Philipp Geschlecht: Anmeldedatum: 12.05.2011 Beiträge: 11 Herkunft: Deggendorf | Abenteuer Wüste
Ehe ich mich versehe sitze ich im Jeep in Richtung Wüste, und es geht über eine sand-bedeckte Straße zum Ausgangsort meiner Kamel-Safari, um die 70 Kilometer außerhalb der Wüstenstadt Jaisalmer. Ich bin schon etwas aufgeregt, und als ich endlich auf einem der beeindruckend großen Tiere sitze kann ich es kaum erwarten los zu ziehen.
Das Reiten selbst macht Spaß, ist jedoch äußerst ungewohnt. Der eigensinnige Bewegungsrhythmus der Kamele lässt mich unaufhörlich vor und zurück wippen, was anfangs zwar ganz amüsant ist, bald jedoch einen ganz schönen Muskelkater in den Oberschenkeln mit sich bringt. Dafür wird man durch die Aussicht mehr als entschädigt: Soweit das Auge reicht keine Menschenseele, bis zum Horizont erstreckt sich die braune Halbwüste, übersät von kleinen vertrockneten Sträuchern, dornigen Büschen, und ab und zu einigen wenigen Bäumen. Es ist kein Laut zu hören, das absolute Gegenteil der nie ruhenden indischen Städte an die ich mich bisher so gewöhnt hatte - eine willkommene Abwechslung.
Die Tagesroutine beginnt morgens mit einem kurzen Frühstück, worauf hin einige Stunden geritten wird. Mittags gibt es eine längere Pause bei indischen Essen am Lagerfeuer, um der unerträglichen Hitze die sich um diese Zeit bildet zu entkommen. Es ist eine sehr gute Gelegenheit zu lesen oder auszuruhen, denn es gibt weit und breit nichts was dabei stören könnte. Nach einigen weiteren Stunden des Reitens am Nachmittag wird schließlich nach einem geeigneten Übernachtungsplatz gesucht, an dem man möglichst fern von Kobras und anderen giftigen Wüstentieren das Lager aufschlägt.
Die beiden Höhepunkte des Tages sind der feuerrote Sonnenuntergang am fernen Horizont, und der klare Sternenhimmel in den späten Stunden der Nacht. Da es hier kaum Ansiedlungen, geschweige denn Städte gibt, ist kein künstliches Licht zu sehen, und nichts beeinträchtigt die Sicht auf die zahlreichen funkelnden Himmelskörper. Schade dass ich keine Sternbilder außer dem großen Wagen kenne, diesen erkenne ich dafür aber umso deutlicher. Es wäre das absolute Paradies für jeden Hobby-Astronomen.
Auch verschiedene kleinere Dörfer der Wüstenvölker besuchen wir auf unserer Tour, meine Kamelführer stellen mich vielen ortsansässigen Menschen vor und ich lerne einiges über ihre Lebensart und Kultur kennen. Jedes mal wenn ich an einem neuen Ort ankomme bin ich bald von unzähligen Kindern umringt, die mich teils neugierig, teils misstrauisch begutachten. Oft ist das erste was sie mich fragen ob ich ihnen etwas mitgebracht habe, am häufigsten wird nach Stiften und Rupien gefragt. Die Armut der Bevölkerung ist hier kaum zu übersehen - Schulen gibt es kaum, Lehrer noch weniger, und der Großteil der Kinder muss in der Wüstensonne schuften um die große Familie mit zu ernähren.
So geht Tag um Tag vorbei, und ich gewöhne mich immer mehr an das einfache Leben mitten im Nirgendwo. Es gibt keinerlei Luxus, alles ist auf das nötigste reduziert, und mir wird deutlich vor Augen geführt wie hart ein solches Leben sein kann.
Die schönsten Erlebnisse sind für mich die vielen verschiedenen Tiere die ich zu Gesicht bekomme: von Antilopen über Greifvögel, bis hin zu Pfauen und großen Echsen - wenn man nur genau genug hin sieht so scheint es, füllt sich die Wüste mit Leben. All das in freier Wildbahn und fernab jeglichen menschlichen Einflusses bestaunen zu können ist eine unvergessliche Erinnerung.
Als meine Tour schließlich zu Ende geht, bin ich sowohl traurig als auch erleichtert. Auf der einen Seite gab es viel Aufregendes zu sehen und zu erleben, doch auf der anderen Seite ist es auch schön sich endlich wieder duschen zu können, und nicht jeden morgen mit Sand zwischen den Zähnen auf zu wachen.
So hat alles seine guten und schlechten Seiten, doch es war auf jeden Fall ein bemerkenswertes Abenteuer das man so schnell nicht vergisst. |