"Hochzeiter" schmausen historisch-deftig
Ein kulinarischer Streifzug über den Lagerplatz
Florian Rothenberger und Sabine Radlmeier haben für die Zigeuner gekocht: Es gibt Bigos, eine polnische Krautsuppe nach historischem Rezept.
Landshut. Kochen im Lager der Landshuter Hochzeit ist eine Herausforderung: Einerseits müssen die vielen Köche und Helfer historisch korrekt kochen, andererseits soll das Essen dem verwöhnten Gaumen des 21. Jahrhunderts gerecht werden. Was es wo gibt - die Landshuter Zeitung schaute in die Töpfe und auf den Grill einiger Gruppen.
"Hochzeiter" schmausen historisch-deftig
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Die Zigeuner
Das mit Stroh ausgelegte Lager verströmt den Duft von Abenteuer und Naturverbundenheit. Hätte es im Mittelalter so etwas wie Aussteiger gegeben, sie hätten sich dort recht wohl gefühlt. Auch wenn die Zigeuner, ein wenig auf heruntergekommen machen - beim Essen achten sie auf Qualität. Im Kessel über dem Feuer kocht etwas Eintopfartiges. Bigos, sagt Florian Rothenberger. Zusammen mit Sabine Radlmeier hat er die polnische Krautsuppe gekocht. Suppe ist allerdings irreführend, denn flüssig ist da kaum etwas, dafür aber saftig.
Schweinefleisch, Speck, Weißkraut und Dörrpflaumen werden mit Wein eingekocht und schmecken am Ende ganz hervorragend. "Vergangenes Wochenende gab's Milchhühnchen, und nächsten Sonntag machen wir Wildschwein", sagt Rothenberger. Schönes Zigeunerleben. 40 Männer und Frauen werden im Lager der Zigeuner an den Wochenenden bekocht. Aber es gibt noch weitere Mitesser: Die Stadtknechte neben den Zigeunern. "Die können nicht kochen und kriegen von uns was ab", sagt Rothenberger. Beim Blick auf das Lager der Knechte wird ihr kulinarisches Elend schnell sichtbar: Dauerwürste so weit das Auge reicht. Zigeuner haben es - zumindest was die Verpflegung angeht - deutlich besser.
Die Hofküche
Zentrale Anlaufstation für hungrige "Hochzeiter" ist die Hofküche. Und zwar nicht nur, weil sie geographisch günstig fast in der Mitte des Lagerplatzes liegt. Wochenende für Wochenende versorge man ungefähr 500 Leute, sagt Elisabeth Neudecker. Sie ist zum fünften Mal eines von heuer 47 Mitgliedern der Hofküche. Um planen zu können, müssen sich die Gruppen schon vier Wochen vorher anmelden. Dafür lässt die Speisekarte keine Wünsche offen. Von Rindssuppe über Rehgulasch und Spanferkel bis hin zu Grillfleisch und Steckerlfisch reicht das Angebot mittelalterlicher Köstlichkeiten. Als Nachtisch werden Pfannkuchen, Arme Ritter - das sind ausgebackene Semmeln, die mit Zimt und Zucker bestreut werden - und Apfelkücherl kredenzt.
Die Küche sei etwas fleischlastig, räumt Neudecker ein. Denn Tomaten oder Kartoffeln kannte man 1475 noch nicht. Allerdings seien Salate in Mode gekommen. "Die Edeldamen und Pagen achten schon auf ihre Linie." Besonders der Krautsalat sei bei den jungen Mädchen sehr beliebt. Spezialität der Hofküche ist aber die ganze Sau am Spieß. "Die macht schon was her", findet Neudecker. Mit Kochen ist die Arbeit der Hofküche nicht getan. Es muss auch gespült werden - und zwar per Hand. Dafür habe man eigens einen Spülplan entworfen, sagt Neudecker. "Jeden Tag sind fünf andere Leute dran." Der Wochenenddienst beginnt bereits am Freitagmorgen. Dann wird die Ware angeliefert. Am Montag ist laut Neudecker Nacharbeit angesagt. "Dann müssen wir Leergut verstauen und den restlichen Abwasch erledigen." Wer bei der Hofküche mitmachen will, muss also fleißig anpacken. Neudecker tut es gerne: "Die Freude der Verköstigten und der Hochzeitszug am Sonntag entschädigen für alle Mühen."
Die Pferdeführer
Das Lager der Pferdeführer ist leicht auszumachen - zumindest an den Sonntagen. Denn da wird eine Sau überm Feuer gedreht. Für Walter Brettmann, einer der Köche der Pferdeführer, heißt das früh aufstehen. "Um fünf in der Früh geht's los, damit die Sau bis abends fertig ist", sagt er. Das 110-Kilo-Tier muss gute 15 Stunden gedreht werden und "darf keine Sekunde still stehen, sonst verbrennt sie".
Drei Köche und drei Marketenderinnen versorgen jeweils 140 bis 160 Leute an jedem Sonntag. Eine Herausforderung, denn wenn was schief liefe, wäre der Unmut groß. "Auf keinen Fall darf die Sau nass werden, sonst sprengt es sie", sagt Brettmann. Deshalb ist die Feuerstelle unter einem Dach aufgebaut, damit kein Regen dran kommt. "Bisher ist noch nichts passiert - ich hoffe das bleibt so." Auch Brettmann ist Hobby-Koch, wie so viele im Lager, die an den Töpfen und am Grill stehen. Beruflich betreibt er eine kleine Autowerkstatt. Doch während der Landshuter Hochzeit kocht er fast jeden Tag für die Pferdeführer - zu viel wird ihm das nie, versichert er. "Mir macht es so viel Spaß, dass ich die viele Arbeit gar nicht merke."
Ausführlicher Bericht in der Landshuter Zeitung vom 16. Juli 2009!
Emanuel Socher-Jukic und Johannes Viertlböck
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