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Artikel vom 15. January 2013 10:23, 90 mal gelesen

WG-Leben

Magischer Staubsauger

Christiane Anbuhl (21) aus Landshut lebt in einer Wohngemeinschaft mit einer guten Freundin

Evelyn (links) und Christiane sind schon lange Freundinnen. Jetzt wohnen sie auch zusammen.

Evelyn (links) und Christiane sind schon lange Freundinnen. Jetzt wohnen sie auch zusammen.

Wohngemeinschaften, auch kurz WGs genannt, boomen. Vor allem in Großstädten steigt die Nachfrage nach den vier Wänden. Denn wenn man nicht viel Geld für ein kleines Kämmerchen mit nur einem Zimmer ausgeben will, zieht man in eine größere Wohnung - zum Teil auch mit fremden Leuten. Fremd ist mir Evelyn nicht, ich hatte das Glück, mit meiner langjährigen Freundin zusammenziehen zu können.

Ist doch super, denkt man sich anfangs. Man kennt sich immerhin schon lange und damit auch alle Macken der anderen. Aber wie in einer Beziehung auch, lernt man den anderen erst richtig kennen, wenn man sich das zu Hause gemeinsam teilt. Schnell drängen sich Fragen nach Putzdienst, Einkaufen und Besucher in den Vordergrund. Kompromissbereit sein, ist hier die Devise. Einen Putzplan aufstellen auch. Schwierig wird es erst dann, wenn die Freundin plötzlich ungeahnte und sonderbare Anwandelungen zutage fördert. Die Aussage "Ich sehe den Schmutz einfach nie" zum Beispiel führte schon zu zahlreichem und ungläubigem Kopfschütteln meinerseits. Naja gut, dachte ich mir, ich sehe ihn zumindest, dann putze eben ich. Mache ich ja eigentlich auch relativ gerne, nur benötige ich dazu keine Anfeuerungen wie "Chrissi, wenn du staubsaugen musst, musst du jetzt halt staubsaugen."

Das Wichtigste in einer WG ist auch, dass man einen privaten Rückzugsort ganz für sich selbst besitzt. Das eigene Zimmer ist wie ein Heiligtum, wird gehütet und ganz nach eigenem Wunsch eingerichtet. Betritt man eine Wohnung, so spiegelt sich darin die Gesamtheit der Charaktere der Wohnung wieder. Die privaten Räume allerdings sind wie Eintrittskarten in verschiedene Vergnügungsparks.

Mein Zimmer ist zum Beispiel sehr USA-lastig und mit vielen Urlaubsbildern und Mitbringseln geschmückt. Die Ordnung seines Zimmers bestimmt jeder selbst und entscheidet damit auch, wann es wieder Zeit ist, den Putzlappen zu schwingen. Evelyn, meine Freundin und nun seit einem Jahr auch WG-Mitbewohnerin, brauchte ein wenig länger, um sich mit dem Staubsager anzufreunden und auch ihre Kleidung findet nicht immer den Weg zurück in den Schrank.

Deshalb ist es keine Seltenheit, dass Gespräche vom Türrahmen aus stattfinden müssen, da sie vergessen hat, einen Pfad auf dem Boden anzulegen, der den Weg durch die Kleider zeigen soll.

Mit der Zeit aber veränderte sich etwas. Ich hörte ein fremdes Geräusch aus ihrem Zimmer. Das war doch nicht etwa der Staubsauger? Nachdem auszuschließen war, dass sie sich einen tödlichen Virus eingefangen und so all ihre Prioritäten über Bord geworfen hatte, kristallisierte sich heraus, dass winzige Staubkörnchen nun auch für sie sichtbar wurden. Ein Wunder!

So verschieden wir in dieser Hinsicht auch sind, haben wir auch gemerkt, dass wir noch mehr Gemeinsamkeiten besitzen als zuvor angenommen. Die WG-Zeit ist definitiv spannend und lehrreich - es schweißt uns zusammen und auch bei Radpannen oder Milchknappheit hilft man sich gerne aus. Aktionen wie zusammen kochen, essen oder auch neue Geschichten rund um die Uni, Arbeit oder Freunde sind nur noch ein Zimmer weit entfernt.

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