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Artikel vom 22. Januar 2013 07:21, 104 mal gelesen

Interview mit Lisa Fitz

Mut gegenüber 640 Phobien und Spinnen

Im Gespräch mit Kabarettistin Lisa Fitz, die am Freitag ihr 13. Bühnenprogramm präsentiert

Autor: Ulli Scharrer
Lisa Fitz fordert von Menschen in Zeiten von Banken- und Staatspleiten, Wut- und Hartz-IV-Bürgern und Pisastudien mehr Mut. Zu oft fehlten der Schneid oder die Zivilcourage.

Lisa Fitz fordert von Menschen in Zeiten von Banken- und Staatspleiten, Wut- und Hartz-IV-Bürgern und Pisastudien mehr Mut. Zu oft fehlten der Schneid oder die Zivilcourage.

Kabarettistin Lisa Fitz entstammt der bayerischen Künstlerdynastie Fitz und studierte Musik, Ballett, Schauspiel und klassische Gitarre, bevor sie mit ihrem ersten Solo-Kabarettprogramm Anfang der 80er startete. Als eine der ersten Frauen wagte sie den Auftritt als Kabarettistin und ist seitdem erfolgreich auf großen und kleinen Bühnen in ganz Deutschland unterwegs. Mit ihrem neuen Programm "MUT" tritt sie am Freitag, 25. Januar, im Landgasthof Reisinger auf. Karten gibt es beim Leserservice des Straubinger Tagblatts, Telefon 940 6700. Im Vorfeld sprach sie über 640 Phobien und warum Satire provozieren soll.

Es gibt nur sehr wenig Frauen in der Kabarett- oder Comedy-Szene. Warum?

Lisa Fitz: In der Comedy-Szene gibt es mittlerweile sehr viele Frauen, mehr als genug, aber beim Kabarett werden es schon weniger, ganz dünn wird es dann beim anspruchsvollen oder gar politischen Kabarett, da kenne ich nur ganz wenige. Ob es am Desinteresse der Frauen an Politik liegt, wie manche behaupten - oder am fehlenden Mut, das weiß ich nicht. Wir könnten jedenfalls gut mehr Damen brauchen, denn Frauen kritisieren gesellschaftliche oder politische Missstände aus einem anderen Blickwinkel als Männer - und ich wünschte, sie würden sie auch lautstark (auf der Bühne und im TV) benennen, denn wir stellen ja immerhin die Hälfte der Gesellschaft.

"MUT" heißt Ihr 13. Programm, beworben mit der Inhaltsbeschreibung "aktuelle und brisante Themen". Was kann man sich darunter vorstellen?

Lisa Fitz: Mut bedeutet immer, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Es gibt 640 Phobien, das ist das Hauptthema - die Spannung zwischen Mut und Feigheit, der fehlende Mut - zu Visionen, zu sich selbst, zu sagen, was man denkt, zum Denken überhaupt. Es geht um Männermut, Soldatenmut, politische Feigheit, auch um Merkels Panzerdeals mit den Saudis, Frauenängste vor Spinnen und, und, und ... das kann ich nicht annähernd alles aufzählen. Am besten, Sie schauen sich's an. :-)

Für was müssen Sie täglich Mut aufbringen?

Lisa Fitz: Ich muss nicht täglich Mut aufbringen, wieso sollte ich? Ich freue mich, wenn es mir immer wieder mal gelingt, die eine oder andere Feigheit zu besiegen und mich selbst zu überwinden.

Wie lange arbeiten Sie an einem neuen Programm und wie gehen Sie dabei vor?

Lisa Fitz: Man sammelt ganzjährig Notizen, bis die Schubladen (oder PC-Ordner) überquellen. Dann kommt die Wahl des Themas, dann das Aussortieren und Ausarbeiten, das dauert schon einige Monate, denn "nebenbei" bin ich ja auch auf Tour und muss auf der Bühne arbeiten. Wenn das Programm fertig ist, lernt man zwei bis drei Monate, bis man es auswendig kann. Bei MUT allerdings war ich superschnell, das ging alles in allem vier Monate, weil nicht mehr Zeit war. Normalerweise rechnet man sechs Monate fürs Schreiben und zwei bis drei fürs Lernen und Inszenieren. Und weil bei mir die Musik ein wesentlicher Bestandteil ist, muss ich ja auch noch die Songs schreiben, vertonen und lernen.

Warum sind klare Worte, für die Sie bekannt sind, besser als diplomatische Formulierungen?

Lisa Fitz: Weil es die Diplomatie allen Beteiligten recht machen und sie versöhnlich zur Einigung bringen will. Die Satire hat ein ganz anderes Ziel. Sie provoziert Erkenntnisse, indem sie eine Situation oder Aussage überhöht, grotesk oder pointiert überzeichnet, um Missstände ganz klarzumachen.

Sie haben eine Kabarettschule gegründet. Was lernen Ihre Schüler in den Kursen? Und lernen Sie auch etwas vom Kabarettnachwuchs?

Lisa Fitz: Die Schüler lernen, ganz knapp gesagt, wie man einen Text erstellt, wie man ihn bühnengerecht bearbeitet, ihn kürzt und lernt. Und sie müssen damit auf die Bühne. Damit sind schon mal die zwei größten Hemmschwellen geknackt. Und natürlich lerne ich auch immer von den Schülern, indem ich Fehler sehe, die ich auch von mir kenne, auch nach 40 Jahren Bühnenerfahrung - dass man zum Beispiel zu schnell spricht, zu wenig Pausen macht, dass Texte zu lang sind, und, und, und. Das Lernen hört ja nicht auf, bis man tot umfällt, vorausgesetzt, man will lernen.

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Straubing, Bayern, Deutschland

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