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Artikel vom 21. Februar 2013 11:54, 185 mal gelesen

Berlin

Penetranz und Charme

Berlin feiert mit Kanzlerin Ernst Hinskens Geburtstag – Herzlichkeit eines seiner Markenzeichen

Autor: Klaus Sterzenbach
Kanzlerin Angela Merkel gratuliert Ernst Hinsken zu dessen 70. Geburtstag.

Kanzlerin Angela Merkel gratuliert Ernst Hinsken zu dessen 70. Geburtstag.

Der Papst war nicht gekommen. Aber die Bundeskanzlerin. Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert (beide CDU) und einige amtierende oder ehemalige Minister, hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft - sie alle wollten am Dienstagabend Ernst Hinsken (CSU) zum 70. Geburtstag gratulieren. Der "Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag" (PKM) ehrte damit seinen langjährigen 1. stellvertretenden Vorsitzenden. Die Feier war allerdings auch Teil seiner Abschiedstournee, denn Hinsken wird nach 33 Jahren nicht mehr für den Bundestag kandidieren.

Wehe, wenn der Hinsken kommt. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte bereits davon gehört, bis er selber an der Reihe war. Heimatkunde Niederbayern mit Wanderschuh war damit unvermeidlich. Das kompakte Energiebündel aus Haibach kann einem also auf die Nerven gehen. Er ist berüchtigt als Briefeschreiber. Er ruft so oft an, bis man kapituliert. Das erzählen viele Weggefährten und Betroffene an dem Abend - und meinen es als Kompliment ersten Ranges. Der deutsch-französische Gipfel 2008 führte Angela Merkel und Nicolas Sarkozy nach Straubing, weil man so den Abgeordneten aus Niederbayern endlich einmal ruhigstellen konnte. Das sagt die Kanzlerin nicht ganz so deutlich, aber man versteht sie trotzdem. Und der Mann habe täglich neue Ideen, die er immer sofort mitteilen müsse. Darüber kann man lächeln, drüber lachen sollte man nicht. Hinsken gilt als penetrant. Keiner nimmt's ihm krumm, denn er ist auch hemmungslos charmant. Das ist die Methode Hinsken.

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Berlin feiert mit Kanzlerin Ernst Hinskens Geburtstag

Volker Kauder erzählt, was man als Journalist bestätigen kann. "Er ruft einen an und lobt einen in den Himmel." Um dann aber sofort von einem kleinen Problem zu sprechen, das unbedingt zu klären sei. Und er hört so schnell nicht auf damit. "Unendliche Hartnäckigkeit", sagt dazu Gerda Hasselfeldt (CSU), die ihn schon seit Kindertagen kennt. Doch am Ende steht kein Streit, sondern volle Solidarität, sagt Kauder. Man solle aber nicht glauben, dass die Sache damit zu Ende sei. Der Bäckermeister Hinsken kann offenbar auch dicke Bretter bohren.

"Ich werde da oft vorgeladen." Ein wirklich klassischer Freud'scher Versprecher der Kanzlerin über ihre Erfahrung mit Hinsken und dem PKM. Wenn der Schuh drückt, kann der Mann eine Leidensmiene zeigen wie Louis de Funès, aber er kann wohl nicht anders. Um dann umso breiter zu grinsen, wenn er sein Ziel erreicht hat. Oder diebisch lächeln, da wippt der Kopf zwischen den Schultern auf und ab, weil der entsetzte Wolfgang Thierse keift und der empörte Otto Schily (beide SPD) mit den Armen rudert, nur weil Hinsken im Bundestag eine rote Schlusslichtlaterne hervorzauberte, um sie der rot-grünen Regierung aufs Pult zu stellen. Das Objekt steht heute in Bonn im "Haus der Geschichte".

Die Kollegen in Berlin bewundern ihn als "Stimmkreiskönig" und für seine "unbremsbare Leidenschaft" (Hasselfeldt). Hinsken sei nichts weniger als eine "Allzweckwaffe. Man müsste ihn überall einsetzen können, wo etwas nicht klappt", so die Kanzlerin. Beliebt wird man aber wohl erst, wenn man noch andere Qualitäten hat.

Wenn Hinsken seine Gäste anschaut an dem Abend in Berlin, sieht er: die "Crème de la Crème". Das "Straubinger Tageblatt" (Merkel) ist auch ohne "e" die "beste Zeitung der Welt". Dass selbst solche Umarmung niemals peinlich wird, ist ein Geheimnis von Hinsken, der offenbar niemals einen Namen zum Gesicht vergisst. Und es zeigt den Unterschied zwischen Marotte und Charakter. Herzlichkeit ist eines seiner Markenzeichen, gerade auch im sonst eher kühlen Berlin und ganz offensichtlich mögen die Leute ihn nicht nur wegen seiner Arbeit, sondern wegen seiner unverwechselbaren Art. Der Mann ist "authentisch" , sagt PKM-Vorstand Christian von Stetten (CDU). Die anderen nicken heftig.

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