Lesenswert (12) Empfehlen Google +

Artikel vom 22. Januar 2013 17:47, 544 mal gelesen

Beucherling

Ein Retter mit Bagger befreit Flora

Der Terrier war bei der Jagd im Drainagenrohr einer Wiese steckengeblieben

Autor: Günther Glitschenstein
Die zehnjährige Terrierhündin Flora befindet sich zwischenzeitlich auf dem Weg der Besserung.

Die zehnjährige Terrierhündin Flora befindet sich zwischenzeitlich auf dem Weg der Besserung.

Eine dramatische Tierrettungsaktion hat sich am Sonntag in Beucherling ereignet. Von der Bevölkerung fast unbemerkt, nur von einer Schar Kinder begleitet, wurde im Drainagensystem einer Wiese, Nähe der Orlerstraße, fieberhaft nach einem kleinen Jagdterrier gesucht.

Am Nachmittag, gegen 15.30 Uhr, war Dr. Jörg Kefer mit seinem Jagdfreund Ludwig Himmelstoß aus Michelsneukirchen auf einer Fuchsjagd unterwegs. Mit der kleinen zehnjährigen Terrierhündin Flora von Ludwig Himmelstoß wollte man eine Fuchsbaubejagung durchführen. Man wusste, dass sich Füchse in einer Abwasserrohrleitung aufhalten. Der Einlauf der Rohrleitung bestand aus einem Betonrohr mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern und hatte eine Länge von etwa 300 Metern. Angedacht war, dass man Flora in das Rohr schickt, um den Fuchs aufzustöbern. Am Rohrausgang sollte der flüchtende Fuchs vom zweiten Jäger erlegt werden.

Der Plan gelang insoweit, dass der Fuchs aufgestöbert wurde und flüchtete. Da der lauernde Jäger aber eine schlechte Schussposition hatte, konnte das Tier entkommen. Die Tragik an der Jagdtaktik war, dass Flora im Abwasserohr, etwa 150 Meter von der Einstiegsstelle entfernt, steckenblieb. Das Rohr verringerte den Querschnitt irgendwo auf 20 Zentimeter.

Bilder zum Artikel (4 Einträge)

 

Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, wieweit die Hündin im Betonrohr vorgedrungen war. Auch war der Verlauf des Abwasserrohres nicht bekannt. Kein Wunder, dass sich bei Ludwig Himmelstoß eine gewisse Panik einstellte. Immerhin ist Flora das geliebte Familienhündchen, das auch noch seiner Tochter gehört. Es war ein unerträglicher Gedanke, so Himmelstoß im Gespräch mit der Chamer-Zeitung/Rodinger Kurier, dass Flora im Abwasserkanal eventuell jämmerlich verenden könnte.

In der äußerst kritischen Situation zeigte sich wieder, dass man in Beucherling immer hilfreiche Menschen findet. Mit Johann Prasch stellte sich spontan ein Mann für eine ungewöhnliche Such- und Rettungsaktion zur Verfügung, der bekanntermaßen jedem Hilfesuchenden immer selbstlos zur Seite steht. Keine Arbeit ist ihm zu schwer oder zu schmutzig. Der John, wie er genannt wird, hilft immer gerne.Mit seinem alten Bagger fuhr er sofort zur Wiese und versuchte, mit Probegrabungen den Verlauf des Abwasserrohres zu ermitteln, was sich als äußerst schwierig erwies. Das Rohr verlief nicht gradlinig. Aufgrund dessen musste John in Abständen von etwa 30 Metern Gräben von etwa 20 Metern Länge ziehen, die quer zum gedachten Rohrverlauf lagen und bis zu drei Meter tief waren. Nachdem das Betonrohr in circa zwei Metern Tiefe gefunden war, musste das Rohr aufgeschlagen werden. Ludwig Himmelstoß rief durch die Rohröffnungen seine Flora, die tatsächlich antwortete. Man konnte aber die Entfernung zu ihr nicht abschätzen, so dass weitere Grabungen notwendig waren.

Zwischenzeitlich wurde es dunkel, der Bagger hatte nur ein schwaches Licht, den Taschenlampen ging der Saft aus, Ersatz musste beschafft werden. Gegen 19 Uhr hatte man sich bis auf zwei Meter an Flora herangearbeitet, die der ermattete Hund dann noch selbst kriechend schaffte. Überglücklich konnte Ludwig Himmelstoß seine Flora, mit nur leichten Verletzungen, in den Arm nehmen.

In seinem Körbchen, liebevoll umsorgt von der Familie, erholt sich Flora derzeit von den Strapazen. Für den Tierfreund Johann Prasch gab es bei der Suche kein Ruhen, der Hund musste gefunden werden, "und wenn ich das ganze Rohr ausgraben hätte müssen", meinte John, der vor Jahren seinen geliebten Dackel ebenfalls durch einen tragischen Unfall verloren hatte. Ludwig Himmelstoß war es im Gespräch mit der Chamer-Zeitung/Rodinger Kurier ein besonderes Anliegen, allen Helfern Dank zu sagen. In erster Linie Johann Prasch für seinen selbstlosen Einsatz, er habe nie aufgegeben und um das Leben seines Hundes gekämpft.Heinz Kerscher aus Kiesried, war ebenfalls ein tatkräftiger Helfer, Dr. Jörg Kefer und letztendlich der Besitzer der Wiese, Bauer/Heigl, der sofort eingewilligt habe, dass die Wiese zum Auffinden des Hundes aufgegraben wird.

Kommentare zum Artikel


Artikel kommentieren


Beucherling, Zell, Bayern, Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren

Yorkshire-Terrier reißt aus und fährt mit dem Zug nach München

München (dpa/lby) - Kleiner Hund auf großer Fahrt: Ein zweijähriger Yorkshire-Terrier ist in Oberbayern...

mehr dazu
Anzeige
Anzeige

Verbreitungsgebiet Verbreitungsgebiet Cham Deggendorf Regen Dingolfing Straubing-Bogen Regensburg Landshut Erding-Freising-Kelheim
Anzeige
Anzeige