Artikel vom 24. September 2012 08:50, 306 mal gelesen
Bödldorf
Burnout-Zentrum eröffnet - Jeder kann ausbrennen
Diplompsychologe Gerd Wenninger (rechts) informierte über das Angebot seines Burnout-Zentrums. (Fotos: dz)
Von Harald Schwarz.
Burnout gilt bereits als "Epidemie des 21. Jahrhunderts", vor allem ausgelöst durch Dauerstress, und als Hauptgrund für schwindende Motivation, Produktivität und Kreativität. Dabei gibt es bei diesem Krankheitsbild keine einfache Heilung. "Schnelle Erfolge zur Stressbewältigung und Burnout-Prävention sind mit höchster Skepsis zu begegnen", sagt Diplompsychologe Gerd Wenninger. Zusammen mit zahlreichen Gästen und einem breiten Informationsangebot hat er am Samstag sein Burn-out-Zentrum Bödlhof eingeweiht.
Burnout kann inzwischen in allen Berufs- und Altersgruppen auftreten. Lange Zeit galt es als typisch für Berufe mit hohem sozialen Engagement, dann als Krankheit der Manager. Inzwischen wird Burnout in allen Berufsgruppen diagnostiziert. Dabei gibt es "Burnout" im streng medizinischen als Krankheit nicht. Auch, weil es kein einheitliches Krankheitsbild gibt.
Burnout hat viele Gesichter: Erschöpft und ausgelaugt zu sein, in ein tiefes Loch zu fallen - bei Dauerstress kann sich das bei jedem im Laufe der Zeit entwickeln. Psychische Belastungen und Stress sind anerkannte Hauptursachen, dass sich die Zahl der Burnoutbedingten Arbeitsunfähigkeitstage und Frühverrentungen in den vergangenen fünf Jahren fast verzehnfacht hat. Aus psychisch robusten und leistungsfähigen Menschen können durch ständige Erreichbarkeit, paralleles Arbeiten an mehreren Aufgaben, fehlende Anerkennung ihrer Arbeitsleistung, perfektionistisches Denken und vieles andere mehr im Laufe der Zeit chronisch müde, apathische Menschen werden. Ausgebrannte, die sich in einem tiefen Loch befinden.
Aber dem Burnout kann man auch vorbeugen; allerdings nur, wenn man die Alarmzeichen kennt: Bei dem einen sind es Schlafstörungen oder ständige Kopf- oder Magenschmerzen, beim anderen ist eine "Null-Bock-Stimmung". Man hat keine Lust mehr zu arbeiten und kann sich nicht mehr wirklich am Leben erfreuen. Dann muss man etwas tun, um der Alltagshektik zu entfliehen und aus dem Hamsterrad heraus zu kommen.
Deshalb hat der Diplompsychologe das Burnout-Zentrum Bödlhof eingerichtet und verschiedene Angebote entwickelt, dem Stress-Hamsterrad zu entfliehen: Vorträge, Workshops, Coachingangebote sollen helfen, Burnout vorzubeugen. Wenninger bietet aber auch eine "Burnout-Ambulanz", bei der schnelle psychologische und medizinische Betreuung bei akuten Erschöpfungsreaktionen geboten wird. Zudem haben Unternehmen die Möglichkeit, ein maßgeschneidertes Gesundheitsmanagement zu bekommen, das mithilft, die Burn-out-Gefährdung zu verringern.
Zur Eröffnung am Samstag konnten sich die Besucher bei diversen Informations- und Aktionsständen einen Überblick über die breite Angebotspalette verschaffen. Da waren Bilder der Landshuter "WeibsBilder" unter dem Motto Malen gegen den Burnout genauso zu sehen, wie man unterschiedliche Entspannungsarten ausprobieren, sich über das Landshuter Netzwerk informieren oder das betriebliche Gesundheitsmanagement kennenlernen konnte.
Eine Expertenrunde diskutierte zudem unter der plakativen Überschrift "Burnout - neue Volkskrankheit oder Hilfe zum Krankfeiern?" Rudolf Lang, der Betriebsratsvorsitzende der Firma Dräxlmaier, sagte beispielsweise, dass Arbeitnehmer eher arbeiten gehen, als krank zu feiern, da sie Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes haben. Deshalb werde bei Dräxlmaier seit dem Jahr 2002 an der Änderung der Arbeitszeitmodelle getüftelt, um hier präventiv tätig zu werden.
Helmut Nold, bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie verantwortlich für den Gesundheitsschutz, erläuterte, dass sie für Firmen Beratungen zur Burnout-Prophylaxe oder Berufsergonomie anbieten und diese mittlerweile das Problem auch erkennen und eine Lösung finden wollen.
Die Arbeitspsychologin Martina Molnar hat ein Verfahren entwickelt, wie man die Belastungen der Mitarbeiter in Unternehmen prüfen kann und dabei auch festgestellt, dass auf den Arbeitnehmern heutzutage ein höherer psychischer Druck laste.
Aus der Sicht eines Betroffenen erzählte Tim Sturm, der nach 20-jähriger Arbeit in der IT-Branche selbst im Burnout gelandet war. Er berichtete beispielsweise, dass das Fatale an Burnout ist, dass der Betroffene es meistens gar nicht bemerkt, dass er auf einen Burnout zusteuert.
Dr. Rüdiger Meesters sagte, dass es aus seiner Sicht Burnout gebe. Er sei aber schwierig zu diagnostizieren, da er sich häufig hinter anderen Krankheiten verstecke. Dabei sei die Grenze zur Depression fließend.
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