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Philipp unterrichtet Deutsch in Indien

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Philipp
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Die letzten Tage


Wieder zurück in der geschäftigen Alltagswelt der indischen Stadt Jaisalmer, heißt es langsam aber sicher an die Rückreise denken. Nur wenig mehr als eine Woche verbleiben noch bis zu meinem Flug nach Deutschland, und so mache ich mich daran diverse Zugverbindungen zu organisieren.
Doch ergibt sich eine unerwartete Wende - ich bekomme eine E-Mail meiner Fluggesellschaft, die darüber informiert dass mein Flug von Dharamsala nach Delhi gestrichen wurde. Ich muss also etwas improvisieren. Schnell ist der Zug nach Delhi gebucht, und kaum zwei Tage nach meiner Rückkehr aus der Wüste sitze ich auch schon wieder im Zug, dieses Mal auf dem Weg in die große Hauptstadt.

So wird aus dem ersten Schrecken eine einmalige Gelegenheit, und ich verbringe eine ganze Woche im Herzen der facettenreichen Hauptstadt. Meine ursprünglichen Befürchtungen bezüglich des Chaos und der Aussicht sich kaum zurecht finden zu können erweisen sich als unbegründet - es dauert nicht lange bis ich eine passende Unterkunft gefunden habe. Nicht zu teuer, gut gelegen, und mit einer grandiosen Aussicht über die Dächer der Stadt vom vierten Stock aus.

Die Menschen sind wie an vielen Orten Indiens sehr offen, und so komme ich oft in Gespräche mit den unterschiedlichsten Leuten - vom einfachen Rikscha-Fahrer bis zum hoch ausgebildeten IT-Experten, mit jeder Unterhaltung lerne ich mehr über Land und Leute.

Das größte Erlebnis jedoch ist der 15. August - Independence Day. Zum Jahrestag der Unabhängigkeit von der Britischen Kolonialmacht haben praktisch alle Geschäfte geschlossen, die Straßen sind leer wie sonst nie, die Stadt scheint ausgestorben. Zumindest auf dem Boden. Vom Dach meines Hotels aus beobachte ich hingegen ein Schauspiel wie noch nie zuvor: Überall auf den Dächern stehen feiernde Menschen und lassen zu lauter Musik bunte Drachen steigen. Der ganze Himmel ist übersät von den kleinen Flugobjekten, egal in welche Richtung man blickt erobern sie den Luftraum bis zum Horizont. Die sonst so häufigen Tauben lassen sich kaum blicken, kein Wunder bei all der Konkurrenz.
Lange sitze ich dort oben und sehe einfach nur zu - es ist ein beeindruckendes Erlebnis.

Die restliche Zeit die mir noch verbleibt teile ich auf in Museumsbesuche, ziellose Wanderungen durch die verschiedenen Stadtteile, oder lebhafte Gespräche mit gleichgesinnten Reisenden. Es ist eine bunte Welt, lebhaft wie an nur wenigen anderen Orten, und es wird praktisch nie langweilig. Es gibt immer mehr zu entdecken.

Die Zeit vergeht, und mit jedem Tag rückt meine Abreise näher. Oft denke ich darüber nach was ich alles in diesen drei Monaten in Indien erlebt, gelernt, und gesehen habe - die Fülle dieses Landes scheint endlos.
Doch egal wie sehr man eine Reise auch genießt, irgendwann ist auch die längste einmal vorüber. So finde auch ich mich schließlich im Taxi zum Flughafen wieder, und verabschiede mich innerlich von diesem großartigen Ort der mich um so viel reicher gemacht hat.

Indien hat mich fest in den Bann gezogen, und ich werde mich nicht mehr so schnell lösen können.

23.08.2011 14:51Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
Philipp
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Abenteuer Wüste


Ehe ich mich versehe sitze ich im Jeep in Richtung Wüste, und es geht über eine sand-bedeckte Straße zum Ausgangsort meiner Kamel-Safari, um die 70 Kilometer außerhalb der Wüstenstadt Jaisalmer. Ich bin schon etwas aufgeregt, und als ich endlich auf einem der beeindruckend großen Tiere sitze kann ich es kaum erwarten los zu ziehen.

Das Reiten selbst macht Spaß, ist jedoch äußerst ungewohnt. Der eigensinnige Bewegungsrhythmus der Kamele lässt mich unaufhörlich vor und zurück wippen, was anfangs zwar ganz amüsant ist, bald jedoch einen ganz schönen Muskelkater in den Oberschenkeln mit sich bringt. Dafür wird man durch die Aussicht mehr als entschädigt: Soweit das Auge reicht keine Menschenseele, bis zum Horizont erstreckt sich die braune Halbwüste, übersät von kleinen vertrockneten Sträuchern, dornigen Büschen, und ab und zu einigen wenigen Bäumen. Es ist kein Laut zu hören, das absolute Gegenteil der nie ruhenden indischen Städte an die ich mich bisher so gewöhnt hatte - eine willkommene Abwechslung.

Die Tagesroutine beginnt morgens mit einem kurzen Frühstück, worauf hin einige Stunden geritten wird. Mittags gibt es eine längere Pause bei indischen Essen am Lagerfeuer, um der unerträglichen Hitze die sich um diese Zeit bildet zu entkommen. Es ist eine sehr gute Gelegenheit zu lesen oder auszuruhen, denn es gibt weit und breit nichts was dabei stören könnte. Nach einigen weiteren Stunden des Reitens am Nachmittag wird schließlich nach einem geeigneten Übernachtungsplatz gesucht, an dem man möglichst fern von Kobras und anderen giftigen Wüstentieren das Lager aufschlägt.

Die beiden Höhepunkte des Tages sind der feuerrote Sonnenuntergang am fernen Horizont, und der klare Sternenhimmel in den späten Stunden der Nacht. Da es hier kaum Ansiedlungen, geschweige denn Städte gibt, ist kein künstliches Licht zu sehen, und nichts beeinträchtigt die Sicht auf die zahlreichen funkelnden Himmelskörper. Schade dass ich keine Sternbilder außer dem großen Wagen kenne, diesen erkenne ich dafür aber umso deutlicher. Es wäre das absolute Paradies für jeden Hobby-Astronomen.

Auch verschiedene kleinere Dörfer der Wüstenvölker besuchen wir auf unserer Tour, meine Kamelführer stellen mich vielen ortsansässigen Menschen vor und ich lerne einiges über ihre Lebensart und Kultur kennen. Jedes mal wenn ich an einem neuen Ort ankomme bin ich bald von unzähligen Kindern umringt, die mich teils neugierig, teils misstrauisch begutachten. Oft ist das erste was sie mich fragen ob ich ihnen etwas mitgebracht habe, am häufigsten wird nach Stiften und Rupien gefragt.
Die Armut der Bevölkerung ist hier kaum zu übersehen - Schulen gibt es kaum, Lehrer noch weniger, und der Großteil der Kinder muss in der Wüstensonne schuften um die große Familie mit zu ernähren.

So geht Tag um Tag vorbei, und ich gewöhne mich immer mehr an das einfache Leben mitten im Nirgendwo. Es gibt keinerlei Luxus, alles ist auf das nötigste reduziert, und mir wird deutlich vor Augen geführt wie hart ein solches Leben sein kann.

Die schönsten Erlebnisse sind für mich die vielen verschiedenen Tiere die ich zu Gesicht bekomme: von Antilopen über Greifvögel, bis hin zu Pfauen und großen Echsen - wenn man nur genau genug hin sieht so scheint es, füllt sich die Wüste mit Leben. All das in freier Wildbahn und fernab jeglichen menschlichen Einflusses bestaunen zu können ist eine unvergessliche Erinnerung.

Als meine Tour schließlich zu Ende geht, bin ich sowohl traurig als auch erleichtert. Auf der einen Seite gab es viel Aufregendes zu sehen und zu erleben, doch auf der anderen Seite ist es auch schön sich endlich wieder duschen zu können, und nicht jeden morgen mit Sand zwischen den Zähnen auf zu wachen.

So hat alles seine guten und schlechten Seiten, doch es war auf jeden Fall ein bemerkenswertes Abenteuer das man so schnell nicht vergisst.

12.08.2011 17:16Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
Philipp
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RE: Philipp unterrichtet Deutsch in Indien


Meine nächste Station ist die Hauptstadt Rajasthans, Jaipur. Nach einer langen Nacht im Zug habe ich es endlich geschafft und steige am Bahnhof aus. Als erstes stürzen sich eine ganze Meute an Taxi- und Rikscha-Fahrern auf mich um mir ihre Dienste anzubieten, und es dauert eine ganze Weile bis ich ihnen klar gemacht habe dass ich erst einmal nur meine Ruhe will. Als die Situation etwas herunter gekühlt ist, suche ich mir einen jungen Fahrer der mir eine relativ billige Unterkunft anbietet, genau das was ich gesucht habe.

Wie es sich heraus stellt veranstaltet er auch Stadtrundfahrten, und so entschließe ich mich mit ihm auf Tour zu gehen. Den ganzen Tag verbringe ich damit die berühmten Bauwerke Jaipurs zu besichtigen, vom riesigen Stadtpalast in der Mitte der Altstadt über die berühmte "Pink City", ein Stadtteil deren sämtliche Häuser komplett in einem rosa Ton gestrichen sind, bis hin zum zweit-meist fotografierten Bauwerk Indiens, dem Hawa Mahal, oder Palast der Winde (Nummer eins ist wenig überraschend der Taj Mahal). Doch auch weiter außerhalb der Innenstadt gibt es viel zu entdecken, so machen wir uns auf den etwas weiteren Weg zum großen Fort von Amber. Es war die Herrschaftsresidenz der Maharajas zu Zeiten als es noch galt sich jederzeit gegen anrückende Feinde verteidigen können zu müssen, eine Voraussetzung die das schwer zugängliche und hoch gelegene Fort jederzeit erfüllt. Von dort oben hat man eine beeindruckende Aussicht über das Land, einzig in Richtung des Stadtzentrums Jaipurs sieht man kaum etwas - der Smog und die Abgase hängen wie eine bedrohliche Glocke über der überfüllten Großstadt.

Am nächsten Tag geht es weiter, und ich mache mich auf den Weg zum Tempel der Affen, ein hinduistisches Heiligtum an den Grenzen der Stadt. Es bildet einen extremen Kontrast zur überfüllten Stadt: Der Tempel liegt auf einem grünen Hügel, die Entfernung verschluckt den Lärm der Stadt, und man kann in Ruhe die Aussicht und das Vogelgezwitscher genießen. Die größte Besonderheit des Tempels ist jedoch, wie der Name bereits suggeriert, die vielen Affen die ihn bewohnen. Wohin man auch blickt, überall finden sich die intelligenten Primaten, spielen, kämpfen und stehlen den Obsthändlern die Früchte. Es ist sehr amüsant ihnen dabei zuzusehen, doch so spielerisch sie auch aussehen mögen, es ist gleichzeitig auch Vorsicht geboten: schon oft kam es vor dass Besucher von Affen attackiert wurden, man sollte sie also nicht unbedingt reizen.

Nach fünf Tagen in der großen Stadt habe ich genug gesehen, und es wird Zeit weiter zu ziehen. So verbringe ich eine weitere Nacht in einem der täglich fahrenden Züge, und erreiche bald das endgültige Ziel meiner Reise nach Rajasthan, die Wüstenstadt Jaisalmer.
Schon im Zug wird ersichtlich wie sich das Terrain verändert, als nach und nach alles im Abteil mit einer feinen Schicht warmen Sandes bedeckt wird.
Die Stadt selbst ist sehr schön, die Gebäude sind sehr kunstvoll und auch die Menschen hier sind sehr nett.

Doch für mich wie für viele andere Reisende liegt der Hauptreiz Jaisalmers in einem seiner Angebote das es sonst so nur an wenigen Orten gibt: Die Kamel-Safaris. Je nach Zeit und Budget kann man vieles erleben - von einem berittenem Spaziergang um die Stadt bis hin zu mehrwöchigen Expeditionen in die Tiefen der Thar Wüste.

Begeistert von der Idee in der menschenleeren Wüste unter den Sternen zu schlafen, kratze ich meine letzten Rupien zusammen und buche nach langem Verhandeln eine Tour in die Wüste für zwei Wochen. Es gibt viel zu sehen unterwegs, von verlassenen Städten über Wüstentempel bis hin zum Sonnenuntergang über den Sanddünen.

Ich kann es kaum erwarten, und bin gespannt was ich in zwei Wochen neues zu berichten weiß.

28.07.2011 14:05Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
Philipp
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RE: Philipp unterrichtet Deutsch in Indien


Nach zwei Monaten anstrengender und spannender Arbeit ist es nun geschafft, meine Zeit als Freiwilliger Lehrer ist vorüber und es geht auf in die scheinbar unendliche Vielfalt Indiens.
Nach langem Überlegen komme ich zu dem Schluss dass ich vorerst genug Berge gesehen habe, und dass mich eine Gegend Indiens besonders reizen würde: Die Wüste Thar, im Westen Rajasthans. Nichts könnte einen extremeren Kontrast zu den grünen Bergwäldern und dem Schneebedeckten Hochgebirge bilden, an die ich mich in den vergangenen Monaten so gewöhnt hatte.


So mache ich mich auf, um nach sechs Stunden Busfahrt in Amritsar anzukommen, der berühmten Stadt im Bundesstaat Punjab - denn von Dharamsala aus gibt es keinerlei Zugverbindung.


Ganz nach dem Motto "Wenn ich schon einmal hier bin" buche ich mein Zugticket gen Süden erst für einige Tage später, sodass ich nun Zeit habe Amritsar zu erkunden.
Als erstes gibt es natürlich das berühmteste Bauwerk der Stadt zu bestaunen: den Goldenen Tempel. Umgeben von einem kleinem See findet sich das anmutige Bauwerk, umgeben von Scharen an Pilgern und Gläubigen. Der Name des Tempels ist nicht umsonst - in der prallen Sonne glitzert und funkelt der über und über vergoldete Prachtbau, ein beeindruckendes Schauspiel.


Das im Original als Hari Mandir bekannte Gebetshaus gehört zu der in Punjab vorherrschenden Religion - dem Sikhismus. Sikhs bilden etwa ein Prozent der indischen Gesamtbevölkerung, und sind äußerst gastfreundlich und offen. Dies zeigt sich besonders in ihrem wichtigsten Heiligtum, dem Goldenen Tempel. Rund um die Uhr gibt es dort kostenlose Speisungen für jedermann, egal ob arm oder reich, ortsansässig oder Tourist, Sikh oder Atheist. Das gleiche gilt für Unterkunft - wer will kann bis zu drei Nächte am Stück kostenfrei dort bleiben.


Der gesamte Tempel-Komplex ist umgeben von kleinen Parkstreifen, die angenehme Rückzugsorte von dem lauten und oft stressigen Alltag der indischen Straßen bieten. Besonders dort verbringe ich viel Zeit, lese Bücher und schreibe Briefe, eine kleine Oase inmitten dem Chaos.


In meiner bisherigen Zeit in Indien hatte ich nie wirklich Kontakt mit größeren Städten, so verwundert es also nicht dass ich nun ganze Tage damit verbringe durch die scheinbar unendlichen Straßen der Großstadt zu schlendern. Es ist aufregend einfach los zu gehen, ohne Ziel und ohne Plan, um zu entdecken und zu erforschen. Egal ob ich mich an einem kleinem Straßenstand beim Mittagessen mit dem Standbesitzer unterhalte, oder kleinen Kindern beim Spielen zusehe - es wird nie langweilig.


Hinter jeder Ecke wartet ein neues Leben.

24.07.2011 14:46Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
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ERSTE FOTOS AUS INDIEN


Es gibt erste Fotos aus Indien: Gleich durchklicken - hier geht's zur Galerie!

04.07.2011 15:57Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
Philipp
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Begegnung mit dem Dalai Lama


Wieder gibt es etwas aufregendes zu berichten: Eine Begegnung mit Seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama persönlich! Doch Eines nach dem Anderen.
Alles beginnt als ich nach dem Unterricht auf dem Weg nach Hause an einem der tibetischen Regierungs-Büros vorbei komme, und erfahre dass es bald eine öffentliche Audienz geben wird. Sofort bin ich begeistert von der Idee dem buddhistischen Unterricht des Dalai Lamas beizuwohnen, und versuche mich anzumelden. Doch dies ist leichter gesagt als getan: Zuerst muss ich Passfotos für den Zugangsausweis organisieren. Es dauert eine Weile bis ich in McLeod Ganj ein Foto-Atelier aufgetrieben habe, doch endlich bin ich wieder zurück im Büro und fülle die Anmeldung aus.
Ich bin ein wenig unangenehm überrascht wie viele persönliche Daten angegeben werden müssen, doch daran führt wohl kein Weg vorbei. Als ich in der langen Schlange endlich an der Reihe bin, überfliegt der Beamte kurz meine Daten, und ich erhalte ein kleines Umhängeschild das mir den Eintritt zum Tempel sichert.

Mittwoch morgen ist es endlich soweit, und ich mache mich früh auf den Weg zum Tempel. Es erwartet mich eine lange Schlange vor dem Tempel, und mir bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Und zu warten. Nach circa einer Stunde bin ich an den Kontrollen angelangt, und werde von Sicherheitskräften von oben bis unten durchsucht. Jede einzelne Tasche muss ausgeleert werden, da wundert mich die lange Wartezeit nicht mehr im geringsten.
Oben im Tempelkomplex stoße ich auf das nächste Problem: einen Platz finden. Überall stehen und sitzen Gläubige und Touristen, kaum ein Quadratmeter ist noch frei. Zufällig stoße ich auf eine Freundin, die mir glücklicherweise einen Platz organisieren kann.

Es wird sehr andächtig als der Dalai Lama erscheint, einige Tibeter legen sich in Ehrfurcht zu Boden und erbitten so den Segen Seiner Heiligkeit. Nur die schwer bewachten Sicherheitsleute und Leibwächter stören etwas das spirituelle Bild.
Als die Unterweisung beginnt, stellt sich schnell heraus dass es wohl ein kleines Kommunikationsproblem gibt: Da Dalai Lama tibetisch redet bin ich auf den Englisch-Überstzer angewiesen, der sich schnell als etwas problematisch heraus stellt. Er spricht undeutlich und scheint sich oft selbst nicht sicher zu sein, es ist sehr schwer ihm zu folgen. So bekomme ich leider nicht besonders viel Inhalt mit, und bin am Ende genauso schlau wie vorher.

Doch was zählt ist das Erlebnis: Seine Heiligkeit live und im Herzen der tibetischen Exil-Gemeinde zu erleben war es auf jeden Fall wert.

02.07.2011 07:39Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
Philipp
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Ab in die Berge


Die Zeit verfliegt, der Unterricht läuft ganz gut, und wie immer wenn man einen festen Tagesplan hat: Es kehrt Alltag ein. Doch was tun um der ganzen Sache wieder etwas Schwung zu verleihen? Alltag kann man schließlich auch zu Hause haben, wofür ist man denn da in Indien?
Mit einer weiteren abenteuerlustigen Freundin beschließe ich es endlich zu wagen: Das Himalaja ruft.
Unser Plan besteht aus einem Tag Aufstieg in die Berge, einer Übernachtung im Zelt oder was sich sonst anbietet, und dem Abstieg am darauf folgenden Tag. Leider sind wir durch meinen Tagesplan auf zwei Tage, sprich das Wochenende beschränkt, doch es ist auf jeden Fall besser als nichts.

Die ganze Woche über kann ich an nichts anderes denken, und Samstag morgen ist es endlich so weit: Wir marschieren los. Unglücklicherweise haben wir bereits den ersten Fehler gemacht - da wir erst gegen acht Uhr gestartet sind, quälen wir uns genau dann die Steilhänge hinauf als die pralle Mittagshitze uns beinahe zum Umkehren zwingt.
Doch zum Glück haben wir nach einer Stunde den schlimmsten Teil hinter uns gelassen, die letzten Häuser verschwinden, und es geht in die tiefen Bergwälder. Alles wirkt fast schon wie ein Dschungel, ein Effekt der noch verstärkt wird durch den dichten Nebel der die Sichtweite deutlich einschränkt.
Der Nebeneffekt davon ist leider dass die Aussicht nach wenigen Metern endet, aus den geplanten spektakulären Fotos scheint erst einmal nichts zu werden.

Nach großen Anstrengungen schaffen wir es am späten Nachmittag endlich nach oben, und erreichen erschöpft das Basislager unseres Trips. Schnell noch das Zelt aufgebaut, ein paar Nudeln auf dem Camping-Kocher zubereitet, und wir fallen totmüde in die Schlafsäcke. Geschafft, aber glücklich.

Doch aus nächtlicher Ruhe wird leider nicht viel, ein großer Sturm fegt über das Lager und macht, begleitet von Sturzregen und lautem Gewitter, schlafen unmöglich.

Dementsprechend müde verlassen wir Sonntag das Zelt, das Wetter hat sich beruhigt. Doch innerhalb von Sekunden sind wir hellwach, denn der Regen hat ein wahres Wunder vollbracht: All der Nebel war verschwunden und uns ergab sich ein beeindruckender Ausblick auf die gigantischen Berge und das weite Tal.

Nach einem kurzen Frühstück machen wir uns wieder auf den Weg, und erreichen nach zwei Stunden den höchsten Punkt unserer Tour: Die Schneegrenze. Es ist zugegebenermaßen ein seltsames Gefühl in der indischen Hitze Schneebälle zu formen. Die Gegend ist absolut hinreißend, wir befinden uns im absoluten Niemannsland. Ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht eine derartig absolute Stille vernommen.

Es dauert eine Weile bis wir uns losreißen können, doch da wir noch eine lange Tour vor uns haben, haben wir keine Wahl. Nach einem langen und ermüdenden Abstieg erreichen wir Sonntag Abend wieder Bhagsu - stolz und geschafft beglückwünschen wir uns zu unserer Tour.

Was für ein Wochenende.

22.06.2011 11:11Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
Philipp
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Erste Woche Unterricht vorüber


Nachdem der letzte Sonntag noch ein wenig entspannend war, ging es am Montag darauf sofort richtig los: Meine erste Unterrichtsstunde. Da ich keinerlei Erfahrung mit dem Lehrer-Dasein habe war es sehr ungewohnt vor einer erwartungsvollen Klasse zu stehen und die ganze Stunde lang zu referieren, daher ging ich den ersten Tag erst einmal etwas ruhiger an mit ein paar Spielen - vor allem Hangman und Stille Post mit deutschen Vokabeln kamen sehr gut an.

Als besonders interessant erwies sich mein Hindi-Unterricht, ich lernte all die 50 (!) Buchstaben des Alphabets kennen, sprach sie nach, und gab dann mein bestes sie auch zu schreiben, was oft gar nicht so einfach und nach einer Weile auch sehr anstrengend war. Nach zwei Stunden harter Arbeit erhielt ich noch eine Hausaufgabe und machte mich auf den Weg zum nächsten Termin.

Doch schnell zeigte sich dass ich mir wohl eine neue Beschäftigung suchen werden müsste: Meine tibetische Englisch Schülerin Kando hatte abgesagt, denn laut ihrer Tradition dürfen Nonnen nicht von Männern unterrichtet werden. Da frage ich mich nur warum ich überhaupt zu ihr vermittelt wurde, das sollten die örtlichen Organisationen eigentlich besser wissen.

Wie auch immer, somit hatte ich ein wenig mehr Freizeit in meinem Tagesplan, die ich in den folgenden Tagen gut für die Vorbereitung meiner Deutsch-Stunden brauchen konnte. Mit der Zeit gewöhnte ich mich langsam an meine Aufgabe, und mit jeden Mal viel es mir leichter die Klasse zu leiten. Ich habe auch das Gefühl dass sie ganz gut verstehen was ich ihnen vermittle, und es wird wirklich gut mitgearbeitet. Lediglich die Unterrichtsinhalte sind manchmal nicht ganz so leicht vorzubereiten, da ich keinerlei Lehrplan oder -materialien zur Verfügung habe, und mir somit jedes Mal selbst etwas neues überlegen muss - ich bin schon gespannt wie lange meine Ideen herhalten, und wann ich zum ersten mal im Internet Übungen besorgen muss.

Mittlerweile kennen mich schon viele der Leute hier, und auch die Straßenhändler stürzen sich nicht mehr sofort auf mich wie in den ersten Tagen, die meisten wissen und akzeptieren dass ich nichts kaufe und grüßen nur noch freundlich - was dazu führt dass man sich auch mal nett unterhalten und etwas über den Hintergrund dieser Menschen erfahren kann, was unmöglich ist wenn man ständig unterwegs ist und zu niemandem ein Verhältnis aufbauen kann.

Auch wenn das unterrichten an sich eigentlich eine ganz schöne und natürlich auch sinnvolle Beschäftigung ist, ist es bei Zeiten durchaus auch anstrengend, und deshalb bin ich froh dass jetzt erst einmal Wochenende ist - um zu entspannen und die Magie Indiens voll zu genießen.

28.05.2011 13:48Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
Philipp
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RE: Philip unterrichtet Englisch in Indien


Langsam geht es los: ich habe bereits die ersten Unterrichtsstunden abgehalten, der letzte Deutsch-Lehrer ist nun abgereist. Montag wird es also ernst, soweit man das so nennen kann. Um meinen Tagesplan ein wenig aufzufüllen habe ich mich zusätzlich bereit erklärt mit einer tibetisch-buddhistischen Nonne Englisch zu üben, es ist wirklich beeindruckend wie schnell sie lernt und wie sehr sie sich freut einen Lern-Partner gefunden zu haben. Jetzt treffen wir und jeden Werktag für zwei Stunden und üben Grammatik, Vokabeln und vor allem Aussprache, damit hat sie noch am meisten Probleme.
Um mich schon ein wenig für das Studium vorzubereiten habe ich mich zusätzlich vor einigen Tagen für einen Hindi-Kurs angemeldet, Montag geht es los und ich bin schon sehr gespannt. Meine Lehrerin unterrichtet nebenbei auch Yoga, ist wirklich sympathisch, und wird mir Konversation, Schreiben und Lesen beibringen - einen Monat lang für umgerechnet nicht einmal 100 Euro, mit dem Versprechen danach mit Muttersprachlern frei sprechen zu können.
Gestern machte ich mit einem Mönch dem ich auch Englisch- "Nachhilfe" gebe einen Ausflug nach Lower-Dharamsala - ein ganz schönes Erlebnis. Alleine die Busfahrt dorthin war die reinste Achterbahn, in einem Bus der nach westlichem Verständnis in jeder Sekunde zusammenbrechen könnte ging es um Haarnadel-Kurven den Berg hinab - Das ist Indien.
Angekommen hatten wir den schönsten Blick auf das Himalaja-Gebirge den man sich vorstellen kann, so eine Aussicht ist schlicht und ergreifend unbeschreiblich.
Nach einem Stadtspaziergang in brütender Hitze ging es wieder zurück nach McLeod Ganj, wo wir uns wieder voneinander verabschiedeten - Jampa der Mönch ging zurück zu seiner Wohnung und ich traf mich mit meinen Mitbewohnern vor unserer Bleibe. So verbrachten wir den Abend zusammen, hörten Pink Floyd, und genossen die nächtliche Wärme und den wunderschönen Ausblick aufs Tal - so dass es fast schon hell wurde bevor wir auf unsere Zimmer gingen.
Indien ist einfach ein fantastisches Land.



Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal am 18.05.2012 13:36.
19.05.2011 08:22Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
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RE: Philip unterrichtet Englisch in Indien


Ich kann es gar nicht fassen wie viel in den wenigen Tagen die ich nun hier bin passiert ist.
Montag morgen bezahlte ich noch schnell meine teure Hotelrechnung und war dann auch schon auf dem Weg nach Bagshu um meine neue Unterkunft zu beziehen. Da ich verhältnismäßig spät aufgestanden war musste ich mitten in der Mittagshitze wandern, wodurch mir der Weg um einiges länger erschien. Endlich angekommen legte ich all mein Gepäck ab und machte mich auf die Stadt zu erkunden. Es gibt hier so unglaublich viel zu entdecken, so viele verschiedene Menschen, Kulturen, Religionen und Ansichten, aber auch die natürliche Umgebung ist mehr als beeindruckend: Blickt man nach Süden so erstreckt sich das Land flach bis zum Horizont, im Norden dagegen steigt das Gebirge steil an und endet im schneebedeckten Himalaja.
In den folgenden Tagen erfuhr ich dass die Organisation bei der ich ursprünglich arbeiten wollte keine Stelle mehr frei hatte, und so machte ich mich auf die Suche wie ich mich sonst nützlich machen könnte. Doch schon bald war das Problem gelöst: Eine Schule für tibetische Flüchtlinge die ich zufällig bei meinen Erkundungsgängen entdeckte suchte verzweifelt Deutschlehrer, somit war meine neue Tätigkeit klar: Ab nächster Woche werde ich Deutsch unterrichten.
Hoch erfreut darüber helfen zu können verbrachte ich die restliche Zeit des Tages mit zahlreichen neuen Bekanntschaften: von hinduistischen Heiligen Männern, den Sadhus, über Straßenmusiker, bis hin zu Pilgern aus aller Welt – ich habe wohl in meinem ganzen Leben noch nie so viele Menschen an einem einzigen Tag kennen gelernt.
Diese Offenheit ist es was Indien für mich so reizend macht. Mit ein wenig Überwindung muss man keine Stunde alleine sein, es gibt immer neue nette Leute kennen zu lernen und viel zu erleben.
Ich bin schon sehr gespannt wie meine Klasse sein wird, in der ich ab Montag mein bestes geben werde.

19.05.2011 08:19Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
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