Glücklichsein hat nichts mit dem Geldbeutel zu tun
Irmgard Hilmer war unterwegs in Ghana. (Für Abzüge wenden Sie sich bitte an die Fotografin unter ih.hilmer@t-online.de)
Von Irmgard Hilmer
"Wenn einer eine Reise macht, muss er zuerst Liebe zu Land und Leuten mitbringen; mindestens keine Voreingenommenheit. Er muss versuchen, das Gute zu finden, anstatt es durch kritische Vergleiche kaputt zu machen" hat Theodor Fontane (1819 - 1898) vor rund 170 Jahren gesagt - und es zählt heute noch, wenn ich an meine fast 3wöchige Missionsreise nach Ghana denke. Afrika ist nicht nur ein wenig ärmer, etwas heißer und ein bisschen anders. Nein, in Afrika ist ALLES anders, ganz anders. Bereits bei der Landung in Accra nach 23 Stunden unterwegs sein (Flug München-Dubai-Accra) wurde mir klar: Es ist viel heißer als vermutet, die Luft staubig, alles voll roter Erde-Sand-Staub und es riecht anders.
Irmgard Hilmer in Ghana. Teil 1
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Der stark süßliche Geruch erinnert mich an verbranntes Kartoffelkraut auf unseren Feldern. Die Straßen der 3,5 Millionen Großstadt sind voll Menschen und überwiegend Frauen sind unterwegs wie "mobile Kioske", die auf ihren Köpfen in Körben alles Mögliche transportieren und zwischen den Fahrzeugen verkaufen. Alle Busse sind überfüllt und auf den Lastwägen so viele Menschen, wie irgendwie Platz finden. Jedes dritte Auto ist ein Taxi, unter dem man sich keine Luxuskarosse einer Edelmarke vorstellen darf, sondern ein PKW, der im günstigsten Fall passabel fährt bis hin zur totalen Schrottbeule. Die Häuser sind meist eine große Ansammlung von windschiefen Hütten entlang der staubigen Straßen ohne Verkehrszeichen, auf denen sich Fußgänger, Fahrzeuge, Schafe und Hühner "gleichberechtigt" tummeln und am Straßenrand vom Kühlschrank übers Sofa, von der Kleidung bis zum Essen alles verkauft wird.
Irmgard Hilmer in Ghana. Teil 2
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Schon bei den ersten Mahlzeiten wird klar: Ghana hat eine ganz ausgefallene Küche. Sowohl im Geschmack als auch in der Vielfalt. Und wer hinter die Geheimnisse der ghanaischen Küche steigen will, muss unweigerlich die Pfeffergrenze überschreiten! Deftige Speisen mit Fisch, Hühnchen oder Ziege mit viel scharfer Soße werden gereicht, gemeinsam mit dem Nationalgericht "Fufu" aus gekochten Yamwurzeln und Plantan (Kochbananen), das in breiten Mörsern zu einer gummiartigen Masse gestampft wurde. Gegessen wird mit den Fingern: Dafür steht auf dem Tisch eine Schüssel mit Wasser und Spülmittel. "Unterwegs auf Ghanas Straßen" ist ein ganz besonderes Erlebnis, denn die überwiegenden Sandstraßen mit unzähligen Schlaglöchern ähneln wahrlich Buckelpisten. Schmunzelnd muss ich dabei an die jährlichen Schlagzeilen im Tagblatt über "der Jagdpachtschilling wird für den Wegebau verwendet" denken.
Irmgard Hilmer in Ghana. Teil 3
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Nach 500 Kilometer aufregender Fahrt erreichten wir die Missionsstation in Chamba, in der Diözese Yendi. Für Dekan Josef Renner aus Kollnburg war es spürbar und sichtbar ein "Heimkommen" in die 24.000 Einwohner-Stadt mit dörflichem Charakter. Er hat diese Station und damit auch das Wachstum von Chamba in den 70/80iger Jahren in mühevoller Handarbeit aufgebaut und seitdem mit unzähligen Spenden aus Deutschland finanziell unterstützt: Kirche und Kloster, Klinik und Entbindungsheim, Kindergarten und Schulen. Überall begegnet man "Sankt Josephs". Während der Anfangszeit von Dekan Renner besuchten beispielsweise fünfzig Kinder die Primary- und Secondary Scool, denn die Eltern schickten die Kinder lieber auf die Felder zum Arbeiten. Heute sind es 1200 Schüler und Schülerinnen, die wahrlich "hungrig nach Bildung sind".
Irmgard Hilmer in Ghana. Teil 4
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Die Schule gehört zu den bestbesuchtesten Schulen im Umkreis. Ganz neu im Aufbau ist das Oberstufengymnasium, die "Holy Spirit Senior Secondary School", die derzeit 250 Jugendliche aus der gesamten Region besuchen. Drei Blöcke mit jeweils drei Klassenzimmern sind hier frisch gebaut, dazu je ein Internat für Mädchen und Buben. Sie benötigen am Tag 50 Cent (15,-- Euro im Monat) um sich die Schulausbildung leisten zu können und sind zum Großteil auf Patenschaften aus Deutschland angewiesen. Im Bau sind ganz wichtig die sechs Lehrerwohnungen, denn nur durch adäquate Wohnungen sind qualifizierte Lehrer bereit, im Busch, im Dorf zu unterrichten.
Irmgard Hilmer in Ghana. Teil 5
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Bereits im Bau ist auch ein großer Speisesaal mit Küche für die geplanten 700 Schüler. Und als aktuellstes Projekt ist der Bau einer neuen Kirche für die Schule und die umliegenden Dörfer mit Platz für 500 Personen geplant. All diese Bauten müssen durch großzügige Spenden von Wohltätern und Missio gesichert werden. Und ich muss zugeben, dass es für mich als Bürgerin von Atting sehr berührend war zu sehen, wieviel Gutes und Sinnvolles hier mit einer Erbschaft aus meinem Heimatort geschehen ist und noch geschieht: Eine alleinstehende Frau hat den Erlös ihres landwirtschaftliches Anwesens/der Felder (das derzeitige neue Baugebiet Kirchfeld V in Atting) zweckgebunden an Missio vererbt.
Irmgard Hilmer in Ghana. Teil 6
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Bereits zu Lebzeiten hatte Ottilie Hirtreiter, die selbst ein sehr einfaches Leben führte, die Missionsarbeit großzügig unterstützt und unter vielem anderem eine Kirche bauen lassen. Und hier werden die Gottesdienste wirklich gefeiert: mit Singen, Tanz und Trommeln. Sehr lebendig und lang, aber kurzweilig und einem emotional bewegendem "gemeinsam Gott die Ehre geben". Wie anerkannt und wertvoll für die einheimische Dorfbevölkerung das Engagement von Dekan Josef Renner ist, wurde mit einem großen Fest deutlich, bei dem er "THE DEVELOPMENT CHIEF OF CHAMBA" wurde, quasi der Regent der Stadt.
Irmgard Hilmer in Ghana. Teil 7
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Das bewegende Fest mit mehreren tausend Mitwirkenden, vereinte die ansonsten häufig zerstrittenen verschiedenen Stämme und Häuptlinge der Konkomba, der Dagomba und Nanumba, alle politischen Gruppierungen und sämtliche Religionen. Schülerinnen zeigten Plakate mit "Josef Renner ist unser Vorbild" und verschiedene Gruppen führten Tänze auf. Die Attribute der Ehrung waren der Smock, die typische ghanaische Kleidung aus handgewebtem Stoff, die Mütze - die ein bisschen zu klein geraten war - und die Colanüsse, auf denen die Häuptlinge gerne kauen. Als "Member of Parlament", Mitglied des Parlamentes, sprach Dominic Nitiwul, der extra einige hundert Kilometer weit angereist war und dankte Dekan Josef Renner mit bewegenden Worten: "Ich wäre nicht das, was ich heute bin, wenn ich durch Sie nicht die Möglichkeit des Schulbesuches bekommen hätte". Am Ende einer wunderbaren Reise mit unendlich vielen Eindrücken steht fest: Gastfreundschaft wird in Ghana ganz groß geschrieben. So hat uns beispielsweise Erzbischof emeritus Gregory seine Köchin Regina für den Aufenthalt an der Missionsstation bei Father John mit ihren Kenntnissen "europäischer Küche" zur Verfügung gestellt.
Irmgard Hilmer in Ghana. Teil 8
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Das Juwel dieses Landes sind zweifellos die Menschen mit ihrer Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Ausgelassenheit. Sie zeigen, dass Glück nichts mit dem Bankkonto zu tun hat, nichts mit einem schicken Auto, schönem Haus oder der Qualität der Kleidung. Sie sind arm und haben nichts im Vergleich zu uns. Aber sie strahlen Glück und Zufriedenheit aus. Hilfe können sie auf vielfältige Weise brauchen: vom Gesundheitswesen, dem Bau von Brunnen, Unterstützung bei der Schulausbildung und vielem mehr. Jeder Euro ist hier gut angelegt und kommt zu 100% an.
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