MaxfromtheWeinberg Geschlecht: Anmeldedatum: 22.08.2010 Beiträge: 7 Herkunft: Dingolfing | Ich buddel meine Zisterne - Wasser auf dem Weinberg
Es ist Mitte September. Langsam werden die Tage kürzer. Die Sonne setzt uns und den Pflanzen nicht mehr ganz so stark zu. Bald beginnt die Regenzeit.
Seit vier Wochen graben wir an unserer Zisterne. Es ist die Elfte, die seit dem Beginn des Tent of Nations Projektes gegraben wird. Jede Zisterne bedeutet für den Weinberg ein Stück mehr Autarkie: man wird unabhängiger vom Wetter, freier in den Prdoduktionsmöglichkeiten und vor allem kann man nun die vorhandene Ackerfläche effektiver nutzen. Es bedeutet, dass man nun mehr Wasser für Tiere übrig hat und letztendlich auch mehr Wasser für den täglichen Gebrauch zur Verfügung stellen kann.
Das Thema Wasser ist nicht nur auf dem Weinberg präsent. Die ganze Westbank leidet unter Wassermangel. Auf den Dächern des kleinen Dorfes Nahalin zu füßen des Hügels findet man zu Hauf kleine Wasserbehälter, die Regenwasser und Restwasser beinhalten. Durch solarzellenähnliche Schlauchmodule wird das Wasser durch die Sonne erhitzt, sodass man wenigstens um die Mittagszeit warmes Wasser benutzen kann. Zwei Kilometer weiter, in der jüdischen Siedlung Beitar Illit, leben dreißigtausend Menschen, vorwiegend orthodoxe Juden. Diese haben, obwohl sie größtenteils Sozialhilfeempfänger sind, Zugang zu fließendem Wasser. Hie und da kann man sogar Pools auf den Flachdächern der Israelis entdecken.
Dazu folgende Zahlen:
"Im Westjordanland befinden sich wichtige Grundwasservorkommen, die direkt genutzt werden. Laut Schätzungen der Weltbank werden 90% dieses Grundwassers für die Bewässerung der israelischen Anbaugebiete genutzt; für die palästinensischen Gebiete bleiben nur 10%."
"Der Jordan liegt zwischen Israel und den Golan-Höhen im Norden (weshalb Israel, um nicht Syrien den Schlüssel zu dieser Wasserquelle in die Hand zu geben, die Golan-Höhen ungern zurückgäbe), dann zwischen Israel und Jordanien, dann zwischen der West-Bank und Jordanien. Alle Anrainer bedienen sich an diesem Wasser: Israel mit 46,47 %, Syrien mit 25,24 %, Jordanien mit 23,24 % und Palästina mit 5,05 %. Diese Zahlen wurden auf der vor kurzem in Amman stattfindenden "Bringing the Jordan River Back to Life: Strategies for Rehabilitation Conference" bekannt."
Interessanter als die Zahlen selbst, denn wer traut schon Statistiken, ist aber das Verhältnis von Israelis und Palästinensern zum Wasser: Palästina ist im Besitz großer Wasservorräte, kann diese aber wegen geschickter Kontrolle Israels nicht ausnutzen. Es ist fraglich, einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten installieren zu können, solange eine gerechte Verteilung der Wasservorkommen nicht geregelt ist.
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