Lesenswert (3) Empfehlen Google +

Artikel vom 04. Dezember 2012 16:41, 854 mal gelesen

Landauer Krankenhaus

Auf Dienstplan der Hebammen kommt es an

Keine Schließung bei Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben – Trapp weist Vorwürfe zurück

Autor: uh
Die Teilnehmer der Bürgerversammlung brachten unmissverständlich ihren Unwillen zum Ausdruck. (Foto: Wimberger)

Die Teilnehmer der Bürgerversammlung brachten unmissverständlich ihren Unwillen zum Ausdruck. (Foto: Wimberger)

Die Teilnehmer der Bürgerversammlung, zu der Landrat Heinrich Trapp am Montagabend in die Stadthalle einlud, jubelten, als der Landrat und sein Deggendorfer Kollege Christian Bernreiter erklärten, dass die Geburtsabteilung am Landauer Krankenhaus weiterbesteht, solange der Dienstplan der Hebammen den rechtlichen Vorschriften entspricht, da das wirtschaftliche Defizit für eine Schließung bis 2018 nicht entscheidend ist.

Landrat Heinrich Trapp wies die Vorwürfe, die gegen ihn in der Facebook-Gruppe "Rettet die Geburtshilfe im Krankenhaus Landau!" erhoben wurden, zurück und beschwerte sich über die Angriffe, die gegen ihn gestartet worden seien. Auf die Frage aus dem Publikum, warum das Donau-Isar-Klinikum eine Anzeige für Hebammen nur wenige Tage, nachdem bekanntwurde, dass hier nun auch in Landau eine problematische Situation eingetreten ist, ausschließlich auf das Dingolfinger Haus ausgerichtet war, erklärte Trapp, dass diese Anzeige bereits in Auftrag gegeben wurde, als vom Landauer Problem noch gar nichts bekannt war.

Archiv: Bilder der Menschenkette für Rettung der Geburtenhilfe (32 Einträge)

 

Video wird geladen 

Geburtshilfestation am Landauer Krankenhaus bleibt


Dann ließ er die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Krankenhäuser des Landkreises von 1990 bis zum proCura-Gutachten im Jahre 2003 Revue passieren. Bei der damaligen Frage nach einem Haupt- und einem Nebenhaus sei die Entscheidung für Dingolfing gefallen, da die Kreisstadt ein größeres Einzugsgebiet hat und sich als das dynamischere Zentrum zeigte. Schließlich sei es aber zum Kreisklinikum Dingolfing-Landau gekommen, bei dem beide Häuser gleichberechtigt betrieben wurden. Dann zeigte der Landrat die Entwicklung mit den Casemix-Punkten auf, die zu einer rapiden Verschlechterung an beiden Häusern führte. Dies habe zu der Erkenntnis geführt, dass man nur mit einem starken Partner an der Seite überleben kann. Daher wurde mit dem Klinikum Landshut, dem Klinikum Achdorf, den Barmherzigen Brüdern in Straubing sowie mit dem Klinikum Deggendorf verhandelt. Diese Verhandlungen endeten mit der Gründung des Donau-Isar-Klinikums Deggendorf-Dingolfing-Landau. Im Fusionsvertrag sei dabei das Leistungsspektrum beider Häuser genau beschrieben.

Als sich Felix Kaltner vorstellte, um eine Frage zu stellen, bemerkte Heinrich Trapp: "Ach, Sie sind der Facebooker." Kaltner erklärte, dass Trapp und sein Deggendorfer Kollege gesagt hätten, dass die Wirtschaftlichkeit hier keine Rolle spiele. Bisher habe man aber lediglich wirtschaftliche Daten zu hören bekommen. Man wolle in Landau bei den Geburten eine Kuscheligkeit und sich wohlfühlen. Er habe nach den gehörten Zahlen das Gefühl, dass nun in Landau und später dann in Dingolfing die Geburtshilfe geschlossen werden soll oder muss. Heinrich Trapp räumte ein, dass dies durchaus sein könne.

Mehr zum Thema


Nach einer teils hitzigen Diskussion, ob das Dingolfinger Haus nicht doch besser unterstützt wird als das Landauer, dass im Falle der Kreisstadt sofort gehandelt wurde, während für Landau lange nichts getan wurde, meldete sich Markus Tschöp, Initiator der Facebook-Gruppe, zu Wort. Er fragte die Landräte und die Klinikumsdirektorin Dr. Inge Wolff, ob es nun richtig sei, dass das erwirtschaftete Defizit der Geburtshilfe Landau bis 2018 für eine Schließung keine Rolle spiele. Die Drei bestätigten dies. Tschöp erklärte weiter, dass Elisabeth Raatz, eine 67-jährige Hebamme aus Deggendorf, bereit sei, auf der Landauer Geburtsstation auszuhelfen, bis der Personalengpass überwunden ist. Auch habe man weitere Hebammen gefunden, die in Landau arbeiten würden. Die beiden Landräte erklärten daraufhin, dass die Abteilung dann weiterarbeiten könne. Voraussetzung sei aber, dass die gesetzlichen Vorgaben beim Dienstplan der Hebammen eingehalten werden müssen. Wenn dies der Fall ist, wird nicht geschlossen. Diese Feststellung wurde von den Besuchern der Bürgerversammlung mit lautem Jubel honoriert.

Schließung bei Unterbesetzung


Landrat Bernreiter freute sich, dass die Landauer so geschlossen hinter ihrem Haus stehen. Man habe hohe Investitionen für dieses Haus beschlossen. Dies unterstreiche, dass man es nicht schließen will. Bis 2018 ist die Schließung des Hauses oder einzelner Abteilungen nur mit einer Zweidrittelmehrheit im Verwaltungsrat möglich, die voraussichtlich nicht zustande käme. Dennoch müsse klar sein, dass nicht alles beim Alten bleibe.

Trotz allem werde er am Mittwoch im Verwaltungsrat darüber abstimmen lassen, dass bei einer Unterbesetzung mit Hebammen der Vorstand die Abteilung in Landau schließen lässt. Er geht davon aus, dass diese Beschlussvorlage nicht die notwendige Mehrheit finden wird. Er kann die ganze Lage durch die Rechtsaufsicht überprüfen lassen. Nach der Überprüfung habe man mehr Rechtssicherheit, als das bisher der Fall ist. "Wenn wir jetzt Hebammen gefunden haben, werden wir das auch gestalten." Abschließend stellte Bernreiter fest, dass die Krankenhäuser aus der öffentlichen Diskussion gebracht werden müssen. Dieses Thema eigne sich auch nicht für den bevorstehenden Wahlkampf. Beim Landauer Krankenhaus setze man auf die Akutgeriatrie. Bitte lassen Sie uns arbeiten, so Landrat Christian Bernreiter.

Kommentare zum Artikel


Artikel kommentieren


Landau an der Isar, Bayern, Deutschland

Anzeige
Anzeige

Verbreitungsgebiet Verbreitungsgebiet Cham Deggendorf Regen Dingolfing Straubing-Bogen Regensburg Landshut Erding-Freising-Kelheim
Anzeige

Bilderstrecken

Anzeige