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Artikel vom 23. Januar 2013 07:42, 380 mal gelesen

Landshut

Unterkünfte dürfen nicht zu teuer sein

211 Asylbewerber im Landkreis – Landrat will auf Mietverträge umstellen

Autor: Gabi Lössl
Der gute Geist der Asylbewerber, Monika Wagner, mit der irakischen Familie, die vor einigen Tagen aus dem Haus in Schatzhofen ausgezogen ist. (Foto: mü)

Der gute Geist der Asylbewerber, Monika Wagner, mit der irakischen Familie, die vor einigen Tagen aus dem Haus in Schatzhofen ausgezogen ist. (Foto: mü)

211 Asylbewerber aus 25 Nationen haben momentan im Landkreis eine Bleibe. Derzeit gibt es zwölf Unterkünfte in sieben Gemeinden - in Furth wurde die Beherbergung am Montag geschlossen. Je nach Größe der Unterkunft sind zwischen drei und 33 Menschen untergebracht. Landrat Josef Eppeneder legt großen Wert darauf, dass die Beherbergungsverträge mit den Vermietern auf Mietverträge umgestellt werden. Ein Zwang besteht allerdings nicht.

Wie Landrat Josef Eppeneder berichtet, sind die neuen Vertragsentwürfe mit der Regierung abgesprochen worden, Einwürfe von ihrer Seite habe es nicht gegeben. Er möchte die Umstellung auf Mietverträge noch in dieser Woche über die Bühne bringen. Nach seinem Kenntnisstand haben sich sechs Vermieter dazu bereiterklärt. Dass in Wörth, dort leben derzeit 25 Asylbewerber umgestellt wird - ist für den Landkreischef eine Selbstverständlichkeit. Die Familie Eppeneder möchte mit gutem Beispiel vorangehen. Der neue Mietpreis dürfte den Eigentümern etwas weniger als die Hälfte des Geldes, das sie bis dato bekommen, einbringen. Generell wolle der Landkreis keine langfristigen Mietverträge abschließen, gibt der Landrat zu verstehen.

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Die meisten Asylbewerber, 33, sind momentan in Altdorf untergebracht. Dort wurde zahlenmäßig enorm aufgestockt. Die Gemeinde habe mit der Sache wenig zu tun, da das Landratsamt zuständig ist. Federführend sei hier Johanna Babl-Weiß - sie ist laut geschäftsführendem Beamten Albrecht Alram seit vergangener Woche Sachgebietsleiterin für Staatsangehörigkeits- und Ausländerwesen. Lediglich die Gutscheine und das Tagegeld würden an der Gemeindekasse ausbezahlt, erläutert Bürgermeister Helmut Maier. Dazu komme die eine oder andere Vermittlungsaktivität. Maier spricht von Bedürfnissen der Asylbewerber wie zum Beispiel einen Internetanschluss.

Haus International ist eine große Hilfe

"Ich bin sehr unzufrieden, wie es bei uns läuft", sagt die Altdorfer Gemeinderätin und Seniorenbeauftragte Maria Schwarz. Vom Landratsamt komme recht wenig Unterstützung. Nach ihrer Überzeugung reicht es einfach nicht, dass Johanna Babl-Weiß einmal pro Woche für eine Stunde rauskommt. Doch auch in der Gemeinde sei die Bereitschaft zu helfen, kaum vorhanden. Gut findet Maria Schwarz, dass einige Asylbewerber bei "Hab und Gut" arbeiten können. Sie ist froh, dass das Haus International in Landshut als Ansprechpartner zur Verfügung steht.
In der Stadt Vilsbiburg gibt es drei Asylbewerberunterkünfte des Landkreises Landshut. Eine davon befindet sich an der Bergstraße. (Foto: bb)

In der Stadt Vilsbiburg gibt es drei Asylbewerberunterkünfte des Landkreises Landshut. Eine davon befindet sich an der Bergstraße. (Foto: bb)

Die Gemeinderätin spricht auch von Spannungen in der Unterkunft, was kaum zu vermeiden sei, wenn Christen und Muslims unter einem Dach leben. Die Asylbewerber seien traumatisiert von den Zuständen in ihren Ländern. Von daher sei es dringend notwendig, dass ihnen geholfen werde. Ein Dorn im Auge sind Schwarz die sanitären Anlagen. Sie seien schon bei 14 Asylbewerbern ein Problem gewesen. Sie möchte sich gar nicht vorstellen, wie diese jetzt bei der sehr viel höheren Belegung ausschauen.

Es hat nie Probleme mit Asylbewerbern gegeben

Am Montag sind im Gemeindebereich Furth die letzten Asylbewerber ausgezogen. Sie waren in Schatzhofen Nachbarn von Bürgermeister Dieter Gewies, der sie mit einem kleinen Geschenk verabschiedet hat. Die irakische Familie, die über Monate in dem Haus gewohnt hatte, hat er nicht mehr zu Gesicht bekommen. Sie ist vor einigen Tagen ausgezogen, da sie als Flüchtlingsfamilie anerkannt ist. Die Asylbewerber waren dem Gemeindechef richtig ans Herz gewachsen.

"Es hat nie Probleme gegeben", sagt der Bürgermeister. Er hat dafür eine Erklärung. Die Nachbarschaftshilfe war perfekt. Monika Wagner habe alles Erdenkliche für die Asylbeweber getan. Angefangen von Botendiensten und Deutschunterricht über Einkaufen bis hin zur Anmeldung der Kinder in Schule und Hort.

Die Unterbringung in Schatzhofen war von Anfang an eine Notlösung, da sie, von der Infrastruktur gesehen, sehr ungünstig gelegen ist. Es gibt keinen Laden und auch keine Busanbindung. Gewies findet es schade, dass die Asylbewerber gehen mussten und nun in Velden untergebracht sind. Auch für diesen Standort hat sich Monika Wagner darum gekümmert, dass die Kinder in den Hort beziehungsweise die Schule gehen können.

Wie der Pressesprecher des Landratsamtes, Elmar Stöttner, in Erfahrung gebracht hat, sind derzeit in Vilsbiburg 47 Asylbewerber, in Velden 34, in Neufahrn 23, in Ergoldsbach 25, in Rottenburg 20, in Wörth 25 sowie in Altdorf 33 unterbebracht. Hinzu kommen noch einige Unterkünfte, in denen momentan nur ein Asylbewerber eine Bleibe hat.

Die meisten Asylbewerber im Landkreis Landshut kommen laut Sarah Pancur, Pressesprecherin bei der Regierung von Niederbayern, aus Afghanistan, Irak, Iran, Demokratische Republik Kongo, Mazedonien, Nigeria, Pakistan, Russland, Senegal, Serbien, Syrien und der Ukraine.

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