Artikel vom 23. September 2012 13:06, 50 mal gelesen
Die Projektgruppe hat an zwei Tagen vier Kultureinrichtungen besucht. Man habe dabei sehr anschaulich in Erfahrung gebracht, was besondere Kultureinrichtungen ausmache, und was in der Praxis wirklich von Bedeutung sei, hieß es dazu jetzt im Stadtrat. (Foto: gs)
Von Georg Soller.
Hört man sich unter den Bürgern der Stadt um, so ist der Glauben daran, dass es auf dem ehemaligen ABV-Gelände bald vorwärts geht und dass dort in absehbarer Zeit ein Kulturzentrum gebaut werden soll, nicht sehr fest. Ganz anders hingegen stellt sich das Handeln der Stadt dar: In der Stadtratssitzung am vergangenen Montag wurde - bei zwei Gegenstimmen - der erste von drei Auslobungstexten verabschiedet, die als Grundlage für die sich am Ideenwettbewerb beteiligenden Architekten dienen sollen. Nach dem Kulturzentrum werden nun die Anforderungen für die Gastronomie und den Einzelhandel erarbeitet.
Zehn Jahre sind bereits ins Land gegangen, seit die Stadt das zentral gelegene Gelände der früheren Aktienbrauerei erworben hat und mit Bauwerken wiederbeleben möchte, die im Portfolio des städtischen Angebots benötigt werden. Nach verschiedenen Anläufen, die nicht zum gewünschten Ziel geführt haben, arbeiten sich die Stadtverwaltung und der Stadtrat nun seit einiger Zeit sehr sorgfältig an das Ziel heran. Fest steht inzwischen, dass auf dem Gelände neben dem Kulturhaus auch eine Hotelgastronomie und ein Einzelhandelsgeschäft errichtet werden sollen - letztere allerdings von einem Gastronomen und einem Investor.
Damit an dieser wirklich prominenten Stelle zwischen Vilsufer und Stadtplatz aber nicht "wie Kraut und Rüben" gebaut werde, sondern sich am Ende ein stimmiges architektonisches Bild ergebe, werde der Ideenwettbewerb, zu dem auch die Lösung der schwierigen Verkehrssituation gehört, der Investorensuche vorgeschaltet. Die jeweilige Gebäudeplanung innerhalb des vorgegebenen Planungsrahmens obliege dann den jeweiligen Bauherrn, erläuterte Bürgermeister Helmut Haider, nicht ohne den Widerspruch von Wolfgang Perzl (CSU): "Da fangen wir verkehrt an", meinte der.
Haider erinnerte im Stadtrat noch einmal daran, dass eine Projektgruppe seit knapp einem Jahr das Anforderungsprofil für das Kulturhaus erarbeite. Die Ergebnisse aus zwei Umfragen, einer zweitägigen Besichtigungsfahrt und einer (schwach besuchten) Bürgerwerkstatt habe die Beratungsgesellschaft Identität und Image nun zu dem vorliegenden Text zusammengefasst.
"Man muss sich selber klar sein, was man von den Kreativen bestellt", sagte I&I-Geschäftsführer Wolfgang Grubwinkler zu Beginn seiner Ausführungen. Ihm erschien es in diesem Zusammenhang deshalb wichtig, die technischen Anforderungen auf die nötigen Rahmendaten zu beschränken, weil hier die Fachleute schon wüssten, was richtig sei. "Ich habe deshalb versucht, eine Philosophie zu formulieren und die Ziele darzustellen, was in dem Kulturhaus passieren soll. Die kreativen Planer sollen verstehen, was Ihnen wichtig ist."
Hohe Aufenthaltsqualität
Und so steht im Anforderungsprofil zunächst der Hinweis, dass Vilsbiburg von zahlreichen Kultureinrichtungen der Region umgeben sei. Deshalb müsse die zentrale Stadt einen besonderen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität schaffen, an dem sich Künstler und Publikum wohl fühlten. Künstler ließen sich dort nieder, wo sie ihrer Kunst vernünftig nachgehen könnten. Gerade die Besichtigungsfahrt habe allen deutlich gemacht, dass das Kulturhaus einerseits ein Kristallisationspunkt für das Kulturleben am Ort werden, aber darüber hinausgehend auch Raum für Neues bieten müsse, damit eine gewisse Eigenständigkeit des Kulturgeschehens möglich werde. Als kommunikativer Treffpunkt der Bürger könne das Kulturhaus "Inkubator für Neues" werden, für neue Entwicklungen, die eine überregionale Wirkung und Anziehungskraft entwickelten. Es sollte auch die kunstsinnigen Menschen der Region, vor allem junge Leute, anregen, kreativ zu sein. Neben dieser inhaltlichen Position verweist das Papier auf die besondere Lage: Als Haus am Fluss könnte man den benachbarten Naturraum klug in das Kulturzentrum einbeziehen.
Die technische Anforderung hat sich in den vergangenen Monaten deutlich herausgeschält: Der Saal sollte maximal 500 Besucher aufnehmen, aber möglichst flexibel teilbar sein. Ein freundliches Foyer, eine technisch hochwertige Bühne, eine Probenbühne, ausreichend Lagerraum und so weiter. Das Haus soll nicht nur für Konzerte und Theater geeignet sein, es sollte auch kleine Messen, Ausstellungen und andere wertige Veranstaltungen aufnehmen können.
Eng mit Gastronomie verknüpfen
Ein Aspekt wurde in allen besichtigten Kultureinrichtungen als entscheidend für den Erfolg bezeichnet: Die Gastronomie (etwa des benachbarten Hotels) muss funktional so eng an das Kulturhaus angebunden werden, dass eine Bewirtung beider Häuser gut möglich ist: "Man kann den Braten nicht über den Hof tragen."
Während die Stadträte inhaltlich wenig Grund zur Diskussion sahen, ging es aber lange um die Frage, ob eine Grenzlinie bei den Kosten sinnvoll ist. Während ein Teil der Stadträte hofft, dadurch Kostenmehrungen zu verhindern, die derzeit bei ganz vielen öffentlichen Bauten zu beobachten sind, befürchtet die andere Hälfte, damit einen Grundpreis festzuschreiben: "Biller wird es dann sicher nicht mehr", gab der Bürgermeister zu bedenken. Man einigte sich dann auf eine Formulierung, dass sich die Planung an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Stadt Vilsbiburg zu orientieren habe: "Ein guter Architekt macht so etwas doch von sich aus", meinte dazu Josef Sterr (FW).
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