Landshuter Schätze, Teil 9: Schrecken der Barbarei


Die Glasfenster in der Kastuluskapelle in St. Martin


 

Adolf Hitler foltert den ausgemergelten heiligen Kastulus: Max Lachner verband Heiligenlegende und die Barbarei des Dritten Reiches.(Foto: cv)

Eine alte Heiligenlegende verbindet sich mit noch höchst gegenwärtigem Schrecken: Der heilige Kastulus, den ausgemergelten Körper nur dürftig bedeckt, wird zur Folter geschleift. Einer der Folterschergen ist Adolf Hitler.

Max Lachner gestaltete die Fenster der Kastuluskapelle in St. Martin 1964. Er griff dabei auf eine Vorlage des Landshuter Bildhauers Hans Leinberger zurück, der zwischen 1510 und 1514 das Altarrelief des Kastulusmünsters schuf. Seit dem frühen Mittelalter lagen die Gebeine des Heiligen in Moosburg. Später wurden sie nach Landshut überführt.

Der Legende nach war Kastulus Kammerherr des römischen Kaisers Diokletian. Er wurde Christ und wollte dem Glauben auch unter der Folter nicht abschwören. Schließlich wurde er in eine Grube geworfen und bei lebendigem Leib mit Sand zugeschüttet.

Diese Stationen der Legende hatte Leinberger dargestellt, und Lachner orientierte sich stark daran. Doch er verflocht mit Hitler, Goebbels und Göring als Folterknechten die jüngste Geschichte der Barbarei mit dem Leiden des Märtyrers. Der Schutzpatron der Bauern und Hirten wird damit zugleich Leidensgenosse und Fürsprecher der Opfer des nationalsozialistischen Regimes. -tin-

Die Serie "Landshuter Schätze" stellt in den Sommerferien Details aus Bauwerken der Stadt vor. Sie erscheint in loser Folge. Den nächsten Teil gibt es am Dienstag.

Ortsinformation:  Deutschland > Landshut


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