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Artikel vom 01. März 2013 09:40, 144 mal gelesen

Report

Die Musik spielt in München

Autor: Ottmar Guggeis
<b>Arjen Robben:</b><br/>"Ich finde das Los super, es ist eine schöne Herausforderung für uns. Es stehen die derzeit vier besten europäischen Mannschaften im Halbfinale, aber wir können gegen jeden bestehen. Entscheidend wird sein, dass wir in der Allianz Arena ein gutes Ergebnis holen und dann in Barcelona fehlerlos verteidigen. Dieses Duell wird durch kleine Details entschieden."<br/>Foto: Andreas Gebert

Arjen Robben:
"Ich finde das Los super, es ist eine schöne Herausforderung für uns. Es stehen die derzeit vier besten europäischen Mannschaften im Halbfinale, aber wir können gegen jeden bestehen. Entscheidend wird sein, dass wir in der Allianz Arena ein gutes Ergebnis holen und dann in Barcelona fehlerlos verteidigen. Dieses Duell wird durch kleine Details entschieden."
Foto: Andreas Gebert

Reißerisch, boulevardesk formuliert könnte die Schlagzeile nach dem 1:0-Sieg des FC Bayern gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal-Viertelfinale etwa so lauten: "Die Rache der roten Riesen". Oder auch: "Münchens Millionarios schlagen schwarz-gelbe Killerbienen tot". Doch nachdem der Bundesliga-Dominator den ärgsten nationalen Widersacher am Mittwochabend auch im Cup-Wettbewerb in die Schranken verwiesen hatte, kommentierten Spieler und Verantwortliche des deutschen Rekordmeisters den knappen und dennoch überzeugenden Erfolg erstaunlich unaufgeregt, ja geradezu nonchalant.

"Mit diesem Spiel haben wir die Vormachtstellung im deutschen Fußball zurück. Die Verhältnisse sind geklärt", brachte zwar der erkältungsgeschwächte Bayern-Präsident Uli Hoeneß den Status Quo der Kicker-Republik exakt auf den Punkt. Aber er beeilte sich auch freundschaftlich-generös hinzuzufügen: "Ich habe kein Problem mit Borussia Dortmund."

Dabei war das Ballyhoo vor dem zum Showdown ernannten Spiel, das in 170 Ländern live im Fernsehen übertragen wurde, enorm gewesen, war der Giganten-Gipfel vor 71 000 Zuschauern in der Allianz Arena zur Revanche für die 2:5-Schmach der Bayern gegen die Borussia im letztjährigen Pokalfinale ausgerufen worden.

Thomas Müller, dem - frisch geduscht und adrett gestylt - die Strapazen des intensiv geführten Pokalkampfes überhaupt nicht anzusehen waren, versuchte ganz bewusst den Ball flach zu halten: "Wichtig war, dass wir nicht mit einem Duselsieg weitergekommen sind, sondern dass wir überzeugend gewonnen haben."

Mit platzgreifenden Sprints hatte der WM-Torschützenkönig von 2010 der Dortmunder Abwehr, der ohne den grippeerkrankten Mats Hummels die gewohnte Stabilität fehlte, immer wieder massive Probleme bereitet. Eine gewisse Erleichterung wollte der coole "Raumdeuter" Müller auf Nachfrage unserer Zeitung freilich dann doch einräumen. "Für euch war das Spiel ja auch nicht normal", sagte der Stoßstürmer in die vielen Mikrofone und Kameras. "Ihr habt ja auch drei, vier Tage vorher immer wieder in unseren Seelen gestochert. Wir wissen um die Vergangenheit mit Dortmund und deswegen tut dieser Sieg gut."

Balsam auf die Wunden

Balsam auf die Wunden der Bayern. Fünfmal hatten sie in der Bundesliga zuletzt gegen die Borussen nicht gewinnen können, zwei Jahre lang hatten sie dem Revierclub die (Abonnement-)Meisterschaft abtreten müssen. Da freute es Trainer Jupp Heynckes natürlich, "dass wir im Moment nicht nur schönen, attraktiven Fußball spielen, sondern dass wir auch fighten können."

Die Bayern gewannen in der Tat die wichtigen Zweikämpfe, waren den Dortmundern aber auch taktisch und technisch überlegen. Das lag vornehmlich daran, dass Bastian Schweinsteiger ("Unsere Einstellung war sehr gut") im Mittelfeld brillant Regie führte und den Vergleich mit Dortmunds Wunderkind Mario Götze klar gewann. Ausschlaggebend war sicher auch, dass Arjen Robben als Ersatz für den gesperrten Franck Ribéry auf der linken Angriffsseite nur so vor Energie und Spielwitz sprühte. Folgerichtig gelang dem zuletzt wegen seiner Reservistenrolle doch arg frustrierten Niederländer auch das Goldene Tor. Mit einem genialen Präzisionsschuss überwand Robben in der 43. Minute den Dortmunder Torwart Roman Weidenfeller. Nach einer Kopfball-Abwehr des unsicheren Hummels-Vertreters Felipe Santana pennte Marcel Schmelzer. Der agile Bayern-Kapitän Philipp Lahm spritzte dazwischen und wurde von seinem Nationalmannschafts-Kollegen umgesäbelt.

Dass der fällige Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Knut Kircher ausblieb, irritierte aber offensichtlich die Dortmunder mehr als die Münchner. Sie verfielen stantepede in eine Art Schockstarre. Robben schnappte sich den Ball, hatte jede Menge Zeit und zirkelte ihn aus 20 Metern in unnachahmlicher Manier in den Winkel.

"Wenn man so ein Spiel entscheidet, darf man ein bisschen glücklich sein", stapelte er danach tief. Die emotionale Szene Sekunden nach dem Schlusspfiff zeigte jedoch deutlich, wie wichtig der Treffer für das angeknockte Ego des Dribblers war. Auf den Knien kauernd ballte der Matchwinner beide Fäuste und schrie seine Freude in den trüben Abendhimmel.

"Wir haben heute so gespielt, wie wir spielen wollten: defensiv wenige Torchancen zugelassen, offensiv geradlinig agiert", analysierte nüchtern Spielführer Lahm, der bemängelte, "dass wir zu spät in Führung gegangen sind und nicht nachlegen konnten." D'accord! Die Bayern waren zielstrebiger, zwingender. Sie hätten eher ein Tor schießen müssen (Robben, Kroos!) und sie hätten früher den Sack zumachen können (Müller, Kroos, van Buyten, Dante, Mandzukic!).

Lewandowski wirkungslos

Der reaktionsschnelle Gästekeeper Weidenfeller verhinderte, dass die hochinteressante Partie schon zur Halbzeit entschieden war. "Vielleicht waren wir heute nicht so frisch im Kopf. Uns hat der Zugriff ein Stück weit gefehlt", sagte er. Auch das stimmt. Statt ihr gefürchtetes Kombinationsspiel aufzuziehen, schlugen die Dortmunder viel zu oft die Bälle hoch in Richtung Sturmspitze Robert Lewandowski, der gegen die aufmerksamen Bayern-Innenverteidiger Daniel van Buyten und Dante auf verlorenem Posten stand.

Da Lewandowski, den hartnäckige Wechselgerüchte mit den Bayern in Verbindung bringen ("Wir müssen warten, vielleicht passiert im Sommer was"), wenig Unterstützung aus dem Mittelfeld bekam und zudem der hochgelobte Marco Reus keinen Stich gegen Lahm machte, geriet die Münchner Abwehr nur selten ernsthaft in Gefahr.

Dortmunds Coach Jürgen Klopp trug's mit Fassung - und einem kleinen Schuss Ironie. "Wenn sich die Bayern gut fühlen, sind wir alle glücklich", konstatierte er augenzwinkernd, um im selben Atemzug eine klitzekleine Kampfansage zu machen: "Wir sind nachwievor in der Entwicklung. Und die ist nicht so schlecht. Gut, für heute hat es nicht gereicht. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass wir in den nächsten Jahren chancenlos sind."

Faktum ist: 2013 haben die Dortmunder keine Gelegenheit mehr, nationale Titel zu erringen. Die sind für die Bayern reserviert. Die Musik spielt - wieder - in München. "Klar, wir sind in diesem Jahr die tonangebende Mannschaft", sagte Müller. Dann schaute er in die Reporter-Runde und meinte: "Aber Titel haben wir noch keinen geholt. Oder?" Als einer rief "Doch, Supercup", winkte der Fußballer mit den dünnen Haxn mit einer Beckenbauer-typischen Armbewegung ab. "Supercup? Ja, super - wie der Name schon sagt", feixte Müller.

Mit so etwas Profanem wollen sich die ehrgeizigen Super-Bayern in dieser Saison nun wirklich nicht zufrieden geben...

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