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Max macht Zivi in Israel

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MaxfromtheWeinberg
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Anfängerfehler


So, dieser kurze Eintrag soll einen schlimmen Fehler meinerseits ausbügeln, der mir im Artikel „Von wegen Baustopp…“ unterlaufen ist. Irrtümlicherweise habe ich allgemein orthodoxe Juden in die Siedlungen verfrachtet, da sie angeblich den Traum von Groß-Israel leben wollen. Im Gegenteil, Teile orthodoxer und ultraorthodoxer Juden wollen nicht in Siedlungen leben, da sie der Meinung sind, dass nur der Messias einen Staat Israel errichten kann. Aus demselben Grund gehen manche dieser Gruppierungen auch nicht zu Wahlen. Die Siedler dagegen sind Zionisten, Anhänger eines Staates Israel der (mindestens) vom Jordan zum Meer reicht. (Ultra-) Orthodoxe und Siedler kann man also nicht alle über einen Kamm scheren . Man darf nicht meinen Fehler machen, Orthodoxe und Ultraorthodoxe mit der politischen Rechten des Landes gleichzusetzen.

16.10.2010 11:34Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
MaxfromtheWeinberg
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Von wegen Baustopp...


Seit dem 26. September 2010 wird im Westjordanland wieder gebaut. Um Punkt 00.00 Uhr Ortszeit setzten die Bauunternehmen ihre Anstrengungen, die Siedlungen weiter wachsen zu lassen, fort. Es war dabei nicht die Fortsetzung ihres Werks von vor zehn Monaten, als das Moratorium in Kraft trat, sondern lediglich eine Vergrößerung und Verstärkung der Bautätigkeit, die während der scheinbaren Auszeit, zwar langsamer, aber doch voran ging.

Wie kommt es also, dass trotz des Baustopps weiter gebaut werden durfte? Im Wesentlichen gibt es dafür zwei Gründe. Erstens: An bereits begonnenen Projekten durfte weiterhin gebaut werden, d.h. der wenn der Grundstein für ein Projekt gelegt war, konnte es legal fertiggestellt werden. Zweitens: Das sogenannte "natürliche Wachstum" von Siedlungen war vom Moratorium ausgenommen. Natürliches Wachstum heißt, dass darin der Wohnungsbedarf für künftige Generationen gedeckt werden soll sowie dementsprechende infrastrukturelle Maßnahmen. Man kann sich ausmalen wie dehnbar dieser Begriff also in Wirklichkeit ist.

Für orthodoxe Juden, die aufgrund ihres Glaubens (Traum von Groß-Israel) in der Westbank Siedeln, hat es den Vorteil, dass die (Groß-)Familie in der selben Region siedeln kann. Natürliches Wachstum verhindert also hier das zerreißen von Familien, was im kleinen Israel ein sehr schwaches Argument für das n. W. ist. Die von der Regierung geschaffenen finanziellen Anreize, also Mietzuschüsse und Steuererleichtungen für das Siedeln im Westjordanland zieht dann auch Paare und junge Familien mit säkularem Hintergrund in die Westbank. Wenn man darauf ebenso das Argument der Familienzerreißung anwendet, kann auch diese Art von Zuzug durch das n. W. abgedeckt werden. Die Quintessenz daraus ist also: Den Baustopp gab es niemals. Die Besiedelung der Westbank verlangsamte sich lediglich etwas, ansonsten blieb alles beim Alten. Die Siedler nahmen ihn allerdings zum Anlass, nach seinem Ablauf um so schneller und effektiver zu bauen, denn sie wissen nicht, ob nicht womöglich bald ein richtiger Stopp in Kraft treten wird, womöglich im Zuge der Friedensverhandlungen, womöglich nach den nächsten Wahlen.


Konsequenzen für den Weinberg

Die Siedlungen Rush Zurim und Neve Daniel arbeiten sich weiter und weiter ihre Hügel hinab, durch das Land der Dorfbewohner aus Nahalin und Husan. Bald wird eine Straße Rush Zurim und Neve Daniel vernbinden, welche vermutlich Nahalin weiter einschnüren wird. In ferner Zukunft werden wohl auch am Fuße des Weinbergs Israelis ihre Zelte aufschlagen. Wann sie ihn hinaufkommen ist vermutlich nur eine Frage der Zeit. Die Palästinenser werden längst nicht mehr vertrieben wie noch vor sechzig Jahren. Ihnen wird die Luft zum atmen genommen.

http://picasaweb.google.de/lh/photo/s4LB3hwSZlsQsxSf5h7mAg?feat=directlink

12.10.2010 18:57Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
MaxfromtheWeinberg
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Ich buddel meine Zisterne - Wasser auf dem Weinberg



Es ist Mitte September. Langsam werden die Tage kürzer. Die Sonne setzt uns und den Pflanzen nicht mehr ganz so stark zu. Bald beginnt die Regenzeit.

Seit vier Wochen graben wir an unserer Zisterne. Es ist die Elfte, die seit dem Beginn des Tent of Nations Projektes gegraben wird. Jede Zisterne bedeutet für den Weinberg ein Stück mehr Autarkie: man wird unabhängiger vom Wetter, freier in den Prdoduktionsmöglichkeiten und vor allem kann man nun die vorhandene Ackerfläche effektiver nutzen. Es bedeutet, dass man nun mehr Wasser für Tiere übrig hat und letztendlich auch mehr Wasser für den täglichen Gebrauch zur Verfügung stellen kann.



Das Thema Wasser ist nicht nur auf dem Weinberg präsent. Die ganze Westbank leidet unter Wassermangel. Auf den Dächern des kleinen Dorfes Nahalin zu füßen des Hügels findet man zu Hauf kleine Wasserbehälter, die Regenwasser und Restwasser beinhalten. Durch solarzellenähnliche Schlauchmodule wird das Wasser durch die Sonne erhitzt, sodass man wenigstens um die Mittagszeit warmes Wasser benutzen kann. Zwei Kilometer weiter, in der jüdischen Siedlung Beitar Illit, leben dreißigtausend Menschen, vorwiegend orthodoxe Juden. Diese haben, obwohl sie größtenteils Sozialhilfeempfänger sind, Zugang zu fließendem Wasser. Hie und da kann man sogar Pools auf den Flachdächern der Israelis entdecken.

Dazu folgende Zahlen:

"Im Westjordanland befinden sich wichtige Grundwasservorkommen, die direkt genutzt werden. Laut Schätzungen der Weltbank werden 90% dieses Grundwassers für die Bewässerung der israelischen Anbaugebiete genutzt; für die palästinensischen Gebiete bleiben nur 10%."

"Der Jordan liegt zwischen Israel und den Golan-Höhen im Norden (weshalb Israel, um nicht Syrien den Schlüssel zu dieser Wasserquelle in die Hand zu geben, die Golan-Höhen ungern zurückgäbe), dann zwischen Israel und Jordanien, dann zwischen der West-Bank und Jordanien. Alle Anrainer bedienen sich an diesem Wasser: Israel mit 46,47 %, Syrien mit 25,24 %, Jordanien mit 23,24 % und Palästina mit 5,05 %. Diese Zahlen wurden auf der vor kurzem in Amman stattfindenden "Bringing the Jordan River Back to Life: Strategies for Rehabilitation Conference" bekannt."

Interessanter als die Zahlen selbst, denn wer traut schon Statistiken, ist aber das Verhältnis von Israelis und Palästinensern zum Wasser: Palästina ist im Besitz großer Wasservorräte, kann diese aber wegen geschickter Kontrolle Israels nicht ausnutzen. Es ist fraglich, einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten installieren zu können, solange eine gerechte Verteilung der Wasservorkommen nicht geregelt ist.

28.09.2010 13:33Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
MaxfromtheWeinberg
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Interessante Links


http://de.wikipedia.org/wiki/Daoud_Nassar

http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-09/zakaria-zubeidi-dschenin?page=1

http://www.youtube.com/watch?v=T2jCOwyYRDI

http://www.youtube.com/watch?v=aUc9OzQ_asQ

http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/jerusalem-or-gaza-where-is-it-worse-to-be-palestinian-1.313485



Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal am 21.05.2012 19:22.
09.09.2010 13:42Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
MaxfromtheWeinberg
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Hebron


Hebron ist vor allem wegen zwei Dingen berühmt: erstens wegen den gewaltigen Kämpfen während der zweiten Intifada und zweitens wegen der Grabstätten von Abraham, Isaak und Jakob. Letztere befinden sich in einer Moschee, deren Hälfte zu einer Synagoge umgewandelt wurde. In der Mitte steht das Grab Abrahams, das von der Moschee aus, wie von der Synagoge durch ein Gitter betrachtet werden kann. Sie funktioniert also doch, die Teilung der heiligen Stätten. (Christen haben in beiden Anbetungsstätten zutritt, ausgenommen im Monat Ramadan, wo die Moschee für Nicht-Muslime geschlossen ist.)

Schlendert man, abseits des Patriarchengrabes, durch den Basar, auf dem sich aufdrängliche Händler, fantastische arabische Süßigkeiten, Open-Air-Schlachtereien und viel seltsam anmutendes Essen gegenseitig die Schau stehlen zu suchen, findet man plötzlich jenes Kuriosum, durch das Hebron einen Großteil seiner (zweifelhaften) Berühmtheit erlangt hat. Über dem engen Gässchen des Basars befinden sich eiserne Gitter, zugeschüttet mit Müll, Dreck und Steinen. Der Unrat kommt aus den oberen Stockwerken des Marktes. Diese wurden in der zweiten Intifada von israelischen Siedlern besetzt. Geschützt von 2000 Soldaten werfen die etwa 500 Israelis ihren Müll (manchmal auch Molotow-Cocktails) auf die palästinensischen Mitbürger, bis man sich in der Regierung erbarmte, doch die schützenden Metallstäbe über dem Basar anzubringen. Diese schützen übrigens nicht vor Fäkalien, auch sowas wirft der radikale Hebron-Jude gern aus seinem Fenster. (Spart im übrigen auch Wasser, ist ja eh rar in der Westbank.)
Es ist aber ruhig, im kleinen Hebron. Fraglich bleibt, wie lang sich die jüdische Erststock-Parallelgesellschaft halten kann.

P.S.: Es gibt ein jüdisches Lied, das in Hebron zum Schlager werden zu scheint. Aus dem Hebräischen übersetzt heißt es:
"Hebron is for Jews, for Jews, for Jews and Jews and Jews only (...) first Hebron and then the whole land"

http://picasaweb.google.de/102561074211257304062/Hebron#

06.09.2010 19:39Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
MaxfromtheWeinberg
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RE: Max macht Zivi in Israel


http://picasaweb.google.de/lh/photo/NKEyy9RJwakHtKkLt8ECxA?feat=directlink

http://picasaweb.google.de/102561074211257304062/AbschiedUndErsterTagInIsrael#5510524874618716114

http://picasaweb.google.de/102561074211257304062/AbschiedUndErsterTagInIsrael#5510524986894502706

http://picasaweb.google.de/102561074211257304062/AbschiedUndErsterTagInIsrael#5510525099671638546

http://picasaweb.google.de/102561074211257304062/AbschiedUndErsterTagInIsrael#5510525234202070946

28.08.2010 20:18Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
MaxfromtheWeinberg
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RE: Max macht Zivi in Israel


Hallo ihr Europäer,

ich bin angekommen! Die ersten paar Tage waren recht aufregend, weil doch vieles neu und ungewohnt ist. Aber von vorn!

Ankunft

Die erste Auffälligkeit im israelischen Flughafen Ben Gurion waren Plakate, die schon an Porpaganda grenzten: "Welcome home" oder "We're all in the same boat" hießen offensichtlich jüdische Einwanderer/Heimkommende wollkommen.
Nach einem kurzen Abstecher im Paulushaus (von seiner Dachterrasse hat man einen großartigen Blick auf Jerusalem) starten wir dann mit spärlich Englisch sprechenden Taxifahrern gen dem Weinberg. Dort lernen Mitzivi Joshi und ich zunächst unseren kauzigen Chef Daher kennen, später seinen beeindruckenden Bruder Daoud Nassar, den Chef der Einrichtung. Er erklärt uns kurz die Situation des Weinbergs:
Es sei politisch gewollt, dass man den Palästinensern das Leben in ihrem Land so erschwere (es wird beispielsweise eine Mauer um jüd. Siedlungen ausgebaut, die den Palästinensern die Reise ins 9km entfernte Bethlehem auf eine bis vier Stunden verlängern kann), damit künftige arabische Generationen aus Palästina auswandern. (Aha, so löst man also das Demographieproblem!) Für den Weinberg, eine kleine Bastion politischen Widerstandes, bedeutet es letztendlich, dass er Autark werden muss, um einigermaßen unbeschwert leben zu können. Hier kommen die Zivis ins Spiel: Es wird unsere Aufgabe sein, so Daoud, den Anbau der verschiedenen Früchte (Trauben, Feigen, Pinien, Tomaten, Auberginen...) zu übernehmen und auch eine kleine Werkstatt einzurichten. Wir sind dabei aber nicht die einzigen: kurzzeitige Volontäre aus Deutschland und Amerika, bald aus der ganzen Welt unterstützen ihre Familie bei ihrer Arbeit.

Der erste Arbeitstag

Nun, unsere Höhle ist zwar nett, aber noch nicht ganz gemütlich. Die ersten Tage sollen wir sie einigermaßen wohnlich gestaltetn. Deswegen streichen wir sie gegen Schimmel mit Kalk an (auf Eigeninitiative, Daoud lässt uns bezüglich unserer Arbeit relativ viele Freiheiten). Das zieht sich allerdings hin, da wir mit den Unebenheiten, Löchern und Rissen in der Mauer ziemlich zu kämpfen haben. Deswegen ist die nächsten Tage wieder und wieder streichen angesagt.

28.08.2010 19:33Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
 
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Max macht Zivi in Israel


Mein Name ist Max Zinnbauer und ich komme aus einem Bauernhof bei Dingolfing. Heuer habe ich mein Abitur am Gymnasium Dingolfing gemacht und werde bald meinen Zivildienst als ADiA in Israel/Palästina antreten. Ich arbeite dort auf einem Weinberg, auf dem auch eine Begegnungsstätte installiert ist. Die ansässige Familie kämpft seit Jahrzehnten dafür, dass ihr Weinberg nicht einer Straße der Israelis weichen muss. Es ist darum die Aufgabe der Zivis, die (diskriminierenden) Einschränkungen der Behörden (z.B. keine Wasser/Stromversorung) zu umgehen und den Weinberg zu bewirtschaften. Wenn ich neben der Arbeit noch Zeit finde, spiele ich Fußball, koche (zum Leidwesen meiner Mitmenschen) oder lese ein gutes Buch.

05.07.2010 15:20Antworten | Zitat | Ändern | Hoch
 
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