"Man trägt zum Wohl der Gesellschaft bei"


Gabi Urban, Leiterin der Altenpflegeschule, über den Beruf des Altenpflegers


Demographischer Wandel - ein Thema, das mehr und mehr die öffentliche Diskussion bestimmt. Die Deutschen werden immer älter und benötigen im Alter Pflege - doch qualifizierte Pflegekräfte fehlen. Was zeichnet eine solche Fachkraft aus? Wie wird man Altenpfleger, wo liegt der Aufgabenbereich und wer bezahlt die Ausbildung? Die Kötztinger Zeitung befragte dazu Gabi Urban, die Leiterin der Altenpflegeberufsfachschule in Bad Kötzting. 


Wie läuft die Ausbildung zum Altenpfleger ab?

In der Regel dauert die Ausbildung drei Jahre. Man ist dabei in einer Altenpflegeeinrichtung mit einem Ausbildungsvertrag angestellt. Im Gegensatz zu anderen Ausbildungsberufen wird in diesem mehr Wert auf Theorie gelegt. Das zeigt sich darin, dass unsere Schüler 2500 Praxisstunden, also Arbeitsstunden in ihrem Ausbildungsbetrieb, und 2100 Theoriestunden bei uns an der Schule absolvieren.


Auf welche Aufgabenbereiche werden Ihre Schüler während der Ausbildung vorbereitet?

Das fängt an bei den typischen Pflegeaufgaben wie Körperpflege, Wundversorgung, Rehabilitation und Vorsorgemaßnahmen. Aber sie lernen auch die Durchführung sinnstiftender Aktivitäten, um mit den alten Menschen einen erfüllten Alltag zu gestalten. Außerdem werden sie im psychosozialen Bereich geschult. Unsere Schüler müssen ja häufig mit Demenzpatienten umgehen und außerdem psychisch belastbar sein.


Sind neben der psychischen Belastbarkeit noch weitere Charaktereigenschaften von Bedeutung?

Wichtig sind eine hohe Kommunikationsfähigkeit und absolute Zuverlässigkeit. Man sollte auf Leute zugehen können und gut organisiert und strukturiert arbeiten. Ein gepflegtes Äußeres ist ein Muss, gerade weil andere Menschen gepflegt werden.


Steigt derzeit die Zahl der Altenpflegeschüler?

Unsere Schülerzahlen sind in den letzten drei Jahren kontinuierlich gestiegen. Allerdings liegt der Anteil an Männern immer noch bei nur zehn Prozent.


Mit welchem Abschluss kann man in die Ausbildung einsteigen?

Voraussetzung ist zunächst die Mittlere Reife. Möglich ist es auch ohne diese, dabei muss man jedoch eine zweijährige Berufsausbildung vorweisen können. Und auch wer bereits eine Ausbildung zum Sozialbetreuer, Krankenpflege- oder Altenpflegehelfer absolviert hat, kann den Weg zum Altenpfleger einschlagen.


In der EU wird derzeit diskutiert, für die Ausbildung zum Krankenpfleger eine zwölfjährige Schulausbildung vorauszusetzen. Das entspräche in Deutschland meist einem Abitur. Befinden sich derzeit Abiturienten in der Ausbildung zum Altenpfleger an ihrer Schule?

Wir haben durchaus einige Abiturienten unter unseren Schülern, sie sind jedoch eine Minderheit. Die meisten von ihnen wollen nach der Ausbildung studieren. Diese Möglichkeit haben übrigens auch die Altenpfleger ohne Abitur nach zwei Jahren im Beruf, allerdings ist deren Studium auf den Pflegebereich beschränkt. 


Das macht den Pflegeberuf sicherlich attraktiv, oder?

Nicht nur die Möglichkeit eines Studiums sorgt für Attraktivität. Zum einen ist die Ausbildungsvergütung gut. Zum anderen sehen es viele als sinnvolle Arbeit an, denn man trägt damit zum Wohl der Gesellschaft bei. Nicht zu vergessen ist, dass es sich um einen sicheren Arbeitsplatz handelt.


Lockt das Quereinsteiger aus anderen Berufen an?

Ja, auf jeden Fall. Etwas mehr als ein Drittel haben bereits eine Ausbildung in einem anderen Beruf abgeschlossen. 


Kann der Bedarf an Pflegekräften gedeckt werden?

Der Bedarf an Fachkräften wird auch in unserer Gegend nur schwer vollständig zu decken sein. Aufgrund des demographischen Wandels wird die Zahl der Pflegebedürftigen und damit der Pflegesektor weiter wachsen. Schlimmer trifft es im Moment die Städte. Dort ist der Mangel an Pflegekräften noch akuter. Dadurch steigen zumindest die Gehälter an, was den Beruf wieder um einiges attraktiver macht. Schließlich wird er oft als unterbezahlt angesehen.


Abschließend noch eine Frage, die vor allem für Interessenten wichtig ist: Wie wird die Ausbildung zum Altenpfleger finanziert?

Unsere Schüler bezahlen 100 Euro Schulgeld pro Schuljahr, die weiteren Kosten werden durch staatliche Förderung gedeckt. Momentan wird aber bayernweit über eine Änderung nachgedacht, wobei wir uns natürlich wünschen, nicht ins Defizit zu rutschen. 


Die Fragen stellten Sonja Seidl und Jakob Dreher

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Kategorie: Kötztinger Zeitung
Erstellt: 13.02.2012

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