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Artikel vom 02. Oktober 2012 07:07, 1482 mal gelesen

Geisenhausen

Hersteller fürchten um Zukunft des Schnupftabaks

Geschäftsführer von Tabak Pöschl kritisiert Pläne von EU-Gesundheitskommissar

Solche Bilder will Patrick Engels von Tabak Pöschl auch in einigen Jahren noch genießen können: eine Brise Schnupftabak im Biergarten.

Solche Bilder will Patrick Engels von Tabak Pöschl auch in einigen Jahren noch genießen können: eine Brise Schnupftabak im Biergarten.

Von Stefanie Wieser.
Als Frontalangriff sieht Patrick Engels, Geschäftsführer des Familienunternehmens Tabak Pöschl in Geisenhausen, die Pläne des EU-Gesundheitskommissars John Dalli, die EU-Richtlinie 2001/37/EG zu Herstellung, Aufmachung und Verkauf von Tabakerzeugnissen zu überarbeiten. Dessen Pläne gehen laut Engels soweit, dass unter anderem sämtliche rauchfreien Tabakprodukte verboten werden sollen.

Im Jahre 1902 habe sein Urgroßvater, Alois Pöschl senior, das Unternehmen zunächst als Schnupftabakmanufaktur aufgebaut, so Patrick Engels. Mittlerweile habe die Firma in Deutschland beim Schnupftabak einen Marktanteil von 95 Prozent und weltweit stamme jede zweite Dose Schnupftabak aus der Produktion von Pöschl, berichtet Engels. Insgesamt seien bei Tabak Pöschl 380 Mitarbeiter beschäftigt, am Hauptsitz in Geisenhausen seien 330 Mitarbeiter tätig. Für diese wäre eine Änderung der EU-Richtlinie, wie sie John Dalli laut Engels Informationen plant, ein Schlag ins Gesicht.

Die neuen Pläne zur Tabakverordnung sähen unter anderem ein Verbot von Menthol vor, was dem Verbot von Schnupftabak gleichkomme, so Engels. Doch die Pläne beträfen nicht nur das Verbot von einzelnen Inhaltsstoffen. Dalli wolle laut Engels so weit gehen, alle rauchfreien Tabakformen, wie beispielsweise auch Kautabak, zu verbieten.

Auch andere Produkte der Firma müssten nach den Plänen für die neue Richtlinie angepasst werden. Die Zigarettenverpackungen sollen in Zukunft einheitlich verpackt und mit zahlreichen Warnhinweisen versehen werden, im Laden sollen die Zigaretten sogar aus der Auslage verschwinden, unter die Ladentheke oder hinter einen Vorhang, befürchtet Engels. Automaten sollen wegfallen, da hier angeblich der Jugendschutz nicht gewährleistet werden könne, empört sich Engels. Dabei müssten die Kunden, die die Zigaretten dort ziehen beispielsweise durch einen Führerschein ihr Alter nachweisen. Daneben wäre außerdem noch der Pfeifentabak betroffen.

Denn hier dürfen laut Engels nach überarbeiteter Richtlinie keine Aromen wie Vanille oder Kirsche mehr hinzugefügt werden. Damit würde der Pfeifentabak nach nichts mehr schmecken, beim Schnupftabak ohne Menthol ginge der Frischeeffekt verloren.

Außerdem bringt Engels nicht nur "Genussargumente" der Konsumenten an. Letztes Jahr habe der Fiskus bundesweit 14,5 Milliarden Euro Tabaksteuer eingenommen, argumentiert Engels. Die Pläne Dallis, das Rauchen und auch alle rauchfreien Tabaksorten weniger attraktiv zu machen, würden sich somit auch auf die Steuereinnahmen auswirken.

Engels will nun, bevor der Entwurf zur Überarbeitung der Richtlinie in die EU-Gesetzgebung eingebracht wird, über die geplanten Änderungen aufklären und die Konsumenten dazu aufrufen, ihre Meinung kundzutun.

Vor zwei Jahren, von September 2010 bis November 2010, habe die EU-Kommission im Rahmen einer Konsultation, bei der EU-Bürger via Internet zu den Plänen der EU-Kommission ihre Meinung abgeben können, 85 000 Beiträge zu der Tabakrichtlinie erhalten. Diese seien zum Großteil kritisch gegenüber den Änderungen ausgefallen, behauptet Engels. Doch die EU-Kommission habe diese laut Engels vergleichsweise hohe Beteiligung nicht in den Entwurf einfließen lassen.

So wird dieser nun voraussichtlich Ende des Jahres als Vorschlag für die Verordnung eingebracht. Wenn auf EU-Ebene über die Richtlinie entschieden ist, gilt es für die einzelnen Nationen, die Vorgaben umzusetzen. Engels wolle auf alle Fälle alle Möglichkeiten ausschöpfen, um diese Änderungen zu verhindern.

Ob Einsatz rechtlicher Mittel oder Hinwirken auf eine Ausnahmeregelung für Schnupftabak seitens der bayerischen Politik - nichts wolle Engels unversucht lassen, um das Geschäft und seine Mitarbeiter vor Schlimmerem zu bewahren, und vor allem auch, um den Schnupftabak, als Stück bayerische Kultur nicht verschwinden zu sehen.

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Geisenhausen, Bayern, Deutschland

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