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Artikel vom 14. Januar 2013 08:21, 514 mal gelesen

Dingolfing

Festival der Nostalgie mit 29 Prinzenpaaren

Inthronisation stand unter dem Motto „40 Jahre TV-Fasching der Neuzeit“

Autor: Ludger Gallenmüller
Endlich: Dingolfing hat ein Kinderprinzenpaar, noch dazu ein fesches.

Endlich: Dingolfing hat ein Kinderprinzenpaar, noch dazu ein fesches.

Nostalgie - diese Trumpfkarte stach bei der Inthronisation am Freitagabend in der Stadthalle. Unter dem Motto "40 Jahre Fasching der Neuzeit" wurden zu später Stunde viele Erinnerungen wach gerufen.

Nimmt man das vergangene Wochenende als Gradmesser, dann hat die närrische Zeit Hochkonjunktur in der Kreisstadt. Zusammengerechnet rund 1300 Besucher verfolgten an drei Aufführungstagen (Freitag-, Samstagabend und Sonntagnachmittag) das Programm in der Stadthalle.

Bürgermeister Josef Pellkofer nahm seine Entmachtung gelassen hin und hatte den Wunsch parat: "Arbeitet weiter mit Mut, für die Gewerbesteuer tut uns das gut." Das Prinzenpaar Stefanie II. und Jürgen III. arbeiten im bürgerlichen Leben als Logistiker im Dingolfinger BMW-Werk. Diese Abteilung scheint ein gutes Reservoir für den Faschingsadel zu sein. "Wenn das so weiter geht, haben die bald keine Logistiker mehr", merkte Hofmarschall Günther Grassinger an, der das Prinzenpaar vorstellte. Stefanie Maier hat drei Jahre in der Garde getanzt und ist mittlerweile beim Boogie-Woogie angelangt. Die Hobbys der 26-Jährigen sind Reisen und Klettern. In ihrer kurzen Ansprache bezeichnete sie sich als echtes Dingolfinger Madl, das sich "in unserer kleinen Stadt daheim fühlt." Jürgen Bergmeier stammt aus Moosthenning, gehörte sechs Jahre dem Thronrat an und der 34-Jährige will im Fasching richtig Gas geben.

Der Dingolfinger Fasching steht unter dem Zeichen des Jubiläums "40 Jahre Fasching der Neuzeit". TV-Chef Toni Kiebler, der in gewohnt souveräner Weise den Inthronisationsabend moderierte, begrüßte ganz besonders TV-Ehrenvorstand Dieter Renno. Er gilt als Vater des wiederbelebten Faschingsspektakels. Seither gab es in Dingolfing 39 Prinzenpaare - lediglich im Jahr 1978 fanden sich keine zu krönenden Häupter, so dass es statt einer Inthronisation nur einen Faschingsanstich gab. Von den 39 Prinzenpaaren gaben sich 29 die Ehre und marschierten unter tosendem Applaus und teilweise im Original-Kostüm, in die Stadthalle ein. Als sich die Prinzenpaare auf der Bühne versammelt hatten, richtete Reinhard Stumhofer, der mit Erika Hartl 1974 regierte, einige Worte an die Besucher. Er appellierte an die jungen Leute, sich zu engagieren und etwas auf die Beine zu stellen. Er selbst bezeichnete seine Regentschaft als die fruchtbarste. Seine Prinzessin wurde schwanger, aber nicht von ihm. Joe Comoretto, der 1986 das hohe Amt bekleidete, konnte aus dem Stegreif noch seine Antrittsrede aufsagen mit dem legendären Versprecher: "Wir wollen in den Stall (statt Stadthalle) Stimmung reinbringen."

Fotos: (16 Einträge)

 


Früher war nicht alles besser, aber vieles gut. Michael Rieger kehrte am Freitagabend nach 13 Jahren zurück auf die Faschingsbühne. Gemeinsam mit Teddy Scheurle führte er den Loriot-Sketch "Das Frühstücksei" auf. Als Mike Wonderland hatte Rieger früher für Highlights bei den Inthronisationsbällen gesorgt. Mimik, Gestik und Sprache (leicht aristokratisches Lispeln) zeigten, dass da ein Vollblutschauspieler auf der Bühne steht.

Peter Loibl ist ein Garant für Sketche mit lokalpolitischen Spitzen. So auch am Wochenende. "In der Krautau" blickt ein älteres Ehepaar aus dem Fenster und kommt zu dem Schluss "Heute ist überhaupt nichts los. Obwohl in Dingolfing immer was los ist." Seit es das Bel Ami nimmer gebe, sei die Krautau zu einem faden Eck geworden.

Im Sketch "Jubiläumskirta" kam das Spannungsverhältnis zwischen Dingolfing und Landau zur Sprache. Erkenntnis des Wiesnbürgermeisters (Josef Loibl): "Solange Dingolfinger Landauer Kreisräte wählen, solange werden wir die Scheintoten da unten weiter mitduchfüttern müssen." Von der Landkreispolitik zur städtischen Ebene.

Stadtrat Udo Egleder habe immer noch nicht bemerkt, dass die Feinde in der eigenen Partei sitzen und Franz Bubenhofer habe sich zum Caritas-Vorstand wählen lassen, um sich für den Ruhestand zwei kostenlose Pflegekräfte zu sichern. Ferner stehe der umtriebige UWG-Chef selbst nachts bei strömendem Regen mit Gummistiefeln im Garten. "Angeblich arbeitet er, dabei wartet er nur auf Bella blond, die im Obi Hausverbot hat."

Checker und Grassi (Toni Spielbauer und Hofmarschall Grassinger) erinnerten an das Komiker-Duo Erkan und Stefan. Kostprobe mit Lokalbezug. "Kennst du den Auf- und Zu-Club in Höfen?" Hä? "Na den Swingerclub, der macht immerwieder auf zu, damit die Stadträte zur Eröffnung gehen können." Bedauert wurde von den beiden Komödianten auch, dass in Dingolfing das Hartz IV-Stüberl (vulgo Isar-stüberl) abgerissen wurde.

Im Sketch "Adventerscherfood" wurde ein Wirtshaus mit ungewöhnlichem Service vorgestellt und - da lässt sich der TVD nicht lumpen - im Jubiläumsjahr gab es erstmals wieder ein Kinderprinzenpaar. Ein Gag, denn Xaver Vogginger und Thomas Wippenbeck haben schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel. In die manchmal nicht ganz jugendfreien Dialoge des "Kinderprinzenpaares" fand auch das Sportgeschehen der Kreisstadt eingang. Kind fragt den Papa: "Wann hat der FCD das letzte Mal gewonnen?" "Mei des weiß ich nicht. Da musst den Opa fragen."

Nicht fehlen durfte der Thronratstanz, der Auftritt der Kindergarde und last, but not least der große Showtanz der Prinzengarde kurz nach Mitternacht.

Kommentare zum Artikel


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von Sandra am 16. January 2013 12:49
Ein wunderschöner Abend und atemberaubender Showtanz

Ich bin jetzt das 3. mal am Inthrowochenende dabei gewesen und muss sagen, es ist immer wieder bewundernswert was man dort geboten bekommt. Eine bunte Mischung aus allem, sodass für jeden etwas dabei ist. ...mehr Der Höhepunkt war wie jedes Jahr natürlich der Showtanz der Prinzengarde. Und ich muss sagen, Sie haben sich wieder selbst übertroffen. Das Thema "Auf der Suche nach dem Glück" geht echt unter die Haut - ich hatte Gänsehaut. Ich kann jedem nur empfehlen sich die Garde anzusehen. Es ist athemberaubend. Dieses Wochenende müssten Sie auf der Revue der Garden in Landau sein. Ich werde definitiv hinfahren um Sie nochmal erleben zu können. Ein großes Lob an alle Beteiligten. weniger

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Dingolfing, Bayern, Deutschland

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