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Artikel vom 23. November 2012 17:29, 412 mal gelesen

Landau/Deggendorf

Thema Geburtenhilfe längst nicht ausgestanden

Entscheidung vertagt - Zu wenige Hebammen in Landau vorhanden

Autor: ga
 (V.l.) Landrat Christian Bernreiter (Deggendorf), Vorstand des Donau-Isar-Klinikums, Dr. Inge Wolff und Landrat Heinrich Trapp. (Foto: Gansl)

(V.l.) Landrat Christian Bernreiter (Deggendorf), Vorstand des Donau-Isar-Klinikums, Dr. Inge Wolff und Landrat Heinrich Trapp. (Foto: Gansl)

Wegen der Irritationen im Zusammenhang mit einer möglichen Schließung der geburtshilflichen Abteilung der Landauer Klinik und daraus resultierenden Gerüchten über weitergehende Maßnahmen des kürzlich ins Leben gerufenen Donau-Isar-Klinikums der Landkreise Deggendorf und Dingolfing-Landau wurde am Freitagnachmittag kurzfristig von Landrat Christian Bernreiter (Deggendorf), Landrat Heinrich Trapp (Dingolfing-Landau) und Klinikumsvorstand Dr. Inge Wolff zu einem Pressegespräch geladen.

Christian Bernreiter wies bereits am Anfang mit allem Nachdruck darauf hin, dass an eine Schließung des Hauses in Landau nicht gedacht werde. Ein Beweis sei darin zu sehen, dass insgesamt 10,1 Millionen Euro in das Haus investiert würden. 2,2 Millionen gingen als Anschubfinanzierung in die neu zu errichtende Akutgeriatrie. 3,5 Millionen koste die Anpassung der OP-Einheit an die heutigen Erfordernisse, um planbare Operationen in Landau durchführen zu können, drei Millionen gingen in die Ertüchtigung der Energiezentrale einschließlich Klimaanlage, 800 000 Euro koste die (auch energetische) Sanierung des Daches und zusammen 600 000 Euro in die Erneuerung der Elektro- und Telefonanlage. Für alle Maßnahmen zusammen gebe es aber nur 1,8 Millionen Euro Zuschüsse, was gemessen an den tatsächlichen Investitionen deutlich mache, dass das Haus in Landau erhalten bleibe.

Die Entscheidung, die Geburtshilfe möglicherweise nicht weiterzuführen, so Bernreiter weiter, habe man sich nicht leicht gemacht. Man müsse aber auf die rechtlichen Grundlagen achten, es gehe keineswegs "wie unterstellt werde" um Gewinnmaximierung oder Verlustminderung.
Der alleinige Grund sei, dass in Landau für eine Fortführung des Betriebs nicht genügend Hebammen vorhanden sein. Viele hätten gekündigt, weil sie als Beleghebammen bei nur etwas über 200 Entbindungen pro Jahr zu wenig verdienen. Bis 2014 würden nur noch zwei Hebammen in Vollzeit und zwei in Teilzeit dort arbeiten. Die gesetzliche Vorgabe für eine Entbindungsabteilung sei aber, dass rund um die Uhr eine Hebamme anwesend sein müsse. Fest angestellte Hebammen wiederum seien an gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeiten gebunden, dürften also nicht wie ihre freiberuflichen Kolleginnen "nach zeitlichem Gutdünken" arbeiten, was den Bedarf nochmals erhöhe. Allerdings werde man weiterhin alle Möglichkeiten ausloten, um die Abteilung in Landau zu halten. Am 5. Dezember sei der Tag der Wahrheit, wo mit qualifizierter Mehrheit (drei Viertel der Stimmen) die Schließung beschlossen werden müsse. Komme sie nicht zustande, müsse nach einer weiteren Abstimmung die Rechtsaufsicht der Regierung eingeschaltet werden, weil diese Entscheidung nicht durch das Gesetz gedeckt sei. Bernreiter wies darauf hin, dass die Geburtshilfe künftig in der Klinik in Dingolfing konzentriert werden müsse. "Es geht nicht um Wünsche, sondern um Machbares," betonte Bernreiter vor dem Hintergrund, dass in vielen kleineren Kliniken Abteilungen geschlossen werden, weil sie nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. Und zwei Geburtskliniken im Landkreis Dingolfing-Landau seien halt nicht machbar.

Beide Landräte machten deutlich, dass die Kommunalpolitik zwar alles für den Erhalt tue, aber über rechtliche Vorgaben nicht hinausgehen könne. Heinrich Trapp zeigte auf, dass die Belegungszahlen in Landau deutlich nach unten gegangen seien. Dennoch wolle man die Belegabteilung so lang wie möglich fortführen. Dazu müsse die Hebammenfrage gelöst werden. In den nächsten 14 Tagen werde daher gezielt um Hebammen geworben, auch mit finanziell attraktiven Angeboten.

Zur Frage "Belegabteilung oder Hauptabteilung Geburtshilfe" sagte Dr. Inge Wolff, dass grundsätzlich bei geringeren Entbindungszahlen Belegabteilungen sinnvoller seien, weil dann starre Arbeitszeitregeln und das ständige Vorhandensein einer Hebamme und eines Arztes nicht Pflicht seien. Dass etliche Hebammen in Landau gekündigt hätten, habe schlicht mit deren Einkommen bei nur wenigen Entbindungen zu tun, das auch wegen der hohen Versicherungskosten zum Leben nicht mehr ausreiche. Und Landrat Trapp wies darauf hin, dass die defizitären Belegabteilungen nur zu halten seien, wenn "die Menschen das Angebot auch annehmen". Deshalb werde man voraussichtlich am 3. Dezember eine Informationsveranstaltung in der Landauer Stadthalle abhalten, um die Bevölkerung umfassend über die Problematik aufklären zu können.

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Landau, Rheinland-Pfalz, Deutschland

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