"Wir bleiben bunt"
3500 Menschen demonstrieren gegen Rassismus und für Toleranz
Landshut demonstriert gegen Rechts. Viele Schüler machten mit. Fotos: Claus Zettl
Von Siegfried Rüdenauer
Schüler, Eltern, Lehrer und weitere Bürger aus Landshut und Umgebung haben gestern deutlich Flagge gegen Rassismus und Rechtsextremismus gezeigt. Vom miesen Wetter ließen sie sich nicht die Laune verderben. Im Gegenteil: Laut Polizei und Organisatoren kamen rund 3500 friedliche Kundgebungsteilnehmer vors Rathaus. Das Motto lautete "Wir bleiben bunt. Vielfalt ist unsere Stärke".
Auf Plakaten machten die Schüler klar, um was es ihnen geht. Unter anderem hieß es "Das Wir gewinnt", "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen", "Vielfalt statt Einfalt", und "Nazis? Nein danke!". Und immer wieder wurde "Wir bleiben bunt!" und "Lieber nass als braun" skandiert. Die Kundgebungsteilnehmer machten mit ihren Plakaten, Trommeln und lauten Rufen deutlich, dass sie absolut nichts von dem geplanten Landestreffen der NPD-Jugend im Hans-Leinberger-Gymnasium (HLG) halten.
Bei dem von Alexandra Kurka-Wöbking organisierten Termin riefen die HGL-Schüler Sukhvir Kaur von der AG gegen Rassismus und Faschismus und Jonas Paintner von der Schülermitverwaltung dazu auf, für Menschenrechte und Freiheit zu kämpfen und gemeinsam die Demokratie zu stärken. Unter tosendem Applaus lobten sie Schüler, Eltern und Lehrer; sie hätten nicht die Augen verschlossen, sondern großes Engagement gezeigt. Diesem Engagement sei es zu verdanken, dass mit der Kundgebung ein so klares Zeichen gegen rechtes Gedankengut gesetzt werde.
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Kein Braun im Regenbogen
HLG-Schulleiter Peter Renoth sprach über Respekt, Toleranz, Charakter, Tatkraft, Entschlossenheit und Würde. All dies hätten die Schüler immer wieder zum Ausdruck gebracht. Es gehe nun darum, auch in Zukunft dafür zu sorgen, dass die Schule ein geschützter Raum und Heimat für alle bleibe. Renoth widmete sich auch dem Kundgebungsmotto und den Regenbogenfarben, für die man sich entschieden habe. Unter großem Beifall sagte er: "Kein Regenbogen dieser Welt enthält die Farbe braun."
Dr. Birgit Brunner, die für die Schulfamilie sprach, richtete sich mit diesen Worten an die vielen Schüler: "Wir haben schöne bunte Häuser in der Altstadt - und bunt ist eure Einstellung." Die Schüler seien offen, liberal und freiheitlich. Gemeinsam habe man eine Stimme, die auch gehört werde. Unter riesigem Applaus sagte Brunner: "Mit euch brauchen wir Erwachsene keine Sorgen um eine offene und demokratische Gesellschaft zu haben."
Aus München angereist war Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Der CSU-Politiker sagte, Landshut stehe auf und mache unmissverständlich klar, dass Menschenrechte nicht mit Füßen getreten werden dürften. Mit ihrer Kundgebung widersetzten sich die Demonstranten kreativ dem Versuch einer rechtsextremistischen Gruppe, in einer Schule eine Versammlung abzuhalten. Er bedankte sich bei der Schule, die deutlich mache: "Wir widerstehen den Anfängen."
Menschen, die anderen Menschen ihre Unversehrtheit streitig machen wollten, hätten in Deutschland keinen Platz, sagte Spaenle unter Beifall. Der Minister sprach außerdem über die Wurzeln der Demokratie und darüber, dass nie wieder etwas geschehen dürfe, das die Würde des Menschen verletze.
Der DGB ist Pate des HLG-Projekts "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". DGB-Regionssekretär Hans-Dieter Schenk sagte gestern, Organisationen wie die NDP seien Trittbrettfahrer der sozialen Frage. Umso wichtiger sei die Forderung nach gleichem Lohn bei gleichen Arbeitsbedingungen. Dies gelte für alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Staatsangehörigkeit.
Landshut demonstriert gegen Rechts. Viele Schüler machten mit. Fotos: Claus Zettl
Sternstunde der Demokratie
Zur Kundgebung am Rathaus kamen die meisten Teilnehmer in einem Sternmarsch, was Peter Renoth dazu brachte, von einer Sternstunde der Demokratie zu sprechen. Schüler, Eltern und Lehrer marschierten vom HLG in die Altstadt, unterwegs schlossen sich Mitstreiter des Gymnasiums Seligenthal, der Berufsschule I und der Wirtschaftsschule Seligenthal an. In einem weiteren Zug waren Schüler, Eltern und Lehrer der Fachoberschule, der Berufsoberschule und des Hans-Carossa-Gymnasiums unterwegs. Mit Bussen zur Grieserwiese kamen die Teilnehmer vom Maristengymnasium Furth und von der Volksschule Ergolding.
Oberbürgermeister Hans Rampf erhielt während der Kundgebung eine Liste mit mehr als 4000 Unterschriften von Schülern, Eltern und Lehrern mehrerer Schulen. Die Unterzeichner machen sich für demokratische Werte und gegen Treffen des NPD-Nachwuchses in einer Schule stark.
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