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Artikel vom 23. Januar 2013 08:18, 887 mal gelesen

Regensburg/München

Grippewelle überrollt den Landkreis

Seit einer Woche häufen sich am Gesundheitsamt die Meldungen über Influenza

Autor: Elisabeth Geiling-Plötz
Influenza und Co. sind angekommen: Aus allen Teilen des Landkreises werden derzeit Grippefälle gemeldet. Vier Wochen wird die Welle wohl dauern.

Influenza und Co. sind angekommen: Aus allen Teilen des Landkreises werden derzeit Grippefälle gemeldet. Vier Wochen wird die Welle wohl dauern.

Kein Zweifel, sie ist da. Die Grippewelle ist im Landkreis Cham angekommen. "Wir bekommen täglich aus allen Teilen des Landkreises Meldungen über den Nachweis der Influenza", berichtet Dr. Joseph Ferstl, Leiter des Gesundheitsamtes in Cham. Gut zwei Dutzend Schnelltestergebnisse liegen bereits auf seinem Schreibtisch. "Aber die Dunkelziffer ist sicherlich mindestens zehnmal höher", vermutet der Mediziner. Alle Betroffenen berichten von massivem Krankheitsgefühl und von hohem Fieber. Die Kinder klagen zudem besonders über starken Husten.

Alle Landkreisteile sind mittlerweile betroffen

Seit gut einer Woche häufen sich Meldungen über die echte Grippe im Landkreis. Schwerpunkte lassen sich auf der Landkarte längst nicht mehr erkennen. Ferstl: "Die ersten Berichte kamen aus dem nördlichen und östlichen Landkreis, später aus dem Bereich Cham und Roding. Mittlerweile sind alle Regionen betroffen." Der Verlauf der Krankheitswelle spiegelt sich längst in den Schulen und Kindergärten, in den Büros und Werkstätten wider. Bei einer Chamer Kinderkrippe sind von neun Kleinkindern gerade noch zwei "Minis" - mehr oder weniger - gesund. Bei den großen Schulen liegen Dutzende Krankmeldungen vor. "Aber bislang ist die Lage noch nicht dramatisch", versichert Josef Vogl, stellvertretender Direktor am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium. Aus Erfahrung weiß er aber: Die Lage kann sich schnell ändern. "Fängt einer in einer Klasse an, dann geht''s los ..."

Erfahrungsgemäß dauert die Welle gut vier Wochen. Aber bis dahin erwartet Ferstl noch dutzendweise Krankmeldungen aus den Arztpraxen im Landkreis. Die Mediziner melden jeweils die nachgewiesenen Influenzafälle an die Behörde. Nach den ersten Tagen sieht Ferstls Bilanz gemischt aus: Zwölf Nachweise der Influenza B und sieben Fälle von Influenza A sind aktenkundig geworden. Allerdings: Viele Grippepatienten gehen nicht zum Arzt oder der Mediziner macht keinen Schnelltest, sondern behandelt nur die Symptome. Ferstls Vermutung ist daher, dass die wahre Zahl der Grippefälle mindestens zehnmal, vermutlich sogar 20- oder 30-mal höher liegt.

In Grippezeiten: Hände weg aus dem Gesicht!


Dass so mancher Grippegeplagte gar nicht beim Hausarzt Hilfe sucht, liegt an den Behandlungsmöglichkeiten. Das mutmaßliche Allheilmittel Antibiotika kann gegen den Grippevirus nichts ausrichten. Einzig die Begleiterscheinungen lassen sich behandeln. Gegen die Halsschmerzen lassen sich Mittelchen finden ebenso wie gegen die Fieberschübe. Auch die alten Hausmittel wie eine kräftigende Hühnersuppe kann Ferstl nur empfehlen.

Für eine Impfung ist es hingegen wohl zu spät. Oder rentiert sich die Spritze noch zu Hochzeiten der Grippenwelle? Ferstl überlegt: "Der Körper braucht etwa neun bis zehn Tage, bis er auf den Impfwirkstoff reagiert hat. Ob da jetzt noch der Nutzen da ist, ist fraglich." Aber freilich ist das letztlich immer die individuelle Entscheidung, die gemeinsam mit dem Hausarzt getroffen werden sollte.

Wirksam sind aber auch die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen. Allen voran: häufig Händewaschen. Der Gesundheitsamtschef verweist auf Studien, die vermuten lassen, dass sich das Infektionsrisiko durch gründliches Reinigen der Hände um die Hälfte reduzieren lässt. Ferstl rät zudem dazu, mit ungewaschenen Händen nicht in die Augen oder an die Nase zu fassen. Denn: "Die Viren gelangen über Schleimhäute und Bindehaut in den Körper." Also, in Grippezeiten Hände weg aus dem Gesicht!

Oft folgen auf die Influenza Sekundärerkrankungen

Wenn alle Vorsicht nichts geholfen und der Grippevirus zugeschlagen hat, bleibt nur noch Bettruhe. Und auch danach sollte jeder Betroffene umsichtig agieren. Ferstl hat schon oft beobachtet, dass der grippegeschwächte Körper leichte Beute für Sekundärerkrankungen ist. "Die Abwehrkraft des Körpers ist massiv in Mitleidenschaft gezogen", warnt Ferstl. Daher sind nach der Grippe Mandel- und Mittelohrentzündung keine Seltenheit, ebenso wenig wie die Bronchitis. Na dann, gute Besserung!

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