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Artikel vom 22. Januar 2013 08:09, 220 mal gelesen

Landkreis

Kreisbrandrat Loibl zog gemischte Bilanz

Auf Ehrenamt basierendes Hilfeleistungssystem zunehmend in Bedrängnis

Autor: Hans Harant
Dienstgrade und Landrat freuen sich mit Christian Weingartner (3. v.l.) einen Busunternehmer gefunden zu haben, der offensiv für den Feuerwehrnachwuchs wirbt. (Foto: hh)

Dienstgrade und Landrat freuen sich mit Christian Weingartner (3. v.l.) einen Busunternehmer gefunden zu haben, der offensiv für den Feuerwehrnachwuchs wirbt. (Foto: hh)

"Aktuelle Trends wie Globalisierung, Individualisierung und Technisierung, einhergehend mit den Auswirkungen des demografischen Wandels, stellen den Fortbestand unseres vorwiegend auf Ehrenamt Hilfeleistungssystems infrage. Davon sind in den Feuerwehren zuerst das Personal selbst, in der Folge die Organisation und die Einsatzabwicklung betroffen." Diese ernüchternde Bilanz zog Kreisbrandrat Thomas Loibl bei der Kommandantenversammlung am Samstag in der Hauptfeuerwehrwache in Landshut. Dazu waren Vertreter der Feuerwehren aus Stadt und Landkreis, Kreisbrandinspektoren und -meister, Bürgermeister, Vertreter von THW, BRK, Polizei, Landratsamt und Notarztdienst gekommen.

Über Jahrzehnte habe sich das Feuerwehrwesen zu einem der erfolgreichsten Hilfeleistungssysteme entwickelt, das große Herausforderungen stets erfolgreich gemeistert habe, sagte Loibl. "Heute empfinden zahlreiche Feuerwehren, insbesondere im ländlichen Raum, die Situation mehr und mehr als krisenhaft." Geringe Tageseinsatzbereitschaft, schwindende Beteiligung an Übungen und Versammlungen bestimmten den Feuerwehralltag, vielerorts mache sich Sorge um die Zukunft und Resignation breit.

Wann bleibt noch Zeit fürs Ehrenamt?

Die Ursachen für diese Entwicklung resultiere einerseits aus Rahmenbedingungen von Politik, Wirtschaft, Beruf und Gesellschaft, die dem Einzelnen immer weniger Zeit und damit Raum für ehrenamtliches Engagement lassen. Andererseits brauche es für die zunehmend professionellen Anforderungen entsprechendes Wissen und Können, was nur mit sehr hohem Zeitaufwand zu erlangen sei. Hohe Verantwortung, aber auch gesundheitliche Aspekte tragen zusätzlich dazu bei, dass der Vereinsaspekt an Attraktivität verliere.

Die Lösung dieser Probleme auf organisatorisch-technischer und zwischenmenschlicher Ebene sieht Loibl als eine der größten und gemeinsamen Herausforderungen der Feuerwehren für die Zukunft. Dass bislang alle gestellten Aufgaben erfüllt werden konnten, sei all jenen zu verdanken, die sich unbeirrt verpflichtet fühlen, für die Gemeinschaft einzutreten, nicht zuletzt aber auch dem gut funktionierenden Miteinander mit anderen Hilfsorganisationen und Polizei.

Hohe Einsatz- und Ausbildungszahlen

Weiter beleuchtete Kreisbrandrat Thomas Loibl die Feuerwehrarbeit im Jahr 2012. Er verzeichnete 1 370 Einsätze, darunter 139 Brände und 762 Technische Hilfeleistungen. 822 Helfer oder Gruppen absolvierten Ausbildungen und Leistungsprüfungen, beim Weber-Seminar Unfallrettung und Fahrsicherheitstraining beteiligten sich mehr als 200 Aktive, an der Feuerwehrschule 75 Personen.

Landkreis und Gemeinden investierten in zahlreiche Fahrzeuge, Ausrüstungen und Gerätehäuser. Die 44 Jugendfeuerwehren zählen derzeit 447 Mitglieder, davon 88 weiblich, 58 Anwärter konnten in den aktiven Dienst übernommen werden. 209 Jugendliche beteiligten sich am Wissenstest, 185 am Kreis-Jugendfeuerwehrtag in Gündlkofen und 85 Anwärter aus 14 Gruppen legten das Jugendleistungsabzeichen ab.

Landrat Josef Eppeneder erklärte, die hohe Beteiligung von Vertretern aus Feuerwehr, BRK, MHD, THW und Polizei mache eindrucksvoll deutlich, dass man sich als eine große Familie fühle, in Not geratenen Menschen zu helfen. Feuerwehren seien aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Als Landrat bleibe ihm nur, dafür zu danken, was sie 365 Tage im Jahr für die Allgemeinheit leisten. Auch den Gemeinden gebühre Dank, dass sie für die Ausrüstung Sorge tragen, die die Wehren für ihren Dienst benötigen. Doch wenn es nicht Kameraden gäbe, die diese Gerätschaften auch professionell einsetzen könnten, wäre jede Investition nutzlos.

Umso mehr schätze es Eppeneder, dass der Kreisfeuerwehrverband und Kreisjugendwart Josef Stocker erkannt haben, wie wichtig es ist, die Jugend für ehrenamtliches Engagement in den Feuerwehren zu begeistern. Die derzeitige Kampagne mit dem Slogan "Wir sind dabei - wo bleibst du?" trage hoffentlich dazu bei, wieder mehr Jugendliche zu gewinnen.

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