktiven Zeit als Sportler zum Trainerstab wechselte, hat die Mädchen zu einem Schnuppertraining eingeladen.

Gut sechs Jahre liegt das nun zurück. "Das Training war einfach toll", erinnert sich Verena und ihre Augen leuchten. "Fußball macht ja jeder, aber Biathlon ist etwas ganz anderes. Das Laufen in Verbindung mit dem Schießen, das ganze Drumherum", versucht sie ihre Leidenschaft für diesen Sport zu erklären.

"Die Beiden haben schon immer Vollgas gegeben"


Ein Leben ohne Biathlon - für die Zwillinge inzwischen undenkbar. "Biathlon ist für uns wie eine Sucht." Den Stress, den das intensive Training mit sich bringt, nehmen sie gerne in Kauf. "Die beiden haben schon immer Vollgas gegeben", sagt Mama Claudia und lächelt ihre Töchter an. Genau wie ihr Mann unterstützt sie ihre "Mädels", wo sie nur kann. "Meine Hauptaufgaben sind es, für gesundes Essen zu sorgen und Daumen zu drücken", erklärt sie schmunzelnd. Ihr Mann Rudi - früher selbst ein erfolgreicher Langläufer - begleitet die Zwillinge zu jedem Wettkampf. Und er arbeitet im Team mit, das für das Wachsen der Skier zuständig ist.

Früher mussten auch Oma und Opa öfter ausrücken und die talentierten Enkeltöchter zum Training fahren. Vom großen Bruder Sebastian gab es immer wertvolle Tipps. "Da muss eben die ganze Familie zusammenhalten", sagt Claudia Schrötter.

Aber nicht nur der Zeitaufwand ist enorm - der Sport der Mädchen verlangt der Familie auch finanziell einiges ab. Mit sieben Paar Skiern sind sie für den Wettkampf am Arbersee angereist. "Sieben Paar für jede", betont Claudia Schrötter. Ihr Mann ist gerade damit beschäftigt, besagte Skier für den Wettkampf am Arbersee vorzubereiten. Bisher hat die Familie die Ausrüstung immer selbst bezahlt, dazu kommen die Kosten für das Internat. "Für das Geld hätten wir ein paar schöne Kreuzfahrten machen können", sagt Claudia Schrötter mit einem Lächeln. Aber die ganzen Kosten und Mühen lohnen sich - da sind sich alle einig. Und die sportlichen Erfolge der Mädchen geben ihnen recht.

Schule und Sport optimal verbinden

Viel haben die Zwillinge bisher auf sich genommen, um ihren Traum zu verwirklichen - den Traum, ganz nach oben zu kommen, an die deutsche Biathlonspitze...

Gerade die ersten Jahre waren für die Mädchen anstrengend. Sie haben das Gymnasium in Bad Kötzting besucht und neben der Schule ihr Training absolviert - jeden Tag. "Oft haben wir nach dem Training noch bis Mitternacht gelernt, um alles zu schaffen", sagt Christina. Irgendwann war dann klar: So kann es nicht weitergehen, auch wenn die Lehrer immer Verständnis zeigten.

Die Zwillinge wechselten an das Wintersportinternat in Berchtesgaden. Eine Entscheidung, die sie nicht bereut haben. "Schule und Sport können wir hier optimal verbinden. Die Trainingsbedingungen sind einfach ideal", erklären sie und strahlen dabei über das ganze Gesicht. Zwei Trainingseinheiten an einem Tag oder eine Trainingswoche in Ruhpolding - hier ist alles möglich. "Der Lernstoff wird uns nach Ruhpolding gefaxt. Und im Notfall kommt sogar ein Lehrer vorbei und hilft uns", so Verena. "Eigentlich haben wir jetzt ein richtiges Luxusleben", fügt ihre Schwester lachend an.

Nach dem Abitur möchten die jungen Biathletinnen weiter trainieren und ihre Sportkarriere vorantreiben. Studieren wollen die Beiden auch noch - am besten nebenbei. "Nein, zu stressig wird das nicht", sind sich die Zwillinge sicher und schütteln vehement den Kopf.

Mama Claudia macht sich manchmal schon Gedanken. "Zeit, um wegzugehen und Freunde zu treffen, so wie wir früher, haben sie kaum", sagt sie. Bedenken, die die Zwillinge mit einem Lachen abtun. "Wir erleben so viel, machen so viele Erfahrungen, das kann uns keiner mehr nehmen." Die vielen Wettkämpfe an immer anderen Orten, der Triumph nach einem erfolgreichen Rennen, die interessanten Leute, die sie kennenlernen und sogar das Training - das alles lieben die Mädchen. "Und wenn wir zwischendurch in Arnbruck sind, dann treffen wir uns auch mit Freunden."

Zeit für Heimweh bleibt in ihrem Sportlerleben aber kaum: Ganz am Anfang sei es ihnen noch ein wenig schwer gefallen, so weit weg von der Familie, geben sie zu. "Aber wir waren ja zu zweit."

Heim in den Bayerwald kommen sie immer gern. "Man schätzt die Familie dann umso mehr", so Christina. Und Mama Claudia genießt es, wenn sie ihre Mädchen um sich hat. "Ich verwöhne sie und schau, dass sie gesund bleiben." Schließlich gibt es für einen Sportler nichts Schlimmeres, als auf eine Saison hinzutrainieren und dann bei wichtigen Wettkämpfen krank zu sein.

"Ich bin bei einem Rennen angetreten, obwohl ich nicht fit war. Das war nichts", erzählt Christina "Und das hat dich auch den Start in Rumänien gekostet", ist sich ihre Schwester sicher.

Verena meint damit das Europäische Olympische Jugend-Winterfestival (EYOF). Sie wurde dazu eingeladen, Christina nicht. Verena ging im Februar in Brasov allein an den Start. Beim Sprint belegte sie zwar nur den 41. Platz, beim Einzel dagegen überzeugte sie mit dem 14. Platz.

Zehn Tage waren die Mädchen getrennt - und das zum ersten Mal. Für Verena in Rumänien war das ebenso schwer wie für ihre daheimgebliebene Schwester. "Der ganze Ablauf war dadurch anders. Sonst teilen wir uns ja auch immer ein Zimmer, machen alles gemeinsam." Und Christina postete in der Zeit auf Facebook: "Das können nur Zwillinge verstehen."

Immer gemeinsam als Erste durch Ziel

Treten sie, was meistens der Fall ist, gemeinsam bei Rennen an, dann gibt es keine wirkliche Konkurrenz. "Natürlich ärgert mich ein wenig, wenn Verena besser ist als ich", gesteht Christina und wirft ihrer Schwester einen kurzen Blick zu. Aber schlechter als sie selbst soll ihre Schwester auch nicht sein, stellt sie dann sofort klar. "Am besten wäre es, wenn wir immer gemeinsam durchs Ziel laufen könnten." Dann aber immer als Erste, um dem gemeinsamen Traum wieder ein Stückchen näher zu kommen.

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Arnbruck, Bayern, Deutschland

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