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Artikel vom 10. Januar 2013 10:12, 375 mal gelesen

Straubing

Wir haben einen (besonderen) Vogel

Gefiederte Invasion aus Russland und aus dem Landkreis

Autor: Ulli Scharrer
Markus Erlwein, Pressesprecher des LBV, hat sich über eine richtige kleine Invasion aus Russland gefreut.

Markus Erlwein, Pressesprecher des LBV, hat sich über eine richtige kleine Invasion aus Russland gefreut.

"Amsel, Drossel, Fink und Star" waren dieses Jahr natürlich auch wieder da. Allerdings darf man die Strophe dieses Jahr nach den ersten Auswertungen der Aktion "Stunde der Wintervögel" des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) um eine kleine Sensation erweitern. Über "eine richtige kleine Invasion" aus Russland, freut sich Markus Erlwein, Pressesprecher des LBV. Der Seidenschwanz, der eigentlich in Sibirien heimisch ist und manchmal im Winter in Norddeutschland zu sehen ist, aber ganz selten in Bayern, hat diesen Winter in großer Zahl den Weg zu uns gefunden.

"Viele Leute wollen den Seidenschwanz unbedingt wenigstens einmal in ihrem Leben sehen", unterstreicht Erlwein die Bedeutung der Sichtung. Rund 200 der seltenen Tiere seien durch die diesjährige Auswertung in der Stadt Straubing und im Landkreis schon bestätigt. Wir haben dieses Jahr also einen ganz besonderen Vogel. Knapp 3 000 Seidenschwänze sind über Bayern verteilt schon gesichtet worden, vergangenes Jahr waren es keine hundert. Wer einen gefiederten Freund aus Sibirien mit schwarzem Schwanz und dottergelber Binde sehen will (Foto rechts), kann die Futtergewohnheiten des Vogels nutzen. Der Seidenschwanz ist kein Körnerfresser, sondern bevorzugt Beeren.

Fotos: (3 Einträge)

 


Über unsere heimischen Wintervögel gibt es bislang wenig wissenschaftliche Erkenntnisse. Wie passen sie sich an die kalte und futterarme Jahreszeit an? Welche Arten werden durch Winterfütterung gefördert, welche nicht? Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Vögel im Winter aus? Diese und andere Fragen will die "Stunde der Wintervögel" beantworten. Der Landesbund für Vogelschutz hat die Aktion vor acht Jahren in Bayern eingeführt, die später in ganz Deutschland und Österreich übernommen wurde.

Für die Vogelbeobachtung, die jeweils genau eine Stunde dauern sollte, egal zu welcher Tageszeit, hatte der LBV auch dieses Jahr einen Erfassungsbogen auf seiner Homepage bereitgestellt oder schickte diesen auch gerne zu (wir berichteten).

Zahl der Vogelbeobachter steigt jährlich an


Die jährlich wachsende Zahl von Beobachtern, Familien mit Kindern oder Einzelpersonen, freut die Vogelfreunde sehr. Dadurch können über die Jahre viele wichtige wissenschaftlich auswertbare Erkenntnisse gesammelt werden. Auch in Straubing und dem Landkreis werden dafür immer mehr Menschen aktiv: "Vergangenes Jahr gab es in der Stadt Straubing plus Landkreis insgesamt 161 Meldungen und 219 Teilnehmer, momentan sind es jetzt schon 138 Meldungen und 191 Teilnehmer und wir haben noch nicht mal 50 Prozent ausgewertet. Die Tendenz nach oben ist also eindeutig", erklärt Erlwein.

Noch können die Zahlen für ganz Bayern schwanken. Mit Stand Mittwochmittag waren erst etwa 40 Prozent der Fragebögen aus ganz Bayern ausgewertet. Ein endgültiges Ergebnis wird sogar erst für Ende des Monats erwartet. Aber gewisse Trends zeigen sich schon jetzt. Der Feldsperling wird zum wiederholten Male der große Gewinner der Vogelzählung werden. Er tritt in größeren Schwärmen und in mehr Gärten auf als 2012 und belegt derzeit den 3. Platz. Ebenfalls überraschend konnte sich die Kohlmeise (Foto oben) vorerst den Spitzenplatz sichern. Etwas verloren hat der Haussperling, besser bekannt als Spatz. Nach dem 1. Rang 2012 fiel er diesmal auf den zweiten zurück. Bei Grünfink, Amsel und Buchfink wird ebenfalls ein Rückgang deutlich. Hier sind die genauen Gründe im Einzelnen noch unklar.

Was klar zu erkennen sei, ist die Landflucht des Feldsperlings. Dieser findet "auf freier Flur immer weniger Futter". Immer weniger Hecken oder Randstreifen neben den Feldern berauben dem Feldsperling seiner angestammten Heimat. Auch aus unserem Landkreis fliegen immer mehr dieser Vögel in die Stadt Strau- bing, um hier mit ihrem Verwandten, dem Spatz, genaue Bezeichnung Haussperling, zu konkurrieren. Der Besucher aus den Feldern ist etwas kleiner als ein Spatz, scheuer gegenüber Menschen aber aggressiver bei der Futtersuche. Unterscheiden kann man ihn zum Beispiel an seinem Kopf, der oben braun gefärbt ist (Foto unten).

Info
Alle Ergebnisse der Stunde der Wintervögel, der Beobachtungs- und Zählaktion des Landesbundes für Vogelschutz, finden sich im Internet unter www.stunde-der-wintervoegel.de. Auf dieser Seite finden sich auch zahlreiche wunderschöne Fotos der gesichteten Vögel, die Beobachter aus ganz Bayern fotografiert haben. Für die "Stunde der Gartenvögel", die Vogel-Beobachtungsaktion im Sommer von 9. bis 12. Mai, sucht der LBV auch wieder viele Vogelfreunde. Informationen dazu und Zählbögen wird es rechtzeitig auf einer eigenen Homepage geben und unter der bekannten Adresse www.lbv.de.

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